
München/DüsseldorfMichael Groschek glaubt an eine von Bürgern bezahlbare Revolution im Kleinen: „Die E-Mobilität des vor uns liegenden Jahrzehnts wird durch Pedelecs und Zweiräder bestimmt, nicht durch Elektromobilität im automobilen Sinn“, sagt der NRW-Verkehrsminister – und widerspricht damit im Rahmen des Elektroauto-Gipfels den hochfliegenden Plänen von Bundesregierung und Autoherstellern. Der SPD-Mann bezieht damit Gegenposition zu Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der die Marktchancen für E-Autos betont positiv sieht. Aber die Statistik gibt Groschek recht.
Während die Zahl der zugelassenen Elektroautos mit einigen Tausend weiter überschaubar bleibt, brummt das Geschäft mit Fahrrädern, die einen Elektromotor haben. Immer mehr junge Städter nutzen statt des Autos ein Elektrorad. Der Absatz stieg 2011 um 55 Prozent, 2012 kletterte er um weitere 15 Prozent. Fahrräder mit Elektromotor machen nach Angaben des ADFC schon zehn Prozent des Gesamtmarkts aus.
Pedelecs leiten ihren Namen aus den englischen Begriffen "Pedal, Electric Cycle" ab. Ein elektrischer Hilfsmotor unterstützt den Radler nur solange dieser in die Pedale tritt. Das Fahrrad darf nicht mehr als 250 Watt Leistung bereitstellen und nicht schneller als 25 km/h sein.
In vielen Bundesländern ist für Pedelecs mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung erforderlich. Sie steht Fahrern ab 15 Jahren offen und umfasst eine theoretische und praktische Ausbildung sowie eine Theorie-Prüfung. Personen, die vor dem 01. April 1965 geboren wurden, benötigen aber lediglich einen Personalausweis. Die Mofa-Prüfbescheinigung ist in den Motorradführerscheinen A, A1 und A2 sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten.
Für Pedelecs ist nur dann keine eigene Haftpflichtversicherung notwendig, wenn sie in der Privathaftpflicht enthalten ist. Oft sind in alten Verträgen Elektroräder aber nicht enthalten. Dann ist eine schriftliche Bestätigung vom Versicherer anzufordern, dass Pedelecs im Vertrag eingeschlossen sind.
Es besteht keine Helmpflicht.
Schnelle Pedelecs sind sogenannte "S-Pedelecs", auch Schweizer Klasse genannt. Sie unterstützen den Fahrer durch den bis zu 500 Watt starken Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Auch hier arbeitet der Motor nur, wenn der Fahrer in die Pedale tritt.
Für den Betrieb ist bei S-Pedelecs ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Im Straßenverkehr benötigt der Fahrer die Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M. Seit 19. Januar 2013 heißt diese Klasse AM und ist in den Motorradführerscheinen sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten. Die Klasse AM steht Personen ab 16 Jahren offen und schließt sowohl eine theoretische als auch praktische Prüfung ein.
S-Pedelecs werden wie Kleinkrafträder eingestuft und dürfen nicht auf dem innerstädtischen Radwegnetz fahren. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen S-Pedelecs nur Radwege benutzen, wenn diese durch das Zusatzschild "Mofas frei" für den Kraftverkehr freigegeben sind.
Es besteht Helmpflicht.
Im Gegensatz zu Pedelecs und S-Pedelecs besitzen E-Bikes einen maximal 500 Watt starken Antrieb, der unabhängig vom Tritt in die Pedale funktioniert. Über einen Drehgriff oder Schalter am Lenker steuert der Fahrer die Motorleistung des bis zu 20 km/h schnellen E-Bikes. Höhere Geschwindigkeiten sind vom Tritt in die Pedale abhängig.
E-Bikes gelten wie S-Pedelecs als Kleinkraftrad und benötigen ein Versicherungskennzeichen sowie eine Betriebserlaubnis. Das Führen des E-Bikes setzt mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung voraus.
Es besteht Helmpflicht.
Insgesamt sind mittlerweile mehr als 1,3 Millionen E-Bikes auf Deutschlands Straßen unterwegs. Damit zählt Deutschland neben den Niederlanden als das absatzstärkste Land für Elektrofahrräder. Knapp 35 Prozent des gesamten E-Bike-Absatzes in Europa entfallen allein auf Deutschland.
Pedelecs machen nach Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) ca. 95 Prozent der insgesamt verkauften E-Bikes aus. Die restlichen fünf Prozent verteilen sich auf S-Pedelecs und andere Varianten. Hersteller und Händler freuen sich über mehr Umsatz und höhere Gewinne dank Elektrounterstützung.
Europaweit wurden 2012 rund 1,1 Millionen E-Bikes verkauft, davon 380.000 in Deutschland. Zieht man den Schienenverkehr einmal ab, so besteht die wirkliche Elektromobilität zu mehr als 99 Prozent aus Pedelecs.
Die durchaus schwungvolle Fahrt könnte nun aber durch zwei echte Hürden gebremst werden: Zum einen durch das schlechte Wetter des Frühjahrs, das Handel und Hersteller das Geschäft bislang vermiest - zum anderen durch die aktuellen Ergebnisse eines Pedelec-Tests von ADAC und Stiftung Warentest, die kaum schlechter ausfallen könnten.
Wenn von 16 getesteten Fahrrädern gleich neun mit der Note „mangelhaft“ glatt durchfallen, dann darf man den Test schon als „katastrophal“ bezeichnen. Und genau das tun Stiftung Warentest und ADAC auch: Die Elektro-Fahrräder der Hersteller Leviatec, Kreidler, KTM, Sinus, Flyer, Top Velo, Fischer, Victoria und Raleigh erhielten das vernichtende Urteil.
Bei fünf Rädern brachen im Belastungstest Rahmen, Lenker oder die Aufnahmen der Hinterachse, drei Modelle wurden wegen mangelhafter Bremsen abgewertet. Ein Pedelec (Raleigh/ Impulse iR HS) sendete so starke elektromagnetische „Störwellen“ aus, dass damit sogar die Funkdienste von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten massiv gestört werden könnten. Auch dafür blieb den Testern nur das Urteil „mangelhaft“.
Die Modelle von Pegasus und Kalkhoff überschritten den elektromagnetischen Grenzwert zwar ebenfalls geringfügig, dennoch gab es für sie die Testnote „ausreichend“.
Link: Einen Überblick über die Detail-Ergebnisse finden Sie in dieser Tabelle.
Lediglich zwei Modelle (E-Courier SX von Stevens und Obra RT von Kettler) erhielten das ADAC-Urteil „gut“. Das sportliche Elektrofahrrad von Stevens überzeugte mit guten Laufeigenschaften, kurzer Ladedauer und guter Reichweite. Die Schaltung sowie die Transportmöglichkeit für das Gepäck lassen allerdings noch Raum für Optimierungen.
Das ebenfalls positiv bewertete Pedelec von Kettler erwies sich im Test als komfortabel und durch die Lenkerposition zum gemütlichen Fahren geeignet. Es ist allerdings nicht allzu wendig.
Die Spanne der erzielten Reichweite lag über alle getesteten Modelle hinweg zwischen 25 und 75 Kilometern. Die Modelle von Kalkhoff und Raleigh überzeugten mit einer Reichweite von 75 Kilometern, fielen allerdings durch ihre elektromagnetische Wirkung negativ auf.
Fazit der Tester: Weder der Name des Herstellers noch der Preis sind verlässliche Indikatoren für die Qualität eines Elektrofahrrads. Verbraucher können sich nur durch umfangreiche Produkttests informieren, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.
Durchschnittspreis: 513 Euro
In Deutschland sind 95 Prozent der verkauften E-Bikes sogenannte Pedelecs, bei denen der Elektromotor den Fahrer nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde unterstützt. Für Pedelecs ist kein Führerschein notwendig, es besteht keine Helmpflicht und der Radweg darf benutzt werden.
Für den Kauf von E-Bikes und Fahrrädern favorisieren die Deutschen nach wie vor den Fachhandel. Knapp 70 Prozent aller Verkäufe seien 2012 dort erfolgt, so der ZIV. Doch das Geschäft mit den E-Bikes ist im laufenden Jahr nur schwer in Gang gekommen. Das wenig frühsommerliche Wetter und die andauernd kühlen Temperaturen waren dafür verantwortlich. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass sich dieser Trend noch umkehren wird“, heißt es vom ZIV.
So hoffen die Hersteller, wieder die Marke von 3,95 Millionen verkauften Fahrrädern und E-Bikes des Vorjahres zu erreichen – und den Umsatz bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von bisher 513 Euro je Stück weiter zu steigern. Durch den steigenden Anteil von höherpreisigen Elektrofahrrädern und dem Trend zum E-Bike zusätzlich zum Fahrrad scheine dies durchaus möglich.

@Marvel
Nicht unbedingt nur, wenn man körperlich eingeschränkt ist. Eine mehrwöchige Tour auf den traumhaften Fernradwegen in Bayern, Österreich und Italien mit je zwei Packtaschen am Vorder- und Hinterrad macht einfach mehr Spaß, wenn man sich nicht so schinden muss. Ich hätte mir auch dann ein Pedelec gekauft, wenn ich die Gelenke nicht schonen müsste.
Im Übrigen bin ich aus der Pedelec-Erfahrung heraus völliger Gegner des E-Autos zum jetzigen Zeitpunkt. Das kann niemals klappen, und da ich die Akku-Problematik schon seit 20 Jahren aus anderen Gründen verfolge, gehe ich davon aus, dass eine befriedigende Lösung so rasch nicht kommt. Auch die E-Bike-Akkus taugen noch nichts und sind extrem teuer, aber das E-Bike kann man auch mit leerem Akku fahren, das Auto nicht.

Ich frage mich, wie man mit diesem Versuchsaufbau einen Rahmenbruch herbeiführen konnte. Das Rad ist statisch eingespannt durch eine Befestigung an der Gabel und Zugseile am Lenkerende. Zusätzliche Seile mit Gummibändern am Gepäckträger hinten sollen verhindern, daß das Hinterrad "springt". Die einzige Möglichkeit Lastwechsel herbeizuführen, resultiert aus einer Drehzahländerung des Testmotors, der auf der Sattelstütze montiert ist.
Für einen Lenkerbruch gilt das gleiche. Die Teile brechen durch Wechselbelastung (rechts und links auf die Pedale treten, auf unebenem Weg fahren). Nichts dergleichen ist hier realisiert.
Sehr zweifelhaft das ganze.
Heiko Hartje

Nun ja, die Behauptung, dass ich kein Rad fahren sollte ist natürlich Unsinn. Ist eher andersrum. Alles unter 5 Kilometern fahre ich immer mit dem Rad und zwar nur in hohen Geschwindigkeiten. Und sonst halt Rennrad auf Wettkämpfen etc. Ich behaupte eher mich als extrem fit zu bezeichnen. Ins schwitzen komme ich jedenfalls nicht, wenn ich mit dem Rad rumfahre.
Aber das Argument, dass man so ein E-Bike braucht, wenn man körperlich behindert ist lasse ich gelten. Darüber habe ich nicht nachgedacht. Dann mal gut Tritt. ;-)
VG
Marvel
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