IAA-Thema Emissionsminderung
Hase-und-Igel-Rennen um CO2-Ausstoß

Das Kaufverhalten der deutschen Konsumenten und das wachsende Angebot an sportiven, geländegängigen Fahrzeugen werfen die Autoindustrie bei der Reduktion der klimaschädlichen CO2-Abgase zurück.

FRANKFURT. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wird sich der durchschnittliche Ausstoß aller in Deutschland verkauften Neuwagen bis zum Jahr 2010 um 0,7 auf dann 172,7 Gramm pro Kilometer erhöhen. Das geht aus einer Studie des Leverkusener Prognoseinstituts B&D Forecast hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Ein Großteil der Treibstoffersparnis, die etwa durch verbesserte Verbrennungsmotoren, Hybride und Leichtbau erreicht wird, zehren größeres Gewicht und höhere PS-Zahlen auf.

Vor allem der von B&D prognostizierte Anstieg verkaufter Geländewagen (SUV) treibt den Gesamtausstoß in die Höhe. Dabei ist schon berücksichtigt, dass durch die Welle kleiner SUV der Durchschnitts-CO2-Wert in der Klasse sinkt. Der Marktanteil der Geländewagen insgesamt schnellt der Prognose nach von 6,3 Prozent im vergangenen Jahr auf gut neun Prozent im Jahr 2010 hoch. „Die Kunden sind auf Dauer nicht konsequent in der Wahl klimafreundlicher Autos. Und die Hersteller machen sich mit einer immer breiteren Palette an sportiven, aber schweren Fahrzeugen selbst das Leben schwer“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Chef von B&D Forecast, dem Handelsblatt.

Neuwagen würden im Schnitt zwar effizienter, aber der SUV-Boom schmälere den Fortschritt. „Die Unternehmen müssen schneller und effizienter mit der CO2-Emission runter. Das ist ein richtiges Hase-und-Igel-Rennen“, sagte Dudenhöffer.

Führende Automanager sind skeptisch, ob die Käufer dem Umwelttrend im Autosektor in großem Stil folgen werden. „Viele Hersteller – auch wir – hatten ja früher schon Start-Stopp-Techniken im Programm“, sagte Opel-Chef Hans Demant. Nur habe niemand danach verlangt. So bleibt die Öko-Offensive ein gewagter Ritt. „Wir haben mit einer Innovationsoffensive in unserem Haus alle Stellhebel angefasst, um Eco-Technik so schnell wie möglich verfügbar zu machen“, erklärte Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber. „Die Frage ist, ob die Kunden diese auch kaufen.“

Der Handel ist ebenfalls skeptisch. „Wir werden nicht den Schalter umlegen und die grüne Revolution auf den Straßen auslösen“, dämpfte Helmut Blümer vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) Hoffnungen auf eine Öko-Wende. „Die Menschen sind bereit, mehr für den Klimaschutz zu tun. Aber wenn es ums Geld geht, schrumpft ihre Zahl schnell.“

Seite 1:

Hase-und-Igel-Rennen um CO2-Ausstoß

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%