Hydrogen 7
Fahren ohne Auspuff

Ein Knopfdruck reicht und aus einer benzindurstigen Luxuskarosse wird ein Visionsauto des 21. Jahrhunderts – verspricht BMW. Mit einer ganzen Testflotte wirbt der Autobauer für die Wasserstoffverbrennung. Doch das neue Zeitalter ist noch fern.

MÜNCHEN. Es sind nur Kleinigkeiten, die etwas über das wundersame Innenleben des BMW-Wasserstoff-Testautos verraten. Die fehlenden Auspuffrohre zum Beispiel. Auch die erhöhte Hutablage fällt beim genaueren Hinsehen ins Auge. Startet der Fahrer den Motor, dann verfliegt die anfängliche Skepsis schnell. Satt wummert das 12-Zylinder Triebwerk des BMW Siebeners.

Das Auto, das BMW derzeit unter dem Namen „Hydrogen 7“ der Öffentlichkeit vorführt, ist keine gewöhnliche Limousine. Denn der Motor kann zwei Arten von Kraftstoff verbrennen: Neben Superbenzin hat „Hydrogen 7“ einen Tank für eiskalten, hochkomprimierten Wasserstoff im Kofferraum. Ein Knopfdruck reicht und aus einer benzindurstigen Luxuskarosse wird ein Visionsauto des 21. Jahrhunderts, verspricht BMW. Null Emissionen, nur Wasser tröpfelt aus dem Auspuff.

„Wir glauben mit der Wasserstoffverbrennung eine echte Alternative entwickelt zu haben“, sagt Daniel Kammerer, Referatsleiter alternative Antriebe bei BMW. Sanft gleitet die schwere Limousine durch den Münchener Stadtverkehr, das Auto fährt sich überraschend unspektakulär. Seit Mai führen die Münchener ihre Wasserstoffautos in Europa, Japan und den USA vor. „Es geht jetzt darum, eine Akzeptanz für die Technik zu erzeugen“, sagt Kammerer. Der TÜV jedenfalls, Gralshüter der automobilen Sicherheit, hat seinen Segen uneingeschränkt erteilt.

25 Jahre hat der Münchener Autokonzern an der Technik gearbeitet, jetzt kommt sie scheinbar zur rechten Zeit. Den Autoherstellern, insbesondere solchen wie BMW und Mercedes, drohen empfindliche Auflagen seitens der EU, sollten sie den Ausstoß von Kohlendioxid nicht bald in den Griff bekommen. Zudem rückt das Ende des Ölzeitalters näher. Hybridtechniken, die Ottomotoren mit Elektroantrieben koppeln, sind aus Sicht von BMW nur eine Übergangslösung. Auch Brennstoffzellen, wie sie Konkurrent Mercedes als Zukunftstechnik bevorzugt, finden bei BMW keine Gnade. Nur Verbrennungsmotoren haben ein sportliches Image, sagen die Marketingstrategen, und das BMW-Markenimage ist nun einmal „dynamisch“.

„Wir wollen demonstrieren, dass Wasserstoffantrieb und Fahrdynamik kein Widerspruch sind“, sagt Kammerer auf der Auffahrt zur Autobahn. Mühelos besteht die Limousine das Kräftemessen auf der linken Spur, Tempo 230 ist mit dem Wasserstoffantrieb kein Problem. Auch das ist ein erwünschter Aha-Effekt der Testfahrt. BMW hat den Motor so ausgelegt, dass der Fahrer keinen Unterschied merkt zwischen Wasserstoff- und Benzinbetrieb. Nur ein kleines H2-Lämpchen blinkt hinter dem Lenkrad.

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