Handelsblatt Autotest

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Toyota im Handelsblatt-Test: Papst Prius, der Sparsame

Habemus Papamobil. Der Prius Plug-In-Hybrid von Toyota ist der eilige Vater unter den alternativ angetriebenen Autos. Wer am Steuer sitzt, glaubt an eine bessere Welt - muss aber geduldig sein.

Zum Niederknien sparsam, aber nicht anbetungswürdig schön: Der Toyota Prius ist einer der ganz wenigen Plug-in-Hybriden, die man in Deutschland schon kaufen kann. Er ist aber rund 8.000 Euro teurer als der normale Prius. Quelle: Sebastian Schaal
Zum Niederknien sparsam, aber nicht anbetungswürdig schön: Der Toyota Prius ist einer der ganz wenigen Plug-in-Hybriden, die man in Deutschland schon kaufen kann. Er ist aber rund 8.000 Euro teurer als der normale Prius. Quelle: Sebastian Schaal

DüsseldorfGäbe es einen Papst der alternativen Automobile, dann gäbe es nur einen wählbaren Kandidaten. Der Toyota Prius Plug-in Hybrid bringt alle Eigenschaften mit, die heutzutage an einen modernen Papst gestellt werden: Er ist jung. Er ist kein Europäer. Er bewahrt Gottes Schöpfung – durch die Kombination von Elektro- und Benzinantrieb ist sein Verbrauch niedrig. Er hat es in den vergangenen Jahren geschafft, viele neue Gläubige für sich zu gewinnen – mittlerweile ist jeder vierte verkaufte Toyota ein Hybrid. Und er ist ein Vorbild – nicht umsonst investiert Volkswagen Milliarden, um seinen Antrieb zu kopieren. Und er ist vor allem eine Glaubensfrage.

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Vierzehn Tage mit Papst Prius haben einen anderen Autofahrer aus mir gemacht. Ich muss es beichten, ich war ein Sünder. Hin und wieder, wenn keiner hinsah, habe ich das Gaspedal durchgetreten. Einfach so. Der Klimawandel, die Benzinpreise, einfach alles war mir egal für den kleinen Kick der schnellen Beschleunigung. Diese Zeiten sind vorbei.

Wer in den Prius steigt, muss nur eine Regel beachten: Du sollst nicht rasen. Es ist eigentlich mehr als eine Regel. Es ist ein Gebot. Wer dagegen verstößt, bekommt die Folgen zu spüren. Nicht erst an der Tankstelle.

Toyota Prius Plug-in Hybrid Der eilige Vater im Detail

  • Toyota Prius Plug-in Hybrid: Der eilige Vater im Detail
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  • Toyota Prius Plug-in Hybrid: Der eilige Vater im Detail

Der Spritverbrauch wird dem Fahrer permanent vor Augen gehalten. Wer zu stark beschleunigt, treibt die Anzeige leicht über 10 Liter. Dabei soll der Prius laut Hersteller-Angaben nur 2,6 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen. Bei meiner ersten Fahrt sind es im Durchschnitt 5,8 Liter. Was mache ich falsch? Ein Blick auf den in der Mittelkonsole verbauten „Eco Drive Monitor“ gibt Aufschluss. Je nach Einstellung wird mir dort angezeigt, wie stark ich die Batterien belaste, wie hoch meine Reichweite ist oder sogar wie viele Bäume ich gerade durch mein gespartes CO2 gerettet habe.

Da wird der Kickstart an der Ampel zur Gewissensentscheidung. Die 136-PS-Gesamtleistung, die ein 99-PS-Benzinmotor und ein 73-KW-Elektromotor gemeinsam produzieren, rufe ich nur selten ab. Als ich den Prius auf der Autobahn wirklich mal auf die Maximalgeschwindigkeit von 180 km/h treibe, bekomme ich seinen Zorn zu spüren. Der Motor röhrt auf höchsten Touren und in den höchsten Tönen.

Die wichtigsten Fragen zum Prius

  • Alltagstauglich?

    Wenn man in der Nähe einer Steckdose wohnt: Ja. Insbesondere bei kurzen Fahrten im Stadtgebiet lohnt sich der Prius. Für Einkäufe und Kinder bietet der Toyota genug Platz.

  • Das schönste Detail?

    Der Bordcomputer, der einem in zehn verschiedenen Darstellungsvarianten klarmacht, wie umweltfreundlich man unterwegs ist, war und sein wird. Das motiviert.

  • Enttäuschend?

    Die Beschleunigung. Für schnelle Antritte steht der Prius nicht zur Verfügung. Dann brummt er, kreischt er auf höchsten Touren. Kein Vergnügen. Der Prius ist ein Cruiser, kein Raser.

  • Ist er's wert?

    Kommt drauf an. Finanziell dürfte sich ein Prius-Kauf kaum auszahlen. Der Mehrpreis von 8.000 Euro ist selbst für Pendler schwer einzufahren. Für Umweltfreunde kann sich der Prius aber moralisch auszahlen.

  • Sound?

    Bluetooth, USB-Anschluss, CD-Wechsler - was das verbaute Soundsystem betrifft ist der Prius auf dem Stand der Technik. Besonders ausgeprägt ist der Sound an Bord nicht. Für eine Familienkutsche ist das aber auch nicht unbedingt erforderlich.

  • Wie grün ist das Auto?

    Sehr grün. Der Prius produziert zwar mit 59 Kilogramm auf 100 Kilometern deutlich mehr Co2 als reine Elektroautos. Doch der Antrieb dürfte sich im Gegensatz zu anderen Antrieben bald flächendeckend durchsetzen - und damit eine großen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

  • Vorbildlich?

    Schon alleine der Fakt, dass andere Hersteller wie Volkswagen ebenfalls auf Plug-In-Hybride umgeschwenkt sind, beweist wie vorbildlich der Prius ist.

  • Was sagt der Nachbar?

    „Macht jar kein Jeräusch, wa?“ Ältere Nachbarn kann der Prius schon beeindrucken, jüngere finden sein Äußeres etwas zu gewöhnungsbedürftig.

  • Wer guckt?

    Besonders Menschen, die noch nie einen Elektrowagen gesehen haben. Durch sein lautloses Anfahren zieht der Prius Blicke an der Ampel auf sich. Es sind nicht immer neidische.

  • Wie fährt er sich?

    Für gemütliche Ausflüge, für die Fahrt zum Supermarkt oder zum Kindergarten ist der Prius ideal. Wer in Hektik ist, braucht ein anderes Auto.

  • Wo gehört er hin?

    In die Familiengarage. Allerdings ist der Prius als Zweitwagen etwas teuer, als Erstwagen wenig repräsentabel.

Innerorts wird es dafür umso ruhiger. Im EV-Modus fährt der Prius geräuschlos rein elektrisch und bis zu 100 km/h schnell, verspricht das Prospekt. Der große Nachteil im Winter: Der EV-Modus lässt sich nicht einschalten, wenn die Heizung eingeschaltet ist. Klar, auch der Prius braucht die Wärme des Verbrennungsmotors. Vor die Wahl gestellt, es entweder warm zu haben oder zu sparen, entscheide ich mich für ersteres.

Bis zu 20 Kilometer kann der Prius mit einer Ladung rein elektrisch fahren, danach wird er zum normalen Vollhybrid. Nach der ersten längeren Fahrt ist die Reichweite fast komplett verbraucht. Wenn man den Prius rollen lässt oder bremst, lädt die Batterie wieder auf. Im Unterschied zu seinen Vorgängern kann dieser Prius aber auch über ein Ladekabel an jeder Steckdose geladen werden: Statt einem Ersatzreifen ist im Kofferraum eine 5,2 Kilowatt Kobalt-Lithium-Ionen-Batterie verbaut. Doch dazu muss eine Steckdose in der Nähe sein.

  • 14.03.2013, 09:00 UhrGast

    Ich habe noch keinen Prius gesehen, der ökonomisch gefahren wurde. 160 mitte/linke Spur auf der Autobahn, Lückenspringer, "Ampelrennen" in der Innenstadt.

    Hybrid Fahrzeug Produktion ist ebenfalls ein Thema welches nie genannt wird, dort ergeben sich auch Probleme.
    Die Verbrauchsangaben kann ich nicht im Ansatz glauben (1,9T und 207Nm? Damit 2,6L? Hah.), Auto-Motor-Sport Tests bestätigen mir dies (4,8L. Gut, aber weit ab).

    Zu dem gab es schon vor 30 Jahren Autos, die diese Verbrauchszahlen ohne E-Motor hinbekamen. (Honda CRX HF)

    Zu guter Letzt gibt wesentlich ansprechendere Alternativen (natürlich ist das subjektiv), die ebenso gut funktionieren.
    Kein Einziges dieser Autos rechtfertigt jedoch die hohen Aufpreise und Wartungskosten.

  • 14.03.2013, 09:05 UhrGast

    Verzeihung. 1,5 Tonnen Leergewicht natürlich. Also mit Flüssigkeiten und Fahrer sind's dann gut über 1,6. Dennoch reicht das (kombinierte) Drehmoment nicht.

  • 14.03.2013, 09:09 Uhrcucco

    Es ist nicht ueberzeugend, dass unsere europaeische Spritsparwut irdendeinen Einfluss auf den Baumwuchs in der Welt hat, wenn unsere Heizungen mehr Abfalluft auswerfen und in Asien, Afrika und Suedamerika viele Millionen Autos mehr als in Europa mit dem vielfachen Ausstoss ungestrafrt unterwegs sind.

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