Suzuki Ignis im Handelsblatt-Test
Gerüstet für den Dschungel der Großstadt

Es gab ihn schon mal, den Ignis. Nach acht Jahren Pause hat Suzuki den Kleinwagen nun so zum SUV umgebaut, dass man den Vorgänger gern vergisst. Bietet der Allrad-Fünftürer im Alltag denn nun das Beste aus beiden Welten?

DüsseldorfNatürlich gibt es größere, teurere, stärkere, bessere Autos als den neuen Suzuki Ignis. Auch schönere. Aber Evolution bedeutet Anpassung, und weil seine Entwickler das beherzigen, macht der kleine Japaner vor allem in seinem Stammrevier vielen Wettbewerbern was vor. Andererseits bleibt das erste sogenannte „Micro-SUV“ im Alltag auch nicht ganz fehlerfrei, wie sich in zwei intensiv durchfahrenen Wochen mit dem Ignis 1.2 Allgrip zeigte.

Von außen betrachtet, und bei hellem Frühsommerlicht, da ist der kleine Fünftürer ein echter Sonnenschein. Die zurzeit bei Testwagen besonders beliebte dunkle Metallic-Orange-Lackierung lässt ihn praktisch von innen heraus leuchten und funkeln, sodass er im Alltagstest viele neugierige Blicke erntet. Eine helle und in modischen Zweifarbtönen gehaltene Innenausstattung unterstützt den freundlichen Eindruck. Dass nur die wenigsten Betrachter ihn spontan „schön“ finden, das liegt an der ebenso auffallenden wie ungewöhnlichen Formgebung. Vor allem hinten.

Der Ignis ist besonders schmal (1,66 m) und hoch (1,60 m) geschnitten, die Dachreling on top und die weit außen in den Radhäuser stehenden schmalen Reifchen unterstützen diesen Eindruck. Seine Seitenansicht wird von zwei Merkmalen dominiert: Die Räder stellen fast die äußersten Punkte des 3,70 Meter kurzen Fahrzeugs dar, es gibt so gut wie keine optischen Überhänge. Und sein kantiges Heck, das oben schräg und unten gerade abfällt, das wirkt sogar, als könnte es von einem Young- oder Oldtimer stammen.

Mit modernen Zutaten wie einem Heck-Dachspoiler, zweifarbigen Alufelgen, einem schwarzen Dach, dezenter Kunststoff-Beplankung und auffällig geformtem LED-Tagfahrlicht sowie einigen eigenwilligen Sicken im Blech haben die Kleinwagenexperten von Suzuki sich aber richtig Mühe gegeben: Man möchte auf kleinstem Raum möglichst viel Eindruck schinden. Das gelingt innen aber ein wenig besser als außen.

Dass der Wagen so winzig ist, das merkt der Fahrer nicht, wenn er einsteigt. Das Raumgefühl ist alles andere als beengt. Dazu trägt auch eine weite Verstellung des Sitzpolsters bei. Das Lenkrad hingegen ist nicht allzu individuell anzupassen, es bewegt sich nur in der Höhe, kann nicht in der Tiefe verstellt werden.

Die Sitze sind ein erster ernsthafter Kritikpunkt. Zwar ist die Sitzposition leicht erhöht, wie von SUV-Fans gewünscht, und sie schafft eine gute Übersicht über den Ignis. Doch die Polster sind noch weicher, als das Wort „komfortabel“ es zulässt, sozusagen so französisch wie ein Citroen in den 70er Jahren. Mit geringem Seitenhalt unterstützen sie den Fahrer nur dann, wenn er das Gaspedal durchtritt und in den Schaumstoff einsinkt.

Zudem hatten wir die Sitze, wie auch die großen Kunststoffflächen im Verdacht, für den nicht gerade angenehmen „Neuwagengeruch“ chemisch-synthetischer Art verantwortlich zu sein, der sich nur durch offene Fenster vertreiben ließ.

Besser geraten sind die vielen kleinen und mittleren Ablageflächen, die einen verschmerzen lassen, wie weit man sich zur Mittelkonsole hinunterstrecken muss. Immerhin: Dort herrscht auch an Strom- und USB-Anschlüssen kein Mangel. Und in den Seitentaschen finden sogar 1,5-Liter Flaschen in einer passende Mulde wackelfreien Halt.

Richtig gut ist die farbige Optik innen: Weiß trifft großflächig auf Orange, das erweitert gefühlt den Raum und gilt als zeitgeistig. Zweifarbigkeit ist ja heutzutage das, was in den 90er Jahren die lila-grün-blaue Fliegerseide des Freizeitanzugs war: obligatorisch im Niedrigpreissegment.

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