Tesla Model S im Handelsblatt Autotest Zurück in die Zukunft

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Beschleunigung wie ein Flugzeug
Im Model S wird fast alles über den großen Touchscreen gesteuert – mit Vor- und Nachteilen. Quelle: Sebastian Schaal

Im Model S wird fast alles über den großen Touchscreen gesteuert – mit Vor- und Nachteilen.

(Foto: Sebastian Schaal)

Na gut. Gestartet wird das Model S über einen Tritt auf das Bremspedal. Der Weg aus dem Parkhaus gelingt trotz fast fünf Metern Länge und 2,19 Meter Breite relativ problemlos. Eine gestochen scharfe Rückfahrkamera und diverse Parksensoren (500 Euro extra) steuern den Fahrer zur Ausfahrt. Der Abstand zu möglichen Hindernissen wird zentimetergenau angezeigt.

Einmal auf der Straße kann der Tesla zeigen, was in ihm steckt – und das ist vor allem lautlose Leistung. Und was für eine. Wer im Sportmodus auf das Gaspedal drückt, wird in den Sitz gepresst. Der Tesla kann zwar nicht fliegen wie die Autos aus „Zurück in die Zukunft“, aber es fühlt sich fast so an.

Dafür sorgt ein Wechselstrom-Motor, der in der getesteten Performance-Variante auf eine Leistung von 310 kW (umgerechnet 412 PS) kommt. Die Kraft aus dem Heck gibt das Model S damit beeindruckend lautlos frei – so schön wie im Model S beschleunigt man wohl mit keiner anderen Limousine – selbst in dieser Preisklasse.

Auch Autobahngeschwindigkeiten sind für das Model S kein Problem – ohne dass der Akku zu stark belastet wird. Bei einer Durchschnittgeschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde kommt er 480 Kilometer weit. Das macht die große 85-kW-Batterie im Unterboden möglich, auf die Tesla acht Jahre Garantie gibt.

Durch die geschickte Konstruktion hat das Model S damit mehr Stauraum als die meisten Benziner: Dort, wo bei einem Verbrenner der Motor sitzt, bietet der Tesla zusätzlich zum Kofferraum im Heck (745 - 1645 Liter) weiteren Platz fürs Gepäck (150 Liter). Auch die Reichweite ist im Vergleich mit der Elektrokonkurrenz beeindruckend hoch. In Kalifornien legte ein Besitzer mit dem Model S sogar 600 Kilometer zurück. Offen gesprochen: Bei mir ist die Batterie etwas schneller leer, doch das liegt auch an der Freude an der Beschleunigung.

Bremsen ist eigentlich nicht mehr nötig. Wer vom Gas geht, wird durch die starke Rekuperation, also das Wiederaufladen der Batterien, automatisch abgebremst. Während der Fahrt wird der Verbrauch auf dem Touchscreen in Graphen berechnet und die Restreichweite angezeigt. Als die unter 100 Kilometer fällt, mache ich mich auf die Suche nach einer Elektrotankstelle.

Doch eine Ladestation für den Tesla ist in Düsseldorf so selten wie Plutonium für den Flux-Kompensator. Der nächste Tesla-Supercharger befindet sich laut Navigationssystem in Norwegen. Bis dort sind es 1.116 Kilometer. In den nächsten Jahren, so hat es das Unternehmen versprochen, wolle man auch in Deutschland ein Netz aus Superchargern einrichten, an dem das Model S dann über einen Typ-2-Anschluss innerhalb von 25 Minuten halb voll geladen werden kann. An normalen Ladestationen dauert eine volle Ladung immerhin rund vier Stunden. Vorerst bleibt mir also nichts anderes übrig, als ein Hotel anzusteuern, in dem mir eine Ladestation versprochen wird.

Die Dame am Empfang sagt, dass die Ladestation gerade besetzt sei. Man könne einen Termin für Donnerstag machen. Heute ist Dienstag. Ich lehne dankend ab und fahre zurück in die Tiefgarage der Redaktion. Dort gibt es einen Steckdosenanschluss.

Durch einen Wackelkontakt im Ladekabel zeigt der Tesla mehrfach eine Fehlermeldung beim Laden an, einen kleinen Schock kriege ich als die Ladezeit an der Steckdose angezeigt wird: 19 Stunden. Wer ein Auto mit Zukunft fahren will, braucht bisher auch eine Garage mit Ladestation. Ansonsten dauert die Reise zurück in die Zukunft mindestens eine Nacht.

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21 Kommentare zu "Tesla Model S im Handelsblatt Autotest: Zurück in die Zukunft"

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  • Hallo,

    ich verstehe das negative Urteil zum Thema "Ladestationen in D" (worauf Tesla ja auch nur bedingt Einfluss hat) nicht: die Verzeichnisse lemnet.org, plugfinder oder openchargemap zeigen haufenweise öffentliche 400 V/32 A Ladestationen mit denen man kreuz und quer durch Deutschland mobil wird. Frank

  • Für mich zu "designed", zu glatt. Und dabei zu wenig funktional. Schade, dass der Roadster nicht mit 2+2 Sitzen gebaut wird...

  • Naja - für Deutschland sind flächendeckend alle 200km (wegen den höheren Geschwindigkeiten auf der dt. Autobahn) Supercharger bis Ende 2014 geplant. Und in Europa kann man dann von Trondheim Norwegen bis Lissabon Portugal fahren. Finde ich jetzt nicht einschränkend. Ende 2013 soll bereits die Route Amsterdam, München, Genf stehen. Mal abwarten - Sie werden bestimmt berichten ;)

  • Auf jeden Fall ist der Tesla die Zukunft.
    Das Auto muss aber im Detail noch verbessert werden. Ist noch lange kein MB. Modell S ist mnd.12 cm zu breit.Man fährt Felgen und Reifen zu Schrott in den Kurven der Parkhäuser.Bodenfreiheit muss vergrössert werden.Nicht alle sind Rennfahrer.ES gibt auch Feldstrassen.Parkierprobleme beim Abstellen bei Gehsteigen.Achtung an der normalen Steckdose dauert das Aufladen über 20 Stunden.Als Batterieummantelung Stahl verwenden. nicht Blech.Schnellfunkionen wie Licht sollten direkt betätigt werden nicht über Display.

  • Danke für den Hinweis. Der Absatz ist tatsächlich sachlich falsch formuliert und bezieht sich auf die Ladezeit an den bisher verfügbaren Ladestationen.

    Doch auch bei den Superchargern gibt es zwei Haken:
    1. Bei den 60-kWh-Modellen, also dem Einstiegsmodell von Tesla kostet es 2200 Euro extra, damit sie per Supercharger geladen werden können.
    2. Die Supercharger gibt es in Deutschland noch nicht. Und wenn sie da sind, reden wir über ca. zehn Standorte in Deutschland. Wirklich flexibel ist das meiner Ansicht nach noch nicht.

    Beste Grüße

    Lukas Bay

  • Die erfahrungsberichte der Teslafahrer aus Norwegen beweisen genau das Gegenteil. Vielleicht erst informieren, dannn schreiben.

  • Lithiumeisenphosphat ist als Batteriechemie sehr harmlos. Die Uni Braunschweig ist zum Entsorgungsvorschlag "Einbauen in Straßenbelag" im Endergebnis gelangt.

    Das Erdgasauto ist im Plan der Groko zwar auch besonders steuerlich gefördert, dürfte aber wesentlich mehr Primärenergie für den Kilometer verbrauchen als Elektroautos.
    Eine technologieneutrale Politik ist in der EU Richtlinie 2009/28 bereits recht ordentlich realisiert - wird nur in D nicht umgesetzt.

  • Tesla Supercharger werden in Deutschland mit 135KW laden. D.h. in 20 min werden ca. 220km Reichweite geladen. Also keine 4h zum vollladen, wie von Ihnen behauptet. Auch erwähnenswert: das Laden an Tesla-Superchargern ist umsonst.

  • Null Emissionen, weil der Strom kommt ja aus der Steckdose, nicht wahr?
    Und daß das elektrische Leitungsnetz nicht einen Bruchteil an Elektroautos verkraften kann, und massiv ausgebaut werden müßte, das geht auch ohne zusätzlicher Emissionen, nicht wahr?

  • Wer sich über die physikalischen, also mit der Konstruktion dieser Welt gesetzten und auch durch menschlichen Erfindergeist nicht übersteigbaren Grenzen der Elektroakkus informieren will, lese bitte diesen Artikel:

    http://www.science-skeptical.de/politik/technikfeindlichkeit-am-beispiel-elektromobilitaet/0011194/

    Die Schlussfolgerungen sind klar:

    1. Es wird auch in Jahrzehnten noch keinen Akku geben, der es an Energiespeicherkapazität mit einem vollen Benzin- oder Dieseltank aufnehmen könnte.

    2. Die Reichweite von E-Autos wird daher auf Dauer erbärmlich sein. Die im Artikel angegebene Reichweite ist ein rein theoretischer Wert. Im Winter, wenn geheizt werden muss, wenn die Leistung der Batterie wegen der Temperatur ebenfalls drastisch reduziert ist, wenn dann noch ein anspruchsvolles Fahrprofil (Stopp-and Go in der Stadt, hügeliges Gelände) vorliegt, dürfte die praktische Reichweite weit unter 100 km liegen.

    3. Hinzu kommen die langen Ladezeiten.

    4. Ergebnis: Das E-Auto wird immer nur ein kleines Nischenprodukt bleiben.

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