Toyota im Handelsblatt-Test: Papst Prius, der Sparsame

Toyota im Handelsblatt-Test
Papst Prius, der Sparsame

Habemus Papamobil. Der Prius Plug-In-Hybrid von Toyota ist der eilige Vater unter den alternativ angetriebenen Autos. Wer am Steuer sitzt, glaubt an eine bessere Welt - muss aber geduldig sein.

DüsseldorfGäbe es einen Papst der alternativen Automobile, dann gäbe es nur einen wählbaren Kandidaten. Der Toyota Prius Plug-in Hybrid bringt alle Eigenschaften mit, die heutzutage an einen modernen Papst gestellt werden: Er ist jung. Er ist kein Europäer. Er bewahrt Gottes Schöpfung – durch die Kombination von Elektro- und Benzinantrieb ist sein Verbrauch niedrig. Er hat es in den vergangenen Jahren geschafft, viele neue Gläubige für sich zu gewinnen – mittlerweile ist jeder vierte verkaufte Toyota ein Hybrid. Und er ist ein Vorbild – nicht umsonst investiert Volkswagen Milliarden, um seinen Antrieb zu kopieren. Und er ist vor allem eine Glaubensfrage.

Vierzehn Tage mit Papst Prius haben einen anderen Autofahrer aus mir gemacht. Ich muss es beichten, ich war ein Sünder. Hin und wieder, wenn keiner hinsah, habe ich das Gaspedal durchgetreten. Einfach so. Der Klimawandel, die Benzinpreise, einfach alles war mir egal für den kleinen Kick der schnellen Beschleunigung. Diese Zeiten sind vorbei.

Wer in den Prius steigt, muss nur eine Regel beachten: Du sollst nicht rasen. Es ist eigentlich mehr als eine Regel. Es ist ein Gebot. Wer dagegen verstößt, bekommt die Folgen zu spüren. Nicht erst an der Tankstelle.

Der Spritverbrauch wird dem Fahrer permanent vor Augen gehalten. Wer zu stark beschleunigt, treibt die Anzeige leicht über 10 Liter. Dabei soll der Prius laut Hersteller-Angaben nur 2,6 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen. Bei meiner ersten Fahrt sind es im Durchschnitt 5,8 Liter. Was mache ich falsch? Ein Blick auf den in der Mittelkonsole verbauten „Eco Drive Monitor“ gibt Aufschluss. Je nach Einstellung wird mir dort angezeigt, wie stark ich die Batterien belaste, wie hoch meine Reichweite ist oder sogar wie viele Bäume ich gerade durch mein gespartes CO2 gerettet habe.

Da wird der Kickstart an der Ampel zur Gewissensentscheidung. Die 136-PS-Gesamtleistung, die ein 99-PS-Benzinmotor und ein 73-KW-Elektromotor gemeinsam produzieren, rufe ich nur selten ab. Als ich den Prius auf der Autobahn wirklich mal auf die Maximalgeschwindigkeit von 180 km/h treibe, bekomme ich seinen Zorn zu spüren. Der Motor röhrt auf höchsten Touren und in den höchsten Tönen.

Innerorts wird es dafür umso ruhiger. Im EV-Modus fährt der Prius geräuschlos rein elektrisch und bis zu 100 km/h schnell, verspricht das Prospekt. Der große Nachteil im Winter: Der EV-Modus lässt sich nicht einschalten, wenn die Heizung eingeschaltet ist. Klar, auch der Prius braucht die Wärme des Verbrennungsmotors. Vor die Wahl gestellt, es entweder warm zu haben oder zu sparen, entscheide ich mich für ersteres.

Bis zu 20 Kilometer kann der Prius mit einer Ladung rein elektrisch fahren, danach wird er zum normalen Vollhybrid. Nach der ersten längeren Fahrt ist die Reichweite fast komplett verbraucht. Wenn man den Prius rollen lässt oder bremst, lädt die Batterie wieder auf. Im Unterschied zu seinen Vorgängern kann dieser Prius aber auch über ein Ladekabel an jeder Steckdose geladen werden: Statt einem Ersatzreifen ist im Kofferraum eine 5,2 Kilowatt Kobalt-Lithium-Ionen-Batterie verbaut. Doch dazu muss eine Steckdose in der Nähe sein.

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