Intelligentere Mobilität
Wie das Internet die Autos erobert

Liebe, Job, Freizeit - unser Leben ist mit dem Internet verknüpft. Nur das Auto nicht. Das soll sich ändern: Online-Dienste erobern das Armaturenbrett. Schon bald sollen auch Fahrer Apps installieren können, wie es Smartphone-Besitzer schon heute tun.
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Unterwegs in einem Toyota Prius. Kurz vor Freiburg staut sich der Verkehr. Plötzlich unterbricht ein Klingelton die Musik, und ein Display auf dem Armaturenbrett zeigt das Bild einer Überwachungskamera: ein Hauseingang, davor ein Paketbote. Der Fahrer des Prius drückt eine Schaltfläche auf dem Bildschirm, schon klinkt er sich via mobilem Internet in die heimische Gegensprechanlage ein. Er bittet den Boten, das Paket in der Garage zu deponieren - und öffnet dazu via Web das Garagentor.Noch ist die Szene eine Vision. Doch solche Situationen könnten bald Alltag sein.

Denn den vernetzten Prius gibt es schon als Prototyp. Das Softwareunternehmen QNX und der Telekommunikationsausrüster Alcatel - Lucent haben ihn digital aufgebohrt,um zu demonstrieren, wie weit die Verknüpfung von Verkehrs- und Online-Welt schon heute reichen kann. Das Auto und das Internet wachsen zusammen. Und die großen Hersteller haben es ziemlich eilig, in das Geschäft einzusteigen.

Die neue Symbiose, so versprechen die Konzerne, werde Autofahren nicht nur komfortabler machen, sondern auch sparsamer und sicherer. Für die Hersteller wiederum könnte mit den vernetzten Autos ein lukratives Zusatzgeschäft entstehen. Erst in der vergangenen Woche gab der französische Automobilhersteller Renault daher eine Partnerschaft mit dem US-Internet- Konzern Yahoo bekannt. Bereits Anfang 2011 wollen die neuen Partner Kleinwagen mit Internet-Bildschirmen auf den europäischen Markt bringen. Und das ist nur das jüngste Beispiel.

Schon bald sollen Autos zahlreicher Hersteller wie Daimler, BMW und Volkswagen ausgestattet sein wie der vernetzte Toyota Prius: mit berührungsempfindlichen Bildschirmen, Kameras, Mikrofonenund - vor allem - einer schnellen mobilen Datenverbindung. Damit können Autofahrer dann nicht nur von unterwegs zentrale Funktionen ihres Hauses überwachen, etwa Rollläden herunterlassen, die Heizung aufdrehen oder die Alarmanlage entschärfen. Sie können auch Hotels buchen, Zugpläne checken, Textnachrichten diktieren, Theaterkarten reservierenund Einkaufstipps abrufen.

All das während der Fahrt. Das Auto kommuniziert unterdessen mit Ampeln, anderen Fahrzeugen und Verkehrsleitsystemen und weicht nicht nur Staus aus, sondern vermeidet sogar Unfälle.

Vieles davon befindet sich noch im Entwicklungsstadium. Doch die Euphorie ist groß: "Allein in Europa gibt es 300 Millionen Autos und 50 Millionen Lastwagen. Das sind 350 Millionen potenzielle Highspeed-Internet-Verbindungen", sagt Horst Leonberger, Leiter der Sparte Vernetzte Fahrzeuge bei der Deutschen Telekom. Lange Zeit glich die Beziehung zwischen Auto und Internet einer unerfüllten Liebe: Die Technik war langsam, kompliziert und teuer. Das ist Vergangenheit. Nicht nur die Preise für mobile Datentarife sinken.

Vor allem erreichen der Mobilfunkstandard UMTS und sein Nachfolger LTE inzwischen die Leistungsfähigkeit der schnellsten DSLLeitungen. Auch Computerchips sind so rechenstark geworden, dass multimediale Dienste für unterwegs nun Realität werden.Das Überall-Internet ist schon heute fester Bestandteil im Alltag von mehreren Hundert Millionen Menschen: Mit ihren iPhones und Blackberrys greifen sie rund um die Uhr auf E-Mails und Kontakte aus sozialen Netzwerken zu. "Das Smartphone hat neue Bedürfnisse geschaffen. Viele Verbraucher wollen nun auch im Auto jederzeit mit dem Internet verbunden sein", sagt Egil Juliussen, Analyst des US-Marktforschungsunternehmens iSuppli.

Von den Smartphones können die Autohersteller einiges lernen. Denn unter den mehreren Hunderttausend Programmen, die es für Mobiltelefone zu kaufen gibt, finden sich Hunderte allein für Autofahrer: Die virtuelle Mitfahrzentrale Car2Gether etwa vermittelt Beifahrer, Trapster warnt vor Radarfallen und Qype empfiehlt Restaurants in der Umgebung. In San Francisco testet das kalifornische Startup Streetline gar ein Programm, das freie Parkplätze meldet. Die Informationen liefern handtellergroße Funksensoren, die einfach an jedem Parkplatz auf den Asphalt geklebt werden.

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