Hartmut Retzlaff testet die Raubkatze
Jaguar XJR: Bremsen verboten

Hartmut Retzlaff tritt etwas härter durch, grinst und sagt: „Die Katze könnte etwas mehr beißen.“ Donnerstagmorgen, kurz nach zehn, die A 661 am Frankfurter Kreuz zeigt sich von ihrer leeren Seite – kaum ein Auto ist auf der Straße. Zügig neigt sich die Tachonadel hinter 230 Stundenkilometer. Retzlaff drückt noch einmal mächtig aufs Gaspedal.

HB DÜSSELDORF. Dann drosselt er das Gefährt ganz kurz, will wissen, wie energisch mit den Bremsen umzugehen ist – und schon zieht der Fahrer wieder durch: „Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit“, murmelt er, reserviert mit routiniertem Griff zum Blinker die linke Spur und zieht den Wagen mit Vollgas auf die nächste Kuppe in Richtung Taunus-Berge.

Hartmut Retzlaff, Vorstandschef des Medikamentenkonzerns Stada, ist in Fahrlaune. Heute Mittag muss er nach Schanghai, und vor einem so langen Flug kann ein bisschen Abwechslung nicht schaden. Da kommt die Testausfahrt mit dem Weekend Journal gerade richtig: Knackige 400 PS stehen auf dem Vorstandsparkplatz, eingehüllt in eine glänzende Alu-Karosserie. XJR heißt das Mischwesen aus Limousine und Sportcoupé, ein Wagen, der alles zeigt, was die Marke Jaguar zu bieten hat: den größten Körper und den stärksten Motor – das beste aus zwei Welten.

Das britische Exterieur des Jaguars stört den Manager mächtig: Die vielen Chromverzierungen, die auffällige Seitenlinie, das tiefe Heck des Nobelschiffs. Für Retzlaff alles zu gediegen. „Ich bin früher BMW gefahren und hab schon gedacht, mit dem ersten Mercedes wäre alles vorbei“, witzelt der 50-Jährige. „Aber ins Jaguaralter muss ich wohl wirklich erst noch reinwachsen.“

Auf der Taunus-Autobahn hat sich der Groll gelegt. Mühelos zieht der 4,2 Liter große Kompressor-Motor die Limousine trotz Steigung bis auf 250 km/h – dann dreht der Wagen aus. Die elektronische Abregelung bricht den Hochgeschwindigkeitstest ab, bevor Maschine oder Fahrphysik dem Wagen Grenzen setzen könnten. Schade.

„Im CL ist erst bei 310 Schluss. Ich glaube, wegen der Reifen“, erklärt Hartmut Retzlaff. Und so lässig, wie er währenddessen im XJR das Gaspedal bedient, bleibt kaum ein Zweifel, dass der Mann weiß, wovon er spricht. Letzte Gewissheit schafft der Nachsatz: „Ich hab ein Optik-Paket von AMG und ein Chip-Tuning von Brabus drin.“

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