Tesla Model S im Handelsblatt Autotest
Zurück in die Zukunft

Mit dem Model S baut Tesla das Auto der Zukunft. Die Elektrolimousine aus den USA verkauft sich in einigen Märkten mittlerweile besser als der VW Golf. Kann das Wunderkind auch im Alltag überzeugen?
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DüsseldorfIn zwei Jahren können alle Autos fliegen. So hat es mir der Film „Zurück in die Zukunft II“ versprochen als ich sieben Jahre alt war. Ich gebe zu, dass die ernsthaften Zweifel am Realitätsgehalt dieser Zukunftsvision über die Jahre gewachsen sind. Schön, dass es jetzt wieder eine Zukunftsvision gibt, an die ich wieder glauben möchte.

Das Tesla Model S ist zwar nicht so cool wie ein fliegender DeLorean, aber genau so könnte das Auto der Zukunft aussehen. Rein elektrisch fährt das Model S laut Herstellerangaben bis zu 480 Kilometer weit mit null Emissionen. Ein Wert mit dem das Modell des kalifornischen Pioniers die gesamte Konkurrenz in den Schatten stellt. Nach dem „Roadster“, eine elektrischen Sportwagen dessen Produktion mittlerweile ausgelaufen ist, nimmt Tesla nun das lukrative Limousinen-Segment ins Visier.

Zwar führt auch der Tesla in der deutschen Zulassungsstatistik mit 56 verkauften Fahrzeugen im August noch ein Schattendasein, doch weltweit sammelt die Elektrolimousine derzeit Superlative wie kein anderes Auto. Die Tester der amerikanischen National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) gaben dem Tesla im Crashtest 5,4 Sterne – bei einer Skala, die eigentlich nur bis 5 Sterne reicht. Auch beim US-Pendant zur Stiftung Warentest, dem Magazin Consumer Reports, bekam das Auto 99 von 100 Punkten – absolute Bestnote. Derart große Vorschusslorbeeren schrauben die Erwartungen hoch.

Amerikanische Crashtest-Ergebnisse hin oder her, der erste Eindruck ist überzeugend. Äußerlich ist das Model S elegant, aber nicht so aufdringlich, dass es zwischen den Luxuslimousinen groß auffallen würde. Die 21-Zoll-Reifen (plus 4.300 Euro) sehen nicht nur gut aus, sondern senken auch den Verbrauch.

Aufschließen müssen Sie den Tesla nicht: Sobald sich der Fahrer dem Auto nähert, erkennt das Auto den Schlüssel in der Hosentasche und die sonst aerodynamisch versenkten Türgriffe fahren wie von Geisterhand aus. Eine nette Spielerei, die den futuristischen Charakter des Tesla unterstreicht. Ähnlich futuristisch ist der Innenraum designt. Hellbraune Nappaledersitze (2.400 Euro) mit unendlichen Variationsmöglichkeiten, eine gleichfarbige Lederarmatur (nochmals 2.400 Euro) ergänzt durch glänzendes Abachi-Holz (650 Euro).

Darüber ein gläsernes Panoramadach (2.400 Euro). Hier will jemand in der Oberklasse spielen. Der Preis ist entsprechend: In der getesteten Performance-Variante kommt das Model S auf einen Grundpreis von 91.200 Euro, rechnet man alle verbauten Extras mit ein, sogar auf 117.440 Euro. In manchen Gegenden Deutschlands bekommt man dafür schon eine Immobilie. Und was ein gebrauchter Tesla in einigen Jahren wert sein wird, können noch nicht einmal Experten vorhersagen.

Die Qualität in der Verarbeitung wird dem Preis aber gerecht. Alle Modelle werden in Kalifornien gefertigt, die mitteleuropäischen in Holland montiert. Auf Wunsch wird das Model S sogar zum Siebensitzer. Im Kofferraum verbaut der Hersteller auf Wunsch zwei ausklappbare Kindersitze (2.400 Euro). Leider opfert Tesla manches Mal dem futuristischen Design auch ein wenig Funktionalität.

In der Tür ist kein Stauraum verfügbar und die offene Mittelkonsole kann zwar als Ablage genutzt werden, doch alles, was dort abgelegt wird, rutscht offen herum.

Das Highlight des Innenraums findet man in der Mittelarmatur. Keine Knöpfe, keine Rädchen. Nur ein 17-Zoll-Touchscreen. Das sieht simpel aus, braucht allerdings ein wenig Übung bis tatsächlich alle Funktionen verstanden sind. Denn derer gibt es reichlich: Über das Multimedia-System lassen sich tausende Internetradios anwählen, auch Musik vom Smartphone oder ganz einfach Radio.

Das Navigationssystem ist mit dem Internet verknüpft, zeigt das aktuelle Verkehrsaufkommen an, über einen Browser lassen sich sich alle Webseiten ansteuern wie am heimischen Notebook.

Solche Multimedia-Funktionen per Touchscreen zu steuern ist heute nichts Besonderes mehr, Tesla geht aber einen Schritt weiter. Auch nahezu alle für das Fahren wichtigen Funktionen können nur über den Bildschirm bedient werden: Das Licht, die Einstellung der Luftfederung, das Verhalten der Servolenkung genauso wie die Klimaanlage, Sitzheizung oder das Schiebedach. Wenigstens den Blinkerhebel hat Tesla dem Fahrer gelassen. Er kommt von Daimler. Aber wollten wir nicht Auto fahren?

Kommentare zu " Tesla Model S im Handelsblatt Autotest: Zurück in die Zukunft"

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  • Hallo,

    ich verstehe das negative Urteil zum Thema "Ladestationen in D" (worauf Tesla ja auch nur bedingt Einfluss hat) nicht: die Verzeichnisse lemnet.org, plugfinder oder openchargemap zeigen haufenweise öffentliche 400 V/32 A Ladestationen mit denen man kreuz und quer durch Deutschland mobil wird. Frank

  • Für mich zu "designed", zu glatt. Und dabei zu wenig funktional. Schade, dass der Roadster nicht mit 2+2 Sitzen gebaut wird...

  • Naja - für Deutschland sind flächendeckend alle 200km (wegen den höheren Geschwindigkeiten auf der dt. Autobahn) Supercharger bis Ende 2014 geplant. Und in Europa kann man dann von Trondheim Norwegen bis Lissabon Portugal fahren. Finde ich jetzt nicht einschränkend. Ende 2013 soll bereits die Route Amsterdam, München, Genf stehen. Mal abwarten - Sie werden bestimmt berichten ;)

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