Suzuki Vitara im Handelsblatt-Autotest
Der Range Rover aus dem Manga-Comic

Rund ein Prozent Anteil am deutschen Automarkt verteidigte Suzuki in vergangenen Jahren. Damit das mindestens so bleibt, muss man SUVs anbieten. Was liegt da näher, als die Wiederbelebung eines Lifestyle-Allraders?
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DüsseldorfSeit 35 Jahren ist Suzuki am deutschen Markt, und den Vitara, den gab es schon einmal. Mit dem jetzigen Testwagen dieses Namens ist allerdings nicht der Grand Vitara verwandt, der bald ausläuft. Er ist vielmehr die Widerauferstehung des Vitara, der zuletzt 1998 als Lifestyle-Allrader aus der Produktion lief. Und es kann dem Hersteller, der nicht zu den Großen am deutschen Markt zählt, nur Recht sein, dass er an einen erfolgreichen Briten erinnert. Man muss sich angesichts des Testwagendesgins vor allem an Front und Heck mehr als nur ein bisschen an Range Rovers Evoque denken.

Große Glasflächen bieten gute Rundumsicht, eine leicht ansteigende Seitenlinie vermittelt Dynamik. Starke Kanten und Offroad-Beplankung zeigen ihn als Kerl zum Anlehnen. Zahlreiche Individualisierungs-Möglichkeiten mit Kontrastfarbe für die Dachlackierung und Wunschdesign am Frontgrill greifen eine bewährte Vermarktungs-Strategie auf.

Das Metallic-Türkis mit schwarzem Hut – die Ausstattungsliste lehrt uns die Namen Atlantis Turqoise Pearl Metallic mit Dachpartie in Cosmic Black Pearl Metallic – hebt sich nach außen stark vom Schwarz-Weiß-Grau vieler anderer SUVs ab und lebt im Innenraum weiter. Im Vergleich zu einem dezent-dunklen Tiguan wirkt der Vitara, als käme er aus einem typisch japanischen Manga-Comic.

Im Innenraum sehen wir aber auch Potenzial für ein appetitlicheres Ambiente. Große Flächen aus hartem und nicht gerade wertig glänzendem Plastik wirken karg und dämpfen ein wenig die Freude, gleiches gilt für die wenig konturierten Sitze, die kaum Seitenhalt und wenig Reisekomfort bieten.

Ganz witzig ist die Analog-Uhr zwischen den Lüftungsdüsen in der Mitte des Armaturenbretts. Der Käufer kann aus einer Fülle von Zifferblatt- und Zahlendesigns wählen, und der Preis für die Spielerei hält sich mit 65 Euro in Grenzen. In unserem Exemplar fanden sich alt-japanische Tiersymbole, die vor Hunderten von Jahren für die Darstellung von Tageszeiten verwandt wurden.

Außer einer Vorliebe für ungewöhnliche Zifferblätter scheinen Suzuki-Designer auch außergewöhnlich große Hände zu haben: Der Schaltknauf des knallbunten Lifestyle-Bonbons ist ungewohnt groß, füllt selbst eine ausladende Männerhand besser als ein Baseball.

Ebenso wie die schräge Uhr hat es uns das Handschalt-Original-Zubehörteil richtig angetan, denn obwohl es opulent bemessen ist, überfordert es selbst kleine Hände nicht. Die Griffigkeit stimmt, sodass wir unseren Testwagen sicher bis in den sechsten Gang führen können.

Allerdings hat der Vitara-Interessent im schlicht gestrickten Antriebsangebot deutlich weniger Auswahl als bei den Extras. Suzuki stattet die Modelle generell mit 1,6 Liter großen Vierzylindern aus. Sowohl Benziner als auch Diesel leisten 88 kW bzw. 120 PS.

Der von Fiat zugelieferte 1,6 Liter große Selbstzünder erscheint uns als gute Wahl, er nagelt im Stand genügsam und dezent vor sich hin. Aus dieser Ruhe kommt Kraft. Und die ist mit 320 Newtonmeter Drehmoment so reichlich vorhanden, dass Zwischenspurts oft überraschend stark und flott gelingen.

MarkeModellkWPSNeupreisRestwert 2019Wertverlust
SuzukiVitara Comfort
1.6 DDiS 4x4
8812022.490 €56% / 12.594 €9.896 €
MazdaCX-3 Exclusive-Line
Skyactiv-G 150 i-Eloop
11015024.690 €55,5% / 13.703 €10.987 €
Fiat

500X Pop Star, 1.4

MulitAir 103 kW

10314021.450 €53,5% / 11.476 €9.974 €

Dabei hilft auch der Allradantrieb, der 2.000 Euro extra kostet: Er arbeitet nicht wie beim Namensvorgänger permanent, sondern schaltet die Hinterachse nur bei Traktionsverlust zu. In der Sport-Einstellung wird außerdem auch beim Anfahren und Beschleunigen ein Teil der Motorkraft nach hinten geleitet, was das agile Fahrgefühl unterstützt.

Zum Vergleich: Eine gleichgroße Dieselmaschine im VW Golf kommt bei 110 PS auf 250 Newtonmeter. Und weil der Vitara noch zehn Pferdestärken oben drauf legt, lädt er auch zum schaltfaulen Mitschwimmen ein.

Wir willigen ein, denken nicht länger über die leichte Anfahrschwäche nach, und lassen uns treiben. Unser Blick schweift, denn die Distance Control hält uns in Kooperation mit dem Tempomaten auf sicherer Distanz zum Vordermann.

Kommentare zu " Suzuki Vitara im Handelsblatt-Autotest: Der Range Rover aus dem Manga-Comic"

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  • "Man muss sich angesichts des Testwagendesgins vor allem an Front und Heck mehr als nur ein bisschen an Range Rovers Evoque denken."
    Ich hoffe das ist ein Witz von Ihnen!? Der Evoque ist dank seines Designs recht beliebt bei der Käuferschaft dieser Fahrzeuggattung. Bei diesem Suzuki wird dies das Gegenteil sein, weil er eben nicht im Geringsten wie ein Range Rover aussieht.

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