Volvo XC60 im Handelsblatt-Test
Kann alles, außer hochdeutsch

SUV-und Volvo-Fans haben lange auf ihn gewartet. Und der neue XC60 beeindruckt als Herausforderer von X3, Q5 und GLC mit Design, Bedienkonzept und Autopilot-Funktion. Doch es gibt auch ein paar ärgerliche Kleinigkeiten.
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DüsseldorfSchon der Schlüssel ist ein Hingucker: Streichholzschachtel-groß, umlaufender Alu-Rahmen, helles Leder, erhabenes Volvo-Logo. Drei kleine Knöpfe auf der einen Längsseite, einer auf der anderen Seite. Welche Funktion haben die? Man erkennt es kaum. Egal, das Teil sieht so edel aus und liegt schwer in der Hand. Oben sitzt ein Schiebeknopf, der den Notschlüssel freigeben sollte. Tut er aber nicht. Na gut, kann ja mal passieren. Außerdem hat man den in den vergangenen zehn Jahren ja auch nie gebraucht.

Und so wie beim Zündschlüssel geht es weiter bei unserem Testwagen, dem XC60 T6 AWD mit sündteurer Inscription-Ausstattung: Alles ist edel, vieles ist ungewöhnlich. Aber oft auch nur gewollt anders als bei anderen, nicht unbedingt besser. In der beiliegenden Pressemappe nutzen sie dafür Ausdrücke wie „selbstbewusst, kraftvoll und elegant“, „markante Designmerkmale“, die diesem SUV eine „dynamische Aura“  und einen „individuellen Charakter“ verleihen. Und wer über den Zündschlüssel hinaus auf die Silhouette des kleinen XC90-Bruders blickt, der bestätigt gerne: Sie haben Recht. 

Der optische Eindruck vom 2018er Jahrgang des XC60 pulverisiert die Mini-Schlüsselpanne: Die zweite Generation des Erfolgsmodells aus Schweden steht in direkter Verbindung zur auf der IAA 2013 präsentierten Designstudie des Volvo Concept Coupés. Vor allem die Frontpartie ist ein echter Hammer. „Thors Hammer“ genauer gesagt. So nennen sie jedenfalls bei Volvo die einem auf der Seite liegenden T gleichenden LED-Tagfahrleuchten, deren Design einen schon für das Auto einnehmen, bevor man überhaupt eingestiegen ist. Das nicht als einzelne LEDs erkennbare Leuchtband dient zugleich als Blinker: Dann wandelt sich die Leuchtfarbe von Weiß in Blinker-Orange.

Das macht Lust auf mehr. Kaum eingestiegen, steigt auch die Laune. Das edle Ambiente ist gut ausgeleuchtet, das Cockpit nordisch-modern aufgeräumt, das Raumangebot scheint riesig. Die Sitze bequem und in jeglicher Form verstellbar, serienmäßig mit elektrisch einstellbarer 4-Wege-Lendenwirbelunterstützung. Und gegen Aufpreis mit Massage- und Belüftungsfunktion. Die Materialien – ein Fest für alle Sinne. Man hält kurz inne: Das soll ein chinesisches Auto sein? Vor wenigen Jahren noch hätte hierzulande wohl niemand Volvos Mutterkonzern Geely diese Verarbeitungsqualität zugetraut.

Innen gibt es kaum noch Schalter und Knöpfe. Gerade einmal sechs Stück zählen wir – darunter Warnblinkanlage, Front- und Heckscheibenheizung – unterhalb des großen, an ein Tablet im Hochformat erinnernden 9,2-Zoll-Bildschirms mit einer Diagonalen von 22,9 cm in der Mitte. Und vier in der sich nach unten anschließenden Tunnelkonsole: Fahrmodusschalter, elektronische Handbremse, Anfahrassistent und der Start-Stop-Knopf. Oder besser: Start-Stop-Dreher. Denn hier wird gedreht. Nicht gedrückt. 

Überhaupt, dieses Bedienkonzept. Es nimmt einen sofort in seinen Bann. Gemacht für die Generation Smartphone. Fast alles geht über Touch. Und vieles auch über das Multifunktionslenkrad: Immerhin bis zu 14 Infotainment, Komfort- und Fahrzeugfunktionen lassen sich ansteuern, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen.

Zündung an, Bildschirm an, stutzen: „Kein Telefon angeschlossen. Drehen Startknopf zu verbinden.“, liest man auf dem Display. Aha. Schon ein bisschen peinlich, das falsche Deutsch. Zumal die Software ja auch beim großen Bruder XC90 und seinen Geschwistern V90 und S90 im Einsatz ist. Und weil ähnliche Fehler auch im Navigationsbetrieb auftauchen („Stauung wegen 2.1 km“, weitere Fehler in Groß- und Kleinschreibung). Obwohl also Layout und Menüstruktur des Infotainment-Systems extra für den XC60 nochmals überarbeitet wurden, sind diese Details (in denen der sprichwörtliche Teufel steckt) übersehen worden. Immerhin: Das Verbinden des Smartphones geht dafür umso einfacher. 

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