Im Test
BMW 535d Touring: Der vernünftige Lustlaster

Ein High-Tech-Diesel mit 272 PS macht den BMW 535d Touring zum wahren Lustlaster. Kleine Mängel trüben das Vergnügen nicht wirklich, findet Jürgen Rees.

An einer Ampel in Bonn. Neben mir steht ein maisgelber Porsche Boxster. Der Kerl schaut provozierend mitleidig auf meinen Familienlaster. Er fühlt sich sicher.

Nicht dass ich auf diese Art von Wettbewerb stehe. Aber als einst geplagter Enten-Fahrer hat man so seine Träume. Endlich mal einen Porsche versägen.

Also schiebe ich den Wählhebel der wunderbar sanften Sechsgang-Automatik in die Sportstufe. Die Ampel springt auf Grün. Ich trete das Gaspedal bis zum Anschlag, der Vortrieb ist grandios. Ich gewinne.

Die 6,6 Sekunden auf 100 Stundenkilometer machen den 1,8 Tonnen schweren BMW 5er-Kombi zum Porsche-Killer - zugegeben, eine Überraschungssekunde eingerechnet. 

Es ist noch nicht so lange her, da galt die Verbindung von Kombi, Diesel und Automatikschaltung als Spaßbremse schlechthin. Rußend, lahm und klobig. Der neue BMW 535d Touring zeigt mit seinem Reihensechszylinder, dass es anders geht.

Der 272-PS-Diesel mit Partikelfilter setzt nicht nur dank eines Drehmoments von 560 Newtonmetern bei 2000 Motorumdrehungen Maßstäbe. Das Sahnehäubchen setzt die variable Twin-Turbo-Technik. Dank der Aufladung des Motors mit zwei Turboladern gehört das Turboloch, das viele Diesel plagt, der Vergangenheit an. Der kleine Turbolader versorgt das Triebwerk in niederen Drehzahlen mit ausreichend Luft, der große übernimmt dies bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Das Beste: Weder Partnerin noch Kinder mosern, auch sie kommen auf ihre Kosten. Der Kombi hat Stauraum satt für Familie und Urlaubsgepäck.

Insofern ist der Diesel-BMW ein durch und durch vernünftiges Auto.

Solche Argumente braucht, wer das Spaßmobil als Dienst- oder Familienauto durchsetzen will. Denn der 5er-Touring startet mit einem Preis von 51 800 Euro.

Mein Probewagen ist vollgepflastert mit teuren zusätzlichen Technikfeatures. Dazu gehört das Head-Up-Display (1300 Euro). Es lässt die Geschwindigkeit oder den Abstand zur nächsten Abzweigung als orangefarbene Projektion über dem Ende der Fronthaube schweben. Das ist nett, so muss ich den Blick nicht mehr von der Fahrbahn nehmen, um auf das Navigationssystem (3850 Euro) oder den Tacho zu schauen.

Für viel Aufmerksamkeit auf dem Supermarkt-Parkplatz sorgt die automatische Heckklappe (690 Euro). Per Fernbedienung öffnet sie sich, ein Knopf an der Klappe schließt sie. Hübsch, aber entbehrlich.

Dafür ist der viel gescholtene Dreh-Drück-Knopf (I-Drive) auf der Mittelkonsole, der Navigation, Klima, Telefon und Radio steuert, zwar nicht so intuitiv zu bedienen wie das Multi-Media-Interface des Konkurrenten Audi 6. Aber ich gewöhne mich schnell daran. Irgendwann finde ich es beruhigend, dass das I-Drive den Krieg der Knöpfe und Leuchten auf dem Armaturenbrett beendet.

Gibt's noch was zu mäkeln? Klar, es sind aber eher Kleinigkeiten. Etwa beim Lenkrad: Es fühlt sich an wie eine zu dick geratene Wurst und will gar nicht zum flotten Vortrieb passen. Nervig ist die Gepäckabdeckung, die sich bei jedem Öffnen der Heckklappe nach oben schiebt und von Hand wieder nach unten gedrückt werden muss, weil sie sonst den Blick nach hinten versperrt. Das Abrollen auf schlechten Straßen ist etwas holprig, aber das würden die BMW-Ingenieure vermutlich sportlich nennen.

Gemessen am Spaß, den das Auto bereitet, sind das nur Kleinigkeiten - auch wenn der BMW mit einer Ausstattung wie mein Testexemplar rund 70 000 Euro kostet.

Quelle: Wirtschaftswoche

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