Toyota Prius im Handelsblatt-Test
Spaßarm sparsam

Wie eine Brechschale im Apple-Design sieht seine Mittelkonsole aus, innen gibt es fast nur Hartplastik. Stammt der winzige Schalthebel von Playmobil? Der neue Prius macht mich fertig. Aber als Taxi ist der Toyota toll.

DüsseldorfTrotz intensiver Überzeugungsarbeit habe ich in der Familie sowie dem Freundes- und Bekanntenkreis keinen einzigen Autobesitzer oder Beifahrer gefunden, der dem neuen Toyota Prius etwas Positives abgewinnen kann. Der abschätzige Tenor lautet: „Warum müssen alternative Autos eigentlich immer so hässlich sein?“ Ein schlimmes (Vor-)Urteil, 19 Jahre nach dem Prius-Start, trotz 3,5 Millionen verkauften Exemplaren.

In der Redaktion war die Stimmung gegenüber dem meistverkauften Hybridfahrzeug der Welt weniger emotional, aber weit entfernt von Kaufbereitschaft. Wenngleich nicht repräsentativ, zeigte auch der Blick in die 300 Plätze umfassende Firmentiefgarage: Kein einziger Prius in Sicht. Sind wir immer noch nicht bereit für diese sanfte, leise, japanische Spritspar-Revolution?

Doch ein Blick auf die Düsseldorfer Automeile Höherweg offenbart, dass das Umdenken längst stattgefunden hat. Wenn auch nicht unbedingt im Privaten. Ein großer Toyota-Händler in der NRW-Landeshauptstadt veranstaltete gerade die gut frequentierten „Taxi-Wochen“, als wir unseren Testwagen fuhren. Gleiches Bild in Berlin: Im Beförderungsgeschäft ist der geräumige und sparsame Japaner momentan gewaltig auf dem Vormarsch.

Warum Benziner mit Elektro-Unterstützung statt dem klassischen Mercedes-Diesel-Taxi? Weil der im Stadtverkehr bis zu zwei Kilometer rein elektrisch fahrende Prius bei jedem Ampelstopp gewinnt. Nicht in Sachen Sprint bei Grün, aber in Sachen Verbrauch. Selbst die schwerste und umfangreich ausgestattete Executive-Version des Prius kommt in der Norm mit 3,1 Liter 100 Kilometer weit. Selbst mir als Besitzer eines Blei-Gasfußes ist es auf Anhieb im Alltag möglich, Verbrauchswerte mit einer 4 vor dem Komma zu erreichen.

Bei der urbanen Beförderung von Personen mit leichtem Gepäck liegen weitere Vorteile des viertürigen Benzin-Hybriden mit 122 PS Systemleistung auf der Hand: Abzüglich der aktuellen Hybrid-Prämie von 3.000 Euro kostet ein Prius zwischen 25.000 und 29.000 Euro, wenn man behutsam mit der Optionsliste umgeht. Dafür bekommt man einen übersichtlichen, modernen Fünfsitzer mit bis zu 1633 Liter Stauraum.

Auch Haltbarkeits- und Zuverlässigkeitsaspekte, die die Unterhaltskosten beeinflussen, überzeugen Taxi-Unternehmer, wie beispielsweise Bernd Engel. Seit 2002 fährt der Inhaber der Berliner Eastside Taxi GmbH schon Toyota-Hybride, allein 17 Prius hat er momentan in seiner Flotte von 35 Fahrzeugen.

Als Unternehmer schätzt er die extrem niedrige KFZ-Steuer, Kilometerlaufleistungen bis in den Millionenbereich und die geringen Werkstattaufenthalte. Im Vergleich von 30 Marken ist Toyota die günstigste bei den Wartungskosten, der Prius der Sparsamkeitsmeister bei Reparaturen. Bei den Taxi-Fahrern kommt der Wagen gut an, weil der Hybrid bei niedrigen Geschwindigkeiten und bei Ampel-Stopps praktisch keinen Mucks von sich gibt, und weil sie aufgrund neugieriger Fragen der Fahrgäste immer ein Gesprächsthema haben.

Beim Wechsel von Generation 3 auf 4 ist zudem der Kofferraum größer geworden, ebenso der Platz auf allen Sitzen. Von dort aus wird man wohl meist auf die Instrumentenkonsole in der Armaturenbrettmitte blicken, die zwei 4,2 Zoll große-Farbdisplays zeigt.

Der Bildschirm auf der Fahrerseite präsentiert die wichtigsten Fahrinformationen, der andere informiert über das Hybridsystem und gibt Tipps für eine energiesparende Fahrweise. Daraus kann man je nach Leidenschaft und grünem Gewissen im Toyota eine Wissenschaft oder einen Wettbewerb machen.

Aber, ganz ehrlich, mein Ding ist das ja überhaupt nicht.

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