Volvo XC60 im Handelsblatt Autotest: Der schwedische Gentleman

Volvo XC60 im Handelsblatt Autotest
Der schwedische Gentleman

Elegantes Design, ein hochwertiger Innenraum, souveräne Fahrleistungen und eine vorbildliche Sicherheitsausstattung: Der Volvo bringt alles mit, um ein wahrer Gentleman zu sein – allerdings nur für solvente Fahrer.
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Was kennzeichnet einen Gentleman? Der englische Dichter Geoffrey Chaucer beschrieb bereits im 14. Jahrhundert einen Gentleman als einen tugendhaften und zurückgezogenen Mann, der in dem Bestreben lebt, Gutes zu tun. Mit einigen kleinen Anpassungen passt diese Beschreibung auch auf den Volvo XC60.

Der erste Eindruck von Volvos Kompakt-SUV bestätigt die Zurückgezogenheit. Mit seinem zeitlosen und eleganten Design – skandinavisch nüchtern könnte man auch sagen – drängt sich der XC60 nie in den Vordergrund, ist dennoch präsent im Auftritt - und wirkt dabei stets sympathisch.

Auch auf Menschen, die seiner SUV-Gattung sonst ablehnend gegenüberstehen, scheint eine gewisse Art Demut zu wirken. Statt in die üblichen Parolen auszubrechen („Wozu braucht man solche Pseudo-Geländewagen eigentlich?“, „Der ist doch viel zu schwer und verbraucht viel mehr, ich fahre lieber einen Kombi.“) fallen Worte wie „schick“ und „gefällt mir“.

Für das Modelljahr 2014 hat Volvo den XC60 umfassend renoviert, ein Gentleman ist schließlich stets angemessen gekleidet. Doch alles, was die Designer geändert haben, ist mit einer gewissen Anmut geschehen. Er zeigt noch genügend Anleihen vom altväterlichen XC90, um seine Herkunft zu demonstrieren. Mit seiner Reduktion auf das Wesentliche wirkt er aber keinesfalls aus der Zeit gefallen.

Dass er aber nicht jeden Trend direkt mitgeht, zeigt sich beim XC60 unter der Haube. Hier verrichtet in unserem Testwagen ein etwas althergebrachter Fünfzylinder-Turbodiesel seinen Dienst. Das Triebwerk stammt in Grundzügen noch aus Zeiten, als Volvo zu Ford gehörte. Doch auch ein Gentleman kann sich dem Zeitgeist nicht ganz versagen: Demnächst wird der Fünf- durch einen moderneren Vierzylinder abgelöst.

Mit 215 PS und 420 Newtonmetern steht der Turbodiesel gut im Futter, ist aber von der Maßlosigkeit so mancher Konkurrenten weit entfernt. Statt das hohe Drehmoment meist für eine satte Beschleunigung zu nutzen, verwendet es die Automatik zur Vermeidung unnötiger Schaltmanöver. Will der Fahrer aber dennoch die volle Leistung abrufen, knurrt der Diesel kurz etwas unwillig angesichts dieser unnötigen Hektik, um dann aber doch zügig in Richtung Begrenzer zu drehen.

Die Untugend der Völlerei kann man ihm angesichts eines Testverbrauchs von rund 7,8 Litern zwar nicht vorwerfen, eine vorbildliche Mäßigung sieht aber anders aus. Mein Kollege Florian Kolf kam bei seinem Test des Kombis V60 mit demselben 215-PS-Diesel auf unter sieben Liter, ein rund 500 Kilo schwerer und 167 PS stärkerer Porsche Cayenne S Diesel kam auf 8,2 Liter.

Kommentare zu " Volvo XC60 im Handelsblatt Autotest: Der schwedische Gentleman"

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  • Ich habe schon den zweiten XC60 und wenn dieser durch einen neuen Wagen ersetzt werden muss, dann wird es mit Sicherheit wieder ein Fahrzeug, das Understatement pur verkörpert und damit wird es entweder wieder ein XC60 - oder vielleicht ei XC90, von dem man aber noch nicht weiß, ob er die konservative Orientierung weiter verfolgen wird.

  • Also ich habe den recht seltenen Kombi V60 und habe dort eine Start-Stopp-Automatik drinnen. Es wundert mich, dass es diese nicht im XC60 gibt. Ich habe den Fünfzylinder als D4 mit 163 PS, was für einen Mittelklasse-Kombi m.E. ausreicht. Der Fünfzylinder hat übrigens eine automatische Ölstandsanzeige und da möchte ich mal wissen, welches Konkurrenzmodell da mitzieht.

  • @MJM1605
    Der Schuhkarton-Vergleich hinkt. Der Wagen hat zwar hohe Flanken aber eine ausgesprochene Keilform. Erzwungen scheint mir die Dynamik auch nicht, vielmehr ist sie innerhalb des SUV-Segments sogar noch eine der am besten gelungenen.

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