Intelligente Fahrerassistenzsysteme
Spediteure knausern bei der Sicherheitstechnik

Die Zahlen sind gravierend: Im Jahr 2006 starben in Deutschland rund 1 200 Menschen bei Unfällen, an denen LKWs beteiligt waren. Die Gründe sind fast immer dieselben: unaufmerksame Fahrer, ein zu geringer Abstand oder zu hohe Geschwindigkeit. Dabei ließen sich viele dieser Unfälle vermeiden, wenn mehr Lastwagen mit intelligenten Fahrerassistenzsystemen ausgerüstet wären.

DÜSSELDORF. Genutzt werden intelligenten Fahrerassistenzsystemen bisher kaum – meist, weil den Spediteuren die Anschaffungskosten zu hoch sind. Dabei ist die Technik längst ausgereift: Die Hersteller von Nutzfahrzeugen bieten inzwischen eine ganze Reihe an erprobten Assistenzsystemen an. So sorgt beispielsweise der abstandsgeregelte Tempomat Adaptive Cruise Control (ACC) dafür, dass der LKW einen Mindestabstand zum vor ihm fahrenden Fahrzeug einhält. Radarsensoren messen dabei den Abstand und die relative Geschwindigkeit. Kommen sich beide Fahrzeuge zu nahe, bremst das System den LKW ab.

Das kann nach Meinung von Experten viele Leben retten: „70 Prozent aller schweren LKW-Auffahrunfälle auf der Autobahn könnten vermieden werden, wenn in den Fahrzeugen ACC mit Notbremssystem eingebaut wäre“, sagt Johann Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung am Allianz Zentrum für Technik. Ausrichten können die Systeme bislang allerdings noch nichts bei unbeweglichen Hindernissen, etwa wenn ein LKW auf ein stehendes Fahrzeug auffährt.

Ein weiteres Mitglied im Team der elektronischen Rettungsassistenten ist das Spurhaltesystem, das Lane Departure Warning (LDW): Eine Kamera beobachtet dabei die Straße und warnt den Fahrer, wenn er von der Spur abkommt. Zudem gibt es auch für Brummis das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das im PKW-Bereich bereits weit verbreitet ist. Die Forscher am Allianz Zentrum für Technik haben nachgewiesen, dass sowohl LDW als auch ESP die Sicherheit erhöhen – etwa bei Müdigkeit oder Sekundenschlaf, die ein Viertel tödlichen LKW-Unfälle verursachen.

Das Zusammenspiel der Systeme könnte Fahrzeuge rundum absichern: „ACC würde den Fahrer auf einen zu geringen Abstand aufmerksam machen. LDW würde verhindern, dass der LKW von der Straße abkommt, und ESP würde das Fahrzeug beim Abkommen von der Fahrbahn und beim Gegenlenken stabilisieren“, sagt Unfallforscher Gwehenberger. Er fordert daher, dass diese Systeme möglichst schnell zur Pflicht werden.

Das gleiche Vorhaben verfolgt auch die Europäische Kommission – unterstützt von der Logistikbranche. „Wir sind von der Technik überzeugt, denn sie kann Leben retten“, sagt Klaus Peter Röskes, Vizepräsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). „Allerdings müssen diese Systeme europaweit verbindlich vorgeschrieben werden.“

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