Subaru WRX STI im Handelsblatt-Test: Bauer sucht Fahrspaß

Subaru WRX STI im Handelsblatt-Test
Bauer sucht Fahrspaß

Als "Bauernporsche mit Biertheke" verschrien, hat es der Subaru WRX STI nicht leicht, mit seinem Proll-Image. Understatement sieht anders aus. Lufthutze und Riesen-Heckspoiler lenken von seinen wahren Stärken ab.
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DüsseldorfEin Proletentraum in Blech und Plastik: Diese monströse Lufthutze auf der Motorhaube, dieser bierthekengroße Heckflügel, der die ganze Optik des Subaru dominiert. Beide provozieren bei Betrachtern des WRX STI, der früher noch Impreza hieß, die immer gleichen ersten Fragen: "Braucht der das?", "Bringt das was?". "Nein. Aber der darf das", sagt der genervte Testfahrer. Ganz klar: Die optischen Signale stehen auf Angriff. Und sie provozieren abfällige Kommentare. "Prolet", muss man sich nennen lassen.

"Aber mit Schmackes!", könnte man zurückrufen. Denn die verbale Attacke könnte der schwarze Testwagen von Subaru auch technisch problemlos mitgehen: Hoch drehender und flach bauender Boxermotor mit 300 Turbo-PS, permanenter Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung, hartes und gutes Fahrwerk, verstellbares Differential und zwei während der Fahrt abrufbare, sehr sportliche Fahrmodi. Kurzum: Der WRX STI ist kein Möchtegern, der hat richtig was drauf.

Nachdem der erste optische Schreck überwunden ist, überzeugt der Wagen schon auf den ersten Metern mit spontanem Antritt, kernigem Auspuffsound und Sitzkomfort unter dem Motto hart, aber herzlich. Das muss so sein, im WRX STI, denn er versteht sich seit etlichen Modellgenerationen als Straßenableger von Subarus erfolgreichem Rallye-Engagement.

Legenden wie Colin McRae, Richard Burns oder Petter Solberg fahren quasi ein bisschen mit in diesem Auto. Aber nur, wenn man ein älteres Modell, oder ein schlechtes Gedächtnis hat: denn der ewige Konkurrent zum Mitsubishi Lancer Evo ist bereits 2008 aus der Rallye-Weltmeisterschaft WRC ausgestiegen. Der Subaru ist aber kein Poser, der nur sportlich tut. Das ist vielmehr einer dieser typischen Drittwagen, den die Landjugend Samstags aus der Garage holt, wenn es Richtung Nordschleife geht.

Preislich einigermaßen erschwinglich macht Subaru dieses Vergnügen durch den Verzicht auf vieles, was bei sogenannten Premiumfahrzeugen seitenlange Aufpreislisten füllt und Pseudo-Sportler verfetten lässt. Zwar gibt's auch im Testwagen einiges an Extras, wie etwa Tempomat, Berganfahrhilfe und Telefon-Bedienungstasten im Lenkrad, die hätte man meiner Ansicht nach aber besser alle direkt weggelassen. In einem solchen Kracher will ich mich voll und ganz aufs dynamische Fahren konzentrieren, will rausfinden was auf den diversen Hausstrecken noch geht. Radio- und CD-Player stören dabei zwar nicht, sind aber ebenso Luxus wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage und Navi.

Die Winterreifen erlauben eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h, viel mehr ist aber auch mit Sommerreifen nicht drin. Von Null bis dahin vergehen nur wenige aufregende Sekunden, sie sind mit Gas geben, zügig schalten und Lenkrad gut festhalten sehr sehr schnell verflogen. Im Sprint wirkt der Motor zwar bis etwa 3.000 Umdrehungen zwar ein bisschen lustlos, zeigt eher wenig Drehmoment. Typisch Turbo!

Die volle Leistung von 221 kW liegt auch erst bei 6.000 U/min an, und vom Fahrgefühl her kann der Testwagen eigentlich in jeder Lebenslage ein bisschen mehr Drehzahl gebrauchen. Das satte Drehmoment von 407 Newtonmeter gibts erst bei 4.000 Kurbelwellen-Umdrehungen in der Minute.

Von 4.000 bis 6.000 Umdrehungen ist der 2,4-Liter-Boxer mit variabler Ventilsteuerung voll in seinem Element. Da liegt auch der Bereich, der die Auspuffanlage richtig schön röhren lässt. Doch wer heftig Gas gibt, muss sich auf schnelles Schalten einstellen. Vom mittleren Drehzahlbereich bis in den rot blinkenden Drehzahlbegrenzer geht es vor allem im zweiten bis vierten Gang rasend schnell. Jetzt macht der WRX so richtig Spaß. Klar ist auch: In diesem Auto ist gemütliches cruisen ausgeschlossen.

Die Kraftübertragung besorgt ein Sechsgang-Handschaltgetriebe. Es ist gut abgestimmt, aber bei weitem nicht so knackig und schnell zu schalten wie das des kleineren Sportwagen-Bruders BRZ, sondern hakelt auch schon mal.

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