VW Golf R im Handelsblatt-Test

Es geht auch ohne Anabolika

Sportwagen in der Kompaktklasse, das heißt oft: Spoiler, schräg sitzende Kappe, Wummerbässe, Spiegelbrille. Dass es auch anders geht, beweist der stärkste und schnellste Golf. Das Understatement hat aber seinen Preis.
Von vorn ist der Golf R bereits im Stand an besonders großen Lufteinlässen und einem Kühlerschutzgitter mit "R"-Logo erkennbar, beim Fahren an seinen LED-Tagfahrlichtern in U-Form. Quelle: Frank G. Heide

Von vorn ist der Golf R bereits im Stand an besonders großen Lufteinlässen und einem Kühlerschutzgitter mit "R"-Logo erkennbar, beim Fahren an seinen LED-Tagfahrlichtern in U-Form.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfA bisserl was geht halt immer. Das war und ist das Motto der Tuner und Serienhersteller begehrenswerter Sportwagen. Und das hat sich auch Volkswagen beim allradgetriebenen Golf R gesagt, der oberen Leistungs- und Antriebsspitze der Modellreihe. Evolution statt Revolution, denn das Produkt ist nach sieben Modellgenerationen Golf schon richtig ausgereift.

Und so reicht eben bisschen mehr als beim Vorgängermodell, und ein bisschen mehr als beim GTI völlig aus, um gewaltig Eindruck bei Fahrern und Passagieren zu schinden. Nicht so sehr bei der Umwelt, denn der 300-PS-Golf bleibt optisch nah dran am GTI, sprich am sachlich-nüchternen Wolfsburger Klassiker für den sport- und spaßorientierten Alltagsfahrer.

Wo andere die Kotflügel verbreitern, mächtig Spoilerwerk aufbauen oder es mit Tieferlegung und Carbonoptik richtig krachen lassen müssen, da reicht dem metallicblauen Testwagen eine sportlich-dezente Note. Man(n) muss schon Kennerblick beweisen und das understatement-kleine R am Heck erkennen, um sicher zu sein; Ja, das ist einer dieser Wölfe im Golfpelz.

In die dösende Herde der Berufspendler mogelt er sich unauffällig mit sattem, aber niemals aufdringlichem Auspuffsound. Erst wenn man die Zurückhaltung am Gasfuß aufgibt wird allen klar: Der zieht ja GTI und Boxster locker weg.

Vier gewinnt
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Optisch gibt der Golf R der vierten Generation den Wolf im Schafspelz. Unauffällig, sachlich, nüchtern wirkt er bei oberflächer Betrachtung, doch mit kleinen Details gibt er sich zu erkennen. Ein Diffusor in Mitten des Rohr-Quartetts gehört ebenso dazu wie mächtige Leichtmetallräder im 18-Zoll-Format und die mit dem R-Symbol gekennzeichneten Bremssätteln dahinter.

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Innen gibt es kombinierte Leder-Stoff-Bezüge, ein wenig Karbon- und Klavierlackoptik sowie blaue Zeiger in den Rundinstrumenten.

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Die fünf Fahrhmodi, die am großen Touchscreen abrufbar und einstellbar sind, bringen nur drei echte Aha-Erlebnisse: Race ist wirklich Sport, man merkt es sofort an der spontaneren Art der Gasannahme und dem nun böseren Auspuffsound. Vor allem oberhalb von 4.000 Umdrehungen brüllt der Motor nun vernehmlich, aber nicht prollig.

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Volkswagen zündet eine neue Ausbaustufe seiner Golf-Baureihe. Der neue Golf R ist stärker, beschleunigt schneller und ist sauberer als sein Vorgänger. Und wie bei der R-Version üblich, bringt er seine Kraft per 4Motion-Allradantrieb auf die Straße.

Die Kraftübertragung hat dabei gut zu tun, denn mit 300 PS haben die Techniker dem Zweiliter-Vierzylinder reichlich Leistung entlockt. 

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Mit seinem Grundpreis von 40.250 Euro (3-türige Version mit Sechs-Gang-DSG-Getriebe) kostet der „R“ mehr als damals zwei 110-PS-Golfs zusammen. Es darf also einiges an Serienausstattung erwartet werden.

Tatsächlich gibt es außer 18-Zoll-Leichtmetallfelgen und Sportfahrwerk, Bi-Xenonscheinwerfern, verchromten Außenspiegelgehäusen sowie höhenverstell- und beheizbaren Vordersitzen auch ein Multifunktionslenkrad, Edelstahlpedale und eine elektronische Wegfahrsperre.

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Alles scheint der Funktion untergeordnet. Sogar die Leder-und Carbon-Schmuckstücke im Innenraum sind dezent. Es gibt auch Ziernähte, aber in zurückhaltender Schwarz-weiß-Optik.

Nichts drängt sich auf bei diesem Wagen, der auch auf der Straße nichts besonders viele Blicke anzieht. Er ist halt in erster Linie ein Golf, und so dezent wie das Logo, das nur aus dem Buchstaben R besteht, sind viele Designelemente. Weniger Wörthersee, mehr Wolfsburg.

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Die adaptive Fahrwerksregelung berechnet Volkswagen mit 1.000 Euro extra, das Assistenzpaket aus Spurhalte- und Totwinkel-Überwachung sowie Abstandstempomat mit 1.250 Euro.

Die abgedunkelten Seitenscheiben hinten schlagen mit 225 Euro zu Buche. Mit ein bisschen Leder und anderen Annehmlichkeiten kann man die Rechnung also anstrengungslos auf 50.000 Euro hochtreiben. 

Aus dem Stand auf 100 km/h vergehen gerade mal 5,1 Sekunden, elektronisch eingebremst wird er bei 250 km/h, obwohl mehr drin wäre. Satte 380 Newtonmeter Drehmoment drücken den Fahrer schon ab 1.800 Umdrehungen tiefer in den perfekt passenden Sportsitz, der einen auch in sehr schnellen Kurven angenehm festhält.

Schöner Druck von unten steht schon ab 1.200 Touren zur Verfügung, einen Extra-Punch gibt es ab etwa 3.000 Kurbelwellen-Umdrehungen. Dann bläst der Turbo mit maximalem Ladedruck von 1,2 bar in die Brennräume. Im oberen Drehzahlbereich ist Aufmerksamkeit gefragt, man ist in den ersten drei Gängen meist schneller am Schaltpunkt kurz vor dem roten Drehzahlbereich, als man denkt.

Ein bisschen schneller ginge dies sogar noch mit Schaltpaddles und DSG-Getriebe, aber die im Testwagen verbaute Handschaltung macht den Sportwagen-Spaß ein paar Euro günstiger, und für Traditionalisten hat der manuelle Gangwechsel ja auch durchaus was sinnliches. Allerdings könnten für unseren Geschmack die Schaltwege etwas kürzer, knackiger sein. So wie im Subaru WRX STI.

Es war also gar nicht so schlimm, dass sich die Golf-Gemeinde von zwei Zylindern (im Golf R 32) verabschieden musste. Hatte schon der vierzylindrige Nachfolger stramme 270 PS so sind nun für die vierte R-Generation noch mal 30 Pferdestärken hinzugekommen. Und der Neue umrundet die Nordschleife 15 Sekunden schneller als der Vorgänger, verspricht VW.

Eine weitere technische Kleinigkeit macht für eine kleine Zielgruppe einen großem Unterschied zu allen anderen Gölfen: Der Schleuderschutz lässt sich an sportlichere und extrem sportliche Fahrweisen anpassen sowie vollständig abschalten.

Während Otto Normalverbraucher sich fragt, was das soll, schnalzt der Amateurdrifter mit der Zunge: Nur quer bist wer, sagte schon Rallye-Legende Walther Röhrl. Und ja, dank des stets im Überfluss anliegenden Drehmoments kann man den R zum driften bringen (siehe Video). Aber dieses ebenso spaßige wie verschleißfreudige und nicht für öffentliche Straßen geeignete Thema wollen wir den Spezialisten überlassen, uns reicht völlig, dass es den Race-Modus gibt.

Mit Gelassenheit und Leichtigkeit
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