Suzuki Ignis im Handelsblatt-Test Gerüstet für den Dschungel der Großstadt

Es gab ihn schon mal, den Ignis. Nach acht Jahren Pause hat Suzuki den Kleinwagen nun so zum SUV umgebaut, dass man den Vorgänger gern vergisst. Bietet der Allrad-Fünftürer im Alltag denn nun das Beste aus beiden Welten?
Update: 19.05.2017 - 10:23 Uhr
Das nur 3,70 Meter kurze Micro-SUV hätte fast eine neue Gattung begründet. Wenn es nicht den Fiat Panda 4x4 schon geben würde, der ebenfalls Allradantrieb mit Kleinwagen-Genen kombiniert. Quelle: Frank G. Heide
Der Suzuki Ignis ist klein, seine Designer zeigen aber großes Selbstbewusstsein

Das nur 3,70 Meter kurze Micro-SUV hätte fast eine neue Gattung begründet. Wenn es nicht den Fiat Panda 4x4 schon geben würde, der ebenfalls Allradantrieb mit Kleinwagen-Genen kombiniert.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfNatürlich gibt es größere, teurere, stärkere, bessere Autos als den neuen Suzuki Ignis. Auch schönere. Aber Evolution bedeutet Anpassung, und weil seine Entwickler das beherzigen, macht der kleine Japaner vor allem in seinem Stammrevier vielen Wettbewerbern was vor. Andererseits bleibt das erste sogenannte „Micro-SUV“ im Alltag auch nicht ganz fehlerfrei, wie sich in zwei intensiv durchfahrenen Wochen mit dem Ignis 1.2 Allgrip zeigte.

Von außen betrachtet, und bei hellem Frühsommerlicht, da ist der kleine Fünftürer ein echter Sonnenschein. Die zurzeit bei Testwagen besonders beliebte dunkle Metallic-Orange-Lackierung lässt ihn praktisch von innen heraus leuchten und funkeln, sodass er im Alltagstest viele neugierige Blicke erntet. Eine helle und in modischen Zweifarbtönen gehaltene Innenausstattung unterstützt den freundlichen Eindruck. Dass nur die wenigsten Betrachter ihn spontan „schön“ finden, das liegt an der ebenso auffallenden wie ungewöhnlichen Formgebung. Vor allem hinten.

Klarer Fall von Geschmacksache
Das streckt in die Höhe
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Die optisch gut geratene Dachreling betont die insgesamt sehr schmale und hohe Bauart des Ignis: Der Suzuki ist fast genau so hoch wie breit.

Bitte einsteigen!
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Der fast ebenso breite wie hohe Wagen bietet vorne großzügige Platzverhältnisse, hinten reicht es gerade so für zwei Erwachsene. SUV-Typisch sitzt der Fahrer auf leicht erhöhter Position.

Das Angebot an Rundinstrumenten ist übersichtlich
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Der Drehzahlmesser ist im Alltag eindrucksvoller als der Tacho. Der 1,2-Liter-Benziner dreht nämlich schnell und leicht sehr hoch. Die Spitzengeschwindigkeit ist aber schon bei Tempo 165 erreicht.

Beim Sprint aus dem Stand auf 100 km/h vergehen im 5-Gang-Handschalter 11,9 Sekunden. Und da wo jetzt noch das Suzuki-„S“ steht, informiert der Bordcomputer über Verbrauch und Reichweite.

Blick auf die Verbrauchsanzeige
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Suzuki gibt für den Euro 6-Wagen der Effizienzklasse C mit 1,2-Liter-Benziner und Allradantrieb einen kombinierten Durchschnittsverbrauch von 5 Liter Super an. Im Alltag lag der Verbrauch aber meist rund 1,5 Liter höher.

Karosserieüberhänge sind ihm praktisch unbekannt
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Die Stoßstange wurde ins eigenwillige Heck integriert und die kleinen Reifen stehen ganz außen in den Radhäusern. So hat der Ignis schon ein bisschen was von einem Krabbeltier. Was er dank Allradantrieb ja auch sein kann, wenn man ihn abseits des Asphalts bewegt

Blick unter die Haube
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Der 1,2-Liter-Vierzylinder liegt vorn, und er treibt die Vorderräder an. Ist Allradantrieb an Bord, so leitet bei Schlupf eine Visko-Kupplung das Drehmoment auch an die Hinterachse.ter.

Schluss mit Rücksicht
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Im Prinzip ist der Ignis ja ein sehr übersichtliches Fahrzeug, dass jedermann aufgrund seiner geringen Abmessungen sehr gut einschätzen können wird. Nur die arg breite C-Säule des pummeligen Hecks, die trübt den Schulterblick.

Der Ignis ist besonders schmal (1,66 m) und hoch (1,60 m) geschnitten, die Dachreling on top und die weit außen in den Radhäuser stehenden schmalen Reifchen unterstützen diesen Eindruck. Seine Seitenansicht wird von zwei Merkmalen dominiert: Die Räder stellen fast die äußersten Punkte des 3,70 Meter kurzen Fahrzeugs dar, es gibt so gut wie keine optischen Überhänge. Und sein kantiges Heck, das oben schräg und unten gerade abfällt, das wirkt sogar, als könnte es von einem Young- oder Oldtimer stammen.

Mit modernen Zutaten wie einem Heck-Dachspoiler, zweifarbigen Alufelgen, einem schwarzen Dach, dezenter Kunststoff-Beplankung und auffällig geformtem LED-Tagfahrlicht sowie einigen eigenwilligen Sicken im Blech haben die Kleinwagenexperten von Suzuki sich aber richtig Mühe gegeben: Man möchte auf kleinstem Raum möglichst viel Eindruck schinden. Das gelingt innen aber ein wenig besser als außen.

Dass der Wagen so winzig ist, das merkt der Fahrer nicht, wenn er einsteigt. Das Raumgefühl ist alles andere als beengt. Dazu trägt auch eine weite Verstellung des Sitzpolsters bei. Das Lenkrad hingegen ist nicht allzu individuell anzupassen, es bewegt sich nur in der Höhe, kann nicht in der Tiefe verstellt werden.

Die Sitze sind ein erster ernsthafter Kritikpunkt. Zwar ist die Sitzposition leicht erhöht, wie von SUV-Fans gewünscht, und sie schafft eine gute Übersicht über den Ignis. Doch die Polster sind noch weicher, als das Wort „komfortabel“ es zulässt, sozusagen so französisch wie ein Citroen in den 70er Jahren. Mit geringem Seitenhalt unterstützen sie den Fahrer nur dann, wenn er das Gaspedal durchtritt und in den Schaumstoff einsinkt.

Zudem hatten wir die Sitze, wie auch die großen Kunststoffflächen im Verdacht, für den nicht gerade angenehmen „Neuwagengeruch“ chemisch-synthetischer Art verantwortlich zu sein, der sich nur durch offene Fenster vertreiben ließ.

Das Cockpit ist klar gegliedert und nicht überladen. Modern wirkt vor allem die Mehrfarbigkeit der großen Konststoffflächen. Quelle: Frank G. Heide
Blick auf den Fahrer-Arbeitsplatz

Das Cockpit ist klar gegliedert und nicht überladen. Modern wirkt vor allem die Mehrfarbigkeit der großen Konststoffflächen.

(Foto: Frank G. Heide)

Besser geraten sind die vielen kleinen und mittleren Ablageflächen, die einen verschmerzen lassen, wie weit man sich zur Mittelkonsole hinunterstrecken muss. Immerhin: Dort herrscht auch an Strom- und USB-Anschlüssen kein Mangel. Und in den Seitentaschen finden sogar 1,5-Liter Flaschen in einer passende Mulde wackelfreien Halt.

Richtig gut ist die farbige Optik innen: Weiß trifft großflächig auf Orange, das erweitert gefühlt den Raum und gilt als zeitgeistig. Zweifarbigkeit ist ja heutzutage das, was in den 90er Jahren die lila-grün-blaue Fliegerseide des Freizeitanzugs war: obligatorisch im Niedrigpreissegment.

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