Toyota RAV4 2.2 D-4D 4x4 im Test
(G)rauer Bursche ohne Ecken und Kanten

Früher ragte er aus der Menge der kompakten Soft-SUV heraus. Toyotas RAV4 bereitete dem ganzen Segment den Weg, verkaufte sich fünf Millionen mal. Heute geht er in der Masse unter.
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DüsseldorfWarum eigentlich RAV4? Was ist das für ein Name? Ein Blick zurück: Der Begriff „SUV“, also „Sport Utility Vehicle“, war noch gar nicht erfunden, so lange ist das schon her. 1994 stellte Toyota auf dem Genfer Autosalon sein „Recreational Active Vehicle with 4 wheel-drive“ vor, kurz RAV4, ein Kompaktauto mit Allradantrieb für die aktive Freizeitgestaltung.

Und dann geschah das Wunder, auf das alle Autohersteller insgeheim hoffen: Eigentlich wollten die Japaner 4.500 Einheiten pro Monat bauen, doch allein im ersten Monat trafen 8.000 Bestellungen ein, man musste das Produktionsvolumen verdoppeln.

1995, im ersten Jahr seit Markteinführung, verkaufte Toyota 53.000 Einheiten des RAV4, im zweiten Jahr waren es schon doppelt so viele.

Und den rauen Kerl unter den zur Alltagsroutine gewordenen SUV gibt es 2015 immer noch. Inzwischen verkaufen die Japaner zehn mal so viele RAV4 wie vor 20 Jahren. Insgesamt hat Toyota seit der Einführung weltweit mehr als fünf Millionen RAV4 losgeschlagen, davon mehr als 1,3 Millionen in Europa.

Aber damals war er neu, ganz anders als andere. Und heute, wo außer Ferrari jeder ein SUV im Programm hat? Eigentlich müsste der Altmeister schon was Besonderes bieten, um in der Konkurrenzflut und der Zulassungsstatistik nicht unterzugehen.

Und genau daran hapert es: Mag der größte Autohersteller der Welt auch noch so zuverlässige wie sparsame Modelle bauen, Toyota fehlt es an knackigem Design und Emotionalität. Speziell beim RAV4. Zeigt man ihn heute auf dem Genfer Autosalon, so wird außer Toyota Fachverkäufern niemand auffallen, dass da ein neues Auto steht. Stattdessen: Ein SUV unter vielen, besondere Eigenschaften: keine.

Das Fahrzeug ist mit jeder Generation größer und schwerer geworden, genau wie der SUV-Markt. Jetzt hat der SUV-Klassiker sein knuffiges Kompaktformat verloren und Gardemaß erreicht. Und damit einiges von seinem Charme verloren. Wie beispielsweise die zur Seite schwingende Hecktür, die nun einer normalen Heckklappe weichen musste. Eine offene Spaß-Version baut Toyota seit einer gefühlten Ewigkeit schon nicht mehr.

Nun heißt Evolution ja, sich anzupassen. Und das Kompakt-SUV-Segment ist seit 1994 nicht nur gewachsen; es hat sich auch verändert und ist gereift. Zu Anfang war ein kompaktes SUV für die Kunden häufig eine Alternative zu einem sportlichen Kompaktwagen oder einem Coupé. Das heutige Wachstum wird vor allem von Familien angetrieben, die nach einer Alternative zu Vans und Kombis suchen. Und so ist vom alten RAV4 bis auf den Namen praktisch nichts geblieben.

Ein Testfahrer-Kollege bringt es auf den Punkt: „Toyota-Design, das ist gepflegte Langeweile. Keine Emotion. Aus heutiger Sicht ist der 1995er RAV4 in puncto Aussehen viel individueller als der aktuelle.“ Wie man mehr Dynamik ins Blech presst, zeigen aktuell vor allem Mazda sowie die Koreaner Kia und Hyundai.

Dass Toyota auf dem anspruchsvollen deutschen Automarkt schwächelt, kann der größte Fahrzeughersteller der Welt aber locker verschmerzen. 2014 setzte man 15 Prozent weniger Autos ab als 2013, nur noch 70.408 Fahrzeuge im ganzen Jahr. Kein Drama, denn aus globaler Perspektive macht Deutschland als Markt nur 0,7 Prozent aus. Offenbar aber auch kein Anreiz, aus dem RAV4 etwas Besonderes für den deutschen Markt zu machen, denn global gesehen läuft er ja prächtig.

Die Fahreindrücke bleiben blass. Hätte man sich keine Notizen gemacht, würde man sich an das Auto schon nach drei Monaten gar nicht mehr erinnern. Außer vielleicht an das ungewöhnlich weit in den Fahrgastraum hineinreichende Armaturenbrett, das wie ein Fremdkörper den ganzen Innenraum stört und die Suche nach der besten Sitzposition unnötig erschwert.

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Wo der RAV4 doch noch zum Provokateur wird

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