Handlicher Schrumpf-SUV
BMW X1: Ein Erlkönig kommt aus der Deckung

Jetzt sollte eigentlich der Moment kommen, an dem hektisch ein paar Männer vom Werkschutz aus den Büschen stürmen, schwarze Planen über das Auto werfen und mit versteinerter Miene die Chipkarten der Digitalkameras einsammeln. Denn normalerweise gibt es für Autohersteller kaum etwas Geheimeres als die Modelle von Morgen. Doch dieses Mal macht BMW eine Ausnahme.

dpa-infocom HAMBURG. Weil die Bayern als erster Nobelhersteller dem Trend zum kleinen Geländewagen folgen und gegenüber Audi und Mercedes mindestens zwei Jahre Vorsprung haben, lassen sie sich bei der Entwicklung ihres jüngsten X-Modells bereitwillig über die Schulter schauen. Noch bevor im September die Produktion beginnt und der getarnte Erlkönig Mitte Oktober als X1 zu einem Grundpreis von etwa 30 000 Euro in den Handel kommt, bitten die Entwickler zu einer ersten Testfahrt.

So gut getarnt wie die Dienstwagen von Bernhard Grzimek oder Buschdoktor Daktari kraucht der kleine Kraxler dabei durchs Gebüsch. Zwar ist er von einem echten Dschungelkönig soweit entfernt wie das südeuropäische Testgelände von der Serengeti, doch meistert der X1 den Abenteuerparcours überraschend gut. Ein Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung und 19 Zentimeter Bodenfreiheit helfen ihm durch knietiefe Pfützen, über schlammige Feldwege, nasse Wiesen und sandige Streckenabschnitte. Zu Badestrand und Bootsanleger, Reithalle oder Grillhütte kommt man deshalb mit dem X1 mühelos.

Noch mehr Eindruck schindet der X1 aber auf der Straße. Wo große Geländewagen bei aller Kraft bisweilen unhandlich und träge wirken, ist das Schrumpf-SUV ausgesprochen handlich und agil. 300 Kilogramm leichter als ein X3, zehn Zentimeter kürzer und mit tieferem Schwerpunkt fliegt er förmlich durch die Kurven, bleibt viel näher an der Ideallinie und macht die Landstraße zur Lustmeile. Dabei hilft ihm neben der strammen Lenkung aus dem 3er auch die sogenannte Performance-Control. Während die Elektronik sonst nur der Sicherheit und Stabilität verpflichtet ist, bringt sie den X1 buchstäblich schneller um die Ecke. Dennoch fährt man im X1 kommoder als in der Allradversion des 3er Touring, die als technische Basis diente. Das Fahrwerk ist weicher abgestimmt, damit man nicht wie ein Känguru durchs Buschwerk hoppelt. Außerdem genießt man die höhere Sitzposition und die bessere Sicht, thront aber nicht so über den Dingen, dass man die Bodenhaftung verliert.

Diät senkt den Verbrauch auf unter fünf Liter

Zwar bleibt der Blick unter die Motorhaube noch verwehrt. Doch das dezente Grummeln und die gehörige Kraft beim Anfahren lassen unschwer auf den zwei Liter großen Diesel mit zweifacher Aufladung schließen. Geregelt von einer gut abgestuften Sechsgangautomatik beschleunigt er den X1 mit 150 kW/204 PS und maximal 400 Nm in 7,3 Sekunden auf Tempo 100 und erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 223 km/h. Weil BMW alle Register des Efficient Dynamic-Paketes zieht, ist der Wagen im Normzyklus mit 6,3 Litern zufrieden. Der 133 kW/170 PS starke Basisdiesel 20d mit Schaltgetriebe und Start-Stopp-Automatik braucht nur 5,8 Liter. Und wenn später ein 18d mit Heckantrieb kommt, soll sogar die Fünf-Liter-Marke fallen. Die Benziner können da nicht mithalten - zumal es vorerst nur den X1 28i mit 190 kW/258 PS gibt.

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