Im Test
Lexus RX 400h: Vorsprung durch Technik

Der Lexus RX 400h schöpft Kraft aus drei Motoren: einmal Benzin und zweimal Elektro. Er beweist, dass High Tech einfach und mit Spaß zu bedienen sein kann, findet Jürgen Rees.

Ich drehe den Zündschlüssel. Viele Lichter blinken. Aber nichts zündet.

"Warum fährt der denn jetzt?", staunt mein Beifahrer. Lautlos gleitet der 2,2-Tonner dahin, angetrieben nur von einem Elektromotor mit 167 PS. Eine Fußgängerin in der Bonner Kölnstraße schaut, als habe sich das Auto ihr unsittlich genähert. Der Elektroantrieb liefert die Kraft zum Anfahren.

Erst wenn ich mehr Leistung brauche, springt der Sechs-Zylinder-Benzinmotor (211 PS) an. Will ich die schwere Fuhre tatsächlich in 7,7 Sekunden auf 100 Stundenkilometer hetzen, schaltet sich noch der kleinere Elektromotor (68 PS) am Hinterrad zu, der im Gelände auch als Allradantrieb funktioniert.

Addiere ich die Leistung der drei Motoren, zähle ich 446 PS. Doch nur theoretisch, denn das Antriebsmanagement sorgt dafür, dass sich die Pferdestärken auf höchstens 272 summieren. Für ungläubiges Staunen an der Ampel sorgt das enorme Drehmoment von 750 Newtonmetern, das niemand dem Koloss zutraut. Der Lexus schießt wie von der Tarantel gestochen an der Haltelinie los.

Wozu der ganze Aufwand?

Schließlich verfügen auch moderne Diesel über ordentlichen Durchzug. Das Besondere am Hybrid-Konzept: Wenn ich bremse oder nur den Fuß vom Gaspedal nehme, verpufft die Energie nicht einfach nutzlos als Wärme. Die Elektromotoren arbeiten dann als Generatoren und laden die drei Batterien unter der Rücksitzbank auf. Die wiederum liefern Strom für die Elektromotoren.

All das muss man nicht wissen: Denn so kompliziert es klingt, so reibungslos funktioniert das aufwendige System im Alltag. Es macht einfach Spaß, mit dem High-Tech-Mobil zu fahren.

Meinem Mitfahrer imponiert das Energieflussdiagramm, das ich auf den Navigationsbildschirm zaubern kann. Es zeigt, welche Motoren gerade arbeiten und ob die Batterien angezapft oder geladen werden. Und es gibt Antwort auf die häufigste Frage: "Was verbraucht der denn?"

Der Lexus spielt die Vorteile seiner Technik im Stop-and-go-Verkehr in der Stadt und auf der Landstraße aus. Dann verbraucht er zwischen 7,5 und 7,9 Liter pro 100 Kilometer. Auf der Autobahn schwindet der Vorsprung durch Technik flott. Bis zu 17 Liter Super jagen dann durch die Einspritzdüsen. In unserem Test lag der Konsum im Mittel bei zehn Litern mit meist ausgeschalteter Klimaanlage, die sich bei richtigem Sommerwetter gern bis zu einem Liter Sprit zusätzlich gönnt.

Ein respektabler Wert für ein Auto dieser Größe. Ein vergleichbarer Mercedes ML 320 CDI mit einem modernen Diesel mit Partikelfilter verbraucht im Test einen knappen Liter mehr Diesel und pustet mehr klimaschädliche Abgase in die Umwelt.

Der Lexus RX 400h ist der zweite Hybrid im Sortiment des japanischen Herstellers Toyota. War das erste Hybridauto, der 1997 erstmals verkaufte Toyota Prius, ein eher phlegmatischer Geselle, zählt der neue Lexus mit einer sportwagengerechten Beschleunigung und einer Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde zu den flotten Vertretern.

Doch Sparen ist nicht billig. Fast 50 000 Euro kostet der gut ausgestattete Hybrid-Lexus in der Basisversion. Dafür erhält man zwar einen fortschrittlichen Antrieb mit großem Spaßfaktor, doch kein Auto ohne Schwächen. Raumausnutzung und Zuladung (Kofferraum: 439 Liter, Zuladung: 435 Kilogramm) des 4,7 Meter langen Autos sind schlechter als die eines Mittelklassekombis. Die Lenkung ist mir zu amerikanisch gefühllos, die Federung könnte Feinabstimmung vertragen.

Quelle: Wirtschaftswoche

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