Immer mehr Autos sehen aus wie Geländewagen
Mit „Cladding“ vom Off-Road-Trend profitieren

Wenn es um Geländewagen geht, haben Autokäufer eine zwiegespaltene Meinung. Zum einen schätzen sie deren robuste Technik und den Hauch von Abenteuer, sagt Christoph Stürmer, Automobilanalyst beim Prognoseinstitut Global Insight in Frankfurt.

dpa/gms FRANKFURT/MAIN. „Auf der anderen Seite gibt es funktionale Eigenschaften, die eher abschrecken“, erklärt Stürmer. Diese seien beispielsweise das Gewicht und der hohe Verbrauch der Autos. Die Hersteller reagieren darauf, indem sie immer mehr Autos anbieten, bei denen lediglich die Optik an Geländewagen erinnert.

„Cladding“ - auf Deutsch: „verkleiden“ - nennen Experten diesen Trend: Personenwagen werden verkleidet, damit sie wie Geländewagen wirken. Besonders hoch im Kurs stehen solche „Möchtegern“-Modelle im Moment beim Volkswagen-Konzern. Vor allem die Muttermarke VW betrachtet die Idee als Erfolgsrezept und arbeitet an entsprechend umgestalteten Fahrzeugen. Sie alle tragen die Bezeichnung „Cross“. „Nachdem wir mit der Produktion des zum Jahreswechsel eingeführten Crosspolo sehr erfolgreich sind, folgt jetzt der Crossgolf“, sagt Pressereferent Christian Buhlmann in Wolfsburg.

Dieser „Golf fürs Grobe“ basiert nach Buhlmanns Worten auf dem Golf Plus. Mit 17-Zoll-Rädern, Schlechtwegefahrwerk, einem Plus an Bodenfreiheit, wuchtigeren Stoßfängern, stabilen Seitenschutzleisten und einer serienmäßigen Dachreling bekommt er einen Hauch von Freiheit und Abenteuer. Unter dem Blech bleibt es dagegen bei den bekannten Motoren und dem konventionellen Frontantrieb.

Damit scheint die Modellfamilie aber noch nicht komplett zu sein. Denn Designer und Vertriebsstrategen arbeiten nach Informationen aus Unternehmenskreisen auch an einer Version des Touran mit Geländewagen-Flair. Ihr Serienstart ist den Angaben zufolge für das Frühjahr 2007 vorgesehen. „Weitere Cross-Modelle sind darüber hinaus allerdings nicht geplant“, heißt es in Wolfsburg.

Einen Schritt weiter gehen die Konzerntöchter Skoda und Audi: Sie haben mit dem beim Pariser Automobilsalon enthüllten Octavia Scout und dem Anfang dieses Jahres eingeführten A6 Allroad Quattro zwei Kombis im Programm, die sich zumindest ein wenig auch an der Technik von Geländewagen orientieren. Zur überarbeiteten Optik und der größeren Bodenfreiheit gibt es bei ihnen auch Allradantrieb. „Damit kann der Scout eigentlich mehr als die meisten Autofahrer je von ihm verlangen werden“, kommentiert ein Skoda-Sprecher.

Auch andere Marken haben die Vorzüge eines Allradkombis im leicht getarnten Kleid erkannt und entsprechende Modelle im Angebot. Bei Volvo läuft mit dem Xc70 sogar schon so lange die zweite Generation des „hochbeinigen“ Crosscountry vom Band, dass für 2007 die nächste Auflage vorgesehen ist. Nach dem gleichen Muster ist der Legacy Outback von Subaru gestrickt, neben dem sozusagen als kleiner Bruder der Forester angeboten wird.

Neben Crosspolo & Co. gibt es weitere reine Frontantriebs-Modelle mit Geländewagen-Optik. Dazu gehört seit kurzem der Cross Getz von Hyundai. Er ist ebenfalls höher gelegt und mit massiven Stoßfängern ausgestattet worden. Bei Fiat steht der kompakte Kombi Stilo Multiwagon auch als „Uproad“ in der Preisliste. Erfunden hat diese Auto-Gattung aber das britische Unternehmen Rover mit dem „Streetwise“ auf Basis des Rover 25. Mitsamt der Marke ist dieser Wagen aber mittlerweile von der Bildfläche verschwunden.

Beim „Cladding“ orientieren sich die Hersteller nach Aussagen von Analyst Christoph Stürmer am Erfolg der Sports Utility Vehicles (SUV): „Obwohl SUV auf andere Verkehrsteilnehmer sehr aggressiv und dominant wirken können, werden sie doch von vielen eher defensiv und ängstlich eingestellten Kunden geschätzt, weil sie ihnen einen besseren Schutz vor dem Unbill des Verkehrs bieten.“

Diesen „Schlüsselreiz“, der bei vielen Kunden eingeprägt sei, wollen die Hersteller laut Stürmer auch mit den „Cladding“-Varianten ansprechen. Diese bringen neben den messbaren Vorteilen eines PKW - etwa geringerer Verbrauch und niedrigeres Gewicht - auch die Attribute mit, die die Kunden einem Geländewagen zuschreiben: ein Plus an Sicherheit und ein gewisses Gefühl von Abenteuer. „Während rein objektiv konstruierte Produkte wie der Subaru Forester diese Mischung genau verkehrt herum bieten und deshalb nur von Nischen-Kunden wahrgenommen werden, erfreuen sich diese nach subjektiven Maßstäben entwickelten Optik-Modelle wachsender Beliebtheit.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%