Honda NSX : Ferrari aus Fernost

Honda NSX
Ferrari aus Fernost

Honda meldet sich zurück im Kreis der Sportwagenhersteller und baut wieder einen NSX. Auf dem Papier spielt der in einer Liga mit Audi R8, Porsche 911 und Ferrari 488. Aber in der Praxis fährt er in einer anderen Liga.
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Was lange währt, wird endlich gut. Nach diesem Motto bringt Honda jetzt mit zehn Jahren Verspätung tatsächlich eine Neuauflage des NSX an den Start. Der Tiefflieger, der bei uns im Oktober für Preise um 180.000 Euro in den Handel kommt, will aber nicht einfach nur ein weiterer Supersportwagen sein, sagt Projektleiter Ted Klaus. Genau wie der erste NSX vor 25 Jahren will sein Nachfolger mal wieder die Grenzen verschieben und eine völlig neue Erfahrung bieten – nicht umsonst entschlüsselt Klaus das legendäre Kürzel mit „New Sportscar eXperience“.

Dafür treiben die Japaner einen gewaltigen Aufwand und konstruieren den mit Abstand aufwändigsten Triebstrang in dieser Klasse. Zum neu entwickelten V6-Turbo mit 3,5 Litern Hubraum, 507 PS und 550 Nm, der hübsch drapiert unter Glas direkt hinter den Insassen tobt, gibt es nicht nur einen direkt angeflanschten Elektromotor mit 48 PS und 148 Nm zur Kompensation des Turbolochs und zur Verbrauchskosmetik.

Dazu installieren die Japaner auch noch zwei E-Maschinen im Bug, die mit 37 PS und 74 Nm individuell auf die Vorderräder wirken. Das ergibt Systemwerte von 581 PS und 698 Nm und Fahrleistungen auf Ferrari-Niveau: Von 0 auf 100 in weniger als drei Sekunden und bei Vollgas 307 km/h – das sollte für die Wiederaufnahme in den Club der reichen Raser genügen.

Und auch wenn Klaus den Hybridantrieb allein als Performance-Baustein sieht und sich sogar das stattliche Gewicht von 1.725 Kilo schönrechnet, weil der NSX dafür den tiefsten Schwerpunkt seiner Klasse hat, drückt der Akkupack hinter dem Fahrersitz natürlich auch den Verbrauch: 10,4 Liter jedenfalls sind für einen Sportwagen dieses Kalibers nicht schlecht.

Doch die Papierform wird dem Fahreindruck nicht einmal ansatzweise gerecht: In der Theorie mag der NSX in einer Liga mit Audi R8, Porsche 911 oder Ferrari 488 fahren. In der Praxis allerdings stößt er mit seinem Antriebskonzept in andere Dimensionen vor. Wo andere Hersteller beim Ritt auf der Ideallinie einzelne Räder einbremsen müssen, damit die Kraft nicht im Quietschen der Reifen verraucht und der Vortrieb nicht zum Querschlag wird, gibt der NSX mit seinen beiden Frontmotoren individuell und bisweilen sogar in gegenläufiger Richtung zusätzlich Gas und kommt so noch schneller ums Eck. Lenken wird förmlich zum Gedankenspiel, die Flunder lässt sich fast mit dem kleinen Finger führen, man bremst später und beschleunigt früher und man fühlt sich so schnell wie weiland Ayrton Senna, der den ersten NSX mit entwickelt hat.

Und trotz der komplizierten Rechenprozesse, die der Nasa wahrscheinlich für eine Marsmission gereicht hätten, fühlt sich das alles ungeheuer selbstverständlich, authentisch und intuitiv an. So widersinnig es auch klingt: Es dauert nur drei, vier Kurven, dann hat man den Antrieb fast vergessen. Wie gut, dass sich der V6 mit einem gewaltigen Brüllen und einem eigenen Sound-Bypass in die überraschend geräumige Kabine mit jedem Gasstoß lautstark wieder in Erinnerung bringt.

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