Handelsblatt fährt autonomen Nissan Leaf
Passagier in der Zukunft

Das Zeit der selbst fahrenden Autos kommt langsam, aber sicher. Technisch gesehen ist sie sogar schon da. Unterwegs im ersten autonomen Nissan Leaf im Tokioter Stadtverkehr erlebt unser Autor eine kleine Weltpremiere.

TokioEs gibt Evolutionen, die wirken revolutionär. Und in genau in diese Rubrik passt, was der japanische Autobauer Nissan am Rande der Tokyo Motorshow präsentierte. Er hat Journalisten zu einer Testfahrt durch Tokios Stadtverkehr in einem Nissan Leaf eingeladen, um ihnen einen Vorgeschmack auf das zu geben, was 2020 als Option beim Autokauf angeboten werden soll: eine freihändige Autofahrt durch den Stadtverkehr.

Mit der Ankündigung eines autonomen Autos für die Innenstadt Ankündigung wagt sich Nissan- und Renault-Chef Carlos Ghosn recht weit vor. Der amerikanische Elektroauto-Pionier Tesla Motors bietet zwar bereits einen Autopiloten für die Autobahn an, hat aber noch nichts für die Stadt im Angebot.

Und die japanischen Rivalen Toyota und Honda haben für die kommenden Olympischen Spiele in Tokio bislang nur die automatische Autobahnfahrt in Serienautos versprochen. Doch nach der Probetour wirkt dies konservativ. Das fahrerische Fazit voraus: Mit kleinen Ausnahmen klappt die Fahrt im Nissan schon heute unerwartet glatt. Dabei begann die neue Erfahrung unscheinbar.

Auf den ersten Blick sieht das Auto am Straßenrand wie ein ganz normales Elektroauto „Leaf“ aus. Doch die Beschriftung zeigt, dass es sich um ein besonders Exemplar handelt: „Nissan Intelligent Driving“ steht auf der Haube, am Heck und den Flanken. Und wer sehr genau hinguckt, erkennt auch zusätzliche Technik, die letztlich auch in das Serienmodell eingebaut werden soll.

Acht Kameras auf Dachniveau und vier in Kniehöhe und und vor allen Dingen kleine Laser-Radarsensoren in den Türen, so genannte Lidar (von Light Detection And Ranging) sorgen für Fern-, Um- und Rücksicht. Auf die Radarsensorik ist Projektleiter Tetsuya Iijima dabei ganz besonders stolz: „Wir haben die fortschrittlichsten Lidar der Welt.“ Es handele sich um die ersten 3D-Flash-Lidar-Sensoren im Autobau, erklärt er.

Diese Sensoren sind ein Produkt der Weltraumforschung. Sie wurden für als Zielsensoren für die Andockmanöver des Spaceshuttles entwickelt. Das kalifornische Unternehmen ASC entwickelt sie nun für andere Bereiche. Ihr Vorzug: Anders als die Lidar in Googles Prototypen für selbstfahrende Autos, die in einer Kugel auf dem Dach thronen, sind sie deutlich kleiner und potenziell robuster. Denn gibt es keine bewegenden Teile mehr, die wie ein herkömmlicher Radar die Gegend im Kreislauf scannen. Der Laser wird im Bündel abgefeuert.

In der Praxis fühlt sich das dann so an: Iijima nimmt auf dem Fahrersitz Platz, das Handelsblatt auf dem Beifahrersitz. Und dann geht es los. Das Ausparken übernimmt Iijima noch selbst. Dann aktiviert er den „Navi-Pilot“ und das Auto übernimmt das Steuer, während Iijima die Hände in den Schoß legt, bereit zum Eingriff.

Sanft biegt das Auto an der ersten Kreuzung links ab und beschleunigt danach wieder auf 50 Kilometer pro Stunde, das Tempolimit. Als die herannahende Ampel auf rot umspringt, bremst das Auto allerdings noch so übereifrig ab, dass fast noch eine Wagenlänge Abstand zum Haltestreifen bleibt. Iijima murmelt etwas von Sicherheitsabstand. Dann surrt der Leaf auch schon weiter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%