Interview mit Fritz Indra

„Tesla wird scheitern“

Verbrenner schlagen E-Mobilität und Plug-in-Hybride sind Betrug an der Umwelt: Der bekannte Motorenentwickler Fritz Indra räumt im Interview mit dem Hype um die Elektroautos auf.
69 Kommentare
Der 1940 geborene Diplom-Ingenieur arbeitete als Motoren- und Fahrzeugentwickler unter anderem bei BMW Alpina, Opel, General Motors, und Audi. Quelle: ampnet
Professor Fritz Indra

Der 1940 geborene Diplom-Ingenieur arbeitete als Motoren- und Fahrzeugentwickler unter anderem bei BMW Alpina, Opel, General Motors, und Audi.

Wien/DüsseldorfDas Wiener Motorensymposium stand Anfang des Monats ganz im Zeichen überraschender Verbesserungen beim Verbrennungsmotor, weil die umweltpolitischen Ansprüche in Europa die Kreativität der Hersteller zwangsläufig beflügelt haben. Welchen Folgen das für die alternativen Antiebe hat, darüber sprach Jens Meiners mit dem bekannten Ingenieur und Fahrzeugentwickler Prof. Fritz Indra, einst Motorenentwickler bei BMW Alpina, Audi und General Motors, heute im Ruhestand noch Berater des österreichischen Entwicklungsdienstleisters AVL List.

Professor Indra, was ist für sie die wichtigste Erkenntnis des Motorensymposiums?

„Es gab keinen einzigen Vortrag mehr über das Elektroauto, das ist ein Riesenfortschritt. Denken Sie einmal drei Jahre zurück: Damals hat jeder von der Elektromobilität geschwärmt, wenngleich niemand verraten hat, wann, wie und wo. Jetzt ist die Nachfrage wieder auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen. Ich gehe davon aus, dass der private Markt fast gesättigt ist.“

Auch dort, wo subventioniert wird?

„Das Thema wird verschwinden vor allem auch deshalb, weil jetzt Norwegen als das gelobte Land der E-Autos die immensen Förderungen, die es hier gab, einstellt. Frau Merkel redet von einer Million bis 2020; in Wirklichkeit werden es nicht einmal 100.000 sein. Damit man sich nicht all zu sehr blamiert, sollen nun auch die Hybride mitgezählt werden. Das wird aber auch nicht reichen. Vielleicht braucht man dann auch noch die E-Fahrräder.“

Einige Redner haben den Plug-In-Hybrid als passable technische Lösung gewürdigt.

„Die Hersteller brauchen diese Technologie bei den großen Autos, weil die Flottenverbräuche sonst zu hoch sind. Aber der Plug-In-Hybrid, genau wie das Elektroauto, ist ein Betrug an der Umwelt ist – weil der Strom nicht einbezogen wird. In dem Moment, in dem sich diese Autos am Stromnetz bedienen, blasen die Kraftwerke den Schmutz in die Luft, und zwar ungleich mehr als moderne Verbrennungsmotoren. Das erste, was in China bei schmutziger Luft passieren müsste, wäre ein Fahrverbot für Elektroautos.“

Erwarten Sie staatliche Absetzbewegungen von der E-Mobilität?

„Letztlich ist das alles eine Frage des Geldes, und irgendwann werden die Regierungen klug. In den USA wurde der Hybrid auch einmal subventioniert, nach 60.000 Fahrzeugen war dann Schluss. Ähnliches passiert gerade in Norwegen und man kann sehr gespannt sein, wie dort der Markt reagieren wird. Eine Technologie muss sich aus sich heraus rechnen. Man kann sie vielleicht am Anfang fördern, wenn sie wirklich sinnvoll ist, aber eine Dauersubventionierung kann sich keiner leisten.“

Was prognostizieren Sie Tesla?

„Ich gehe davon aus, dass dieses Projekt einmal scheitert, weil die Firma ja jedes Jahr riesige Verluste macht und auch dieser Markt nicht beliebig groß ist. Elon Musk ist natürlich ein hervorragender Manager und vielleicht der beste PR-Mann der Welt.“

Damit hat er im vergangenen Jahr etwa 30.000 Autos verkauft.

„Ja, aber sehr viele davon im spezifischen Markt Kalifornien, und natürlich in Norwegen, wo er – noch mit Förderung – so viel kostete wie ein Golf. Trotzdem hat man bei den Elektroautos nicht bedacht, dass sie nach sechs bis sieben Jahren nichts oder nur mehr wenig wert sind. Die Batterien verlieren permanent an Leistung, und irgendwann übersteigt der Preis einer neuen Batterie den Zeitwert. Das Thema wird bis heute nicht berücksichtigt, die Kunden werden sich wundern.“

Welche Entwicklungen beobachten Sie beim Verbrenner?

„Die Entwicklungen sind phantastisch, beispielsweise der Dreizylinder mit Zylinderabschaltung, den Ford vorgestellt hat; das wird funktionieren. Es wird überall geschraubt, entwickelt und geforscht; man holt Ansätze aus der Schublade, die längst bekannt sind und sich heute lohnen, weil sie vielleicht noch ein Prozent an Einsparung bringen. Wir fahren heute mit Dreieinhalb-Liter-Autos schon sehr kommod und es wird noch weniger werden.“

Große Zukunft für „Mild-Hybride“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

69 Kommentare zu "Interview mit Fritz Indra: „Tesla wird scheitern“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hr. Indra scheint noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Noch mehr: div. Behauptungen sind schlichtweg unwahr - zum Beispiel:

    • "…die Nachfrage wieder auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen": tatsächlich werden Monat für Monat neue Zulassungsrekorde von Elektrofahrzeugen gebrochen, zum Glück auch in Deutschland: http://t.co/RyKDMHVYxj

    • "…weil jetzt Norwegen als das gelobte Land der E-Autos die immensen Förderungen, die es hier gab, einstellt". Wahr ist vielmehr, dass es von Beginn an fixiert war, die Förderungen zu reduzieren, wenn sich Elektrofahrzeuge durchzusetzen beginnen. Und tatsächlich ist jeder 4. Neuwagen in Norwegen bereits ein Elektrofahrzeug. Der tipping point ist erreicht, eine neue Technik hat sich durchgesetzt, die Förderungen werden in den kommenden Jahren reduziert - das Konzept ist aufgegangen!

    Apropos Förderungen: tatsächlich wird seit Jahrzehnten Erdölförderung und -verarbeitung jährlich mit 1000enden von Milliarden Euro subventioniert, obwohl schon lange bekannt ist, welche katastrophale Umweltschäden dies ausgelöst: http://t.co/FYdvQVmym2

    Zusätzlich wird nach wie vor der Dieselkraftstoff in vielen (aber nicht allen) Ländern steuerlich entlastet (sprich gefördert), obwohl dessen Abgase schwer gesundheitsschädlich sind (laut WHO als krebserregend eingestuft).

    Auch die Behauptung des Akku-Todes (das sind keine Batterien, Hr. Indra!) nach 6-7 Jahren ist üble Propaganda - die aktuellen Erfahrungen lassen Kilometerleistungen von 300.000-1.000.000km erwarten ;-) … usw.…

    … sehr schändlich, Hr. Indra!

  • Zitat: "Gleichzeitig glaube ich, eine Koexistenz von Benzin, Hybrid und Elektro möglich ist"

    Sie wird möglich sein müssen, weil ein derart einschneidender technischer Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektromotoer nicht in wenigen Jahren möglich ist. Es gibt aber Enwicklungen, die sind so drastisch abgelaufen, dass damit nicht zu rechnen war. Wer hätte z.B. vor 20 Jahren gedacht, dass man heute selbst in gut sortierten Fotogeschäften keinen Diafilm mehr kaufen kann?

    Bei der Entwicklung und Akzeptanz des E-Cars ist es halt gerade spannend, weil in diesem Jahrzehnt erstmals mehrere Punkte gleichzeitig massiv für die Elektormobilität sprechen. Die Akku-Technik ist so weit, dass die erzielten Reichweiten für mindestens die Hälfte aller Autobesitzer völlig ausreichend ist und wir haben heute durch den (weltweiten) Ausbau der Erneuerbaren Energien (insbesondere Wind und Solar) ein stark wechselndes Angebot an Strom, das sich stark schwankenden (Börsen-)Preisen zeigt.

    An dieser Stelle kommt der E-Mobilist mit seinem 60 oder 70 kWh - Akku und sagt heute: Ihr habt Strom "zu verschenken"? Bitte sehr - hier ist mein Tank - einmal vollmachen, bitte! Zwei Tage später fragt er: Ihr braucht Strom? Bitte sehr - hier mein Tank - 30 kWh dürft ihr abzweigen - macht 3 €!

  • Mich wundert, dass gefühlt mehr als die Hälfte hier nicht fähig sind, andere Meinungen als die eigene wertschätzend zur Kenntnis zu nehmen. Als ob Beschimpfungen und Beleidigungen die Richtigkeit des eigenen Standpunktes untermauern würden!
    Ich persönlich - und man möge mir eine Meinung zugestehen und mich nicht dafür beschimpfen, sei sie auch kritikwürdig - halte die Aussagen Indras für kompetent und fundiert. Nicht nur der Anstand würde es mir (als 41jährigen) verbieten, ihn als alten Deppen abzustempeln. Gleichzeitig glaube ich, eine Koexistenz von Benzin, Hybrid und Elektro möglich ist (wenn teilweise auch unter gegenseitiger Beschimpfung). Ich persönlich würde gern Elektro fahren, weil mich der Antrieb fasziniert (leise, stark, simpel im Aufbau, geringe Wartungskosten, weniger Steuer, kaum Betriebskosten). Ich kann mir vorstellen, beim Tesla Model 3 für 35.000 € zuzuschlagen, obwohl ich normalerweise 15.000-€-Gebraucht-Autos fahre. Warum? Weil es mir gefällt! Ich wähle mein Auto nicht, weil es am billigsten ist (das wäre ein 10jähriger Golf TDI) oder weil ich damit ein paar Gramm CO² spare. Das interessiert mich nur am Rande.
    Danke, dass ich diese Meinung haben darf ;-)

  • Wenn ein Fleischesser gefragt wird was er von vegetarischer Ernährung hält, kommt auch nur eine Fleischerantwort raus.
    Ich denke in seiner Zeit war er ein wertvoller Zeitgeist.
    MFG.

  • Dass sich Prof. Indra mit seiner präpotenten Oberflächlichkeit in Realitätsverzerrung bis zur Lächerlichkeit selbst übertrifft ist nichts neues. Was mich wundert ist, dass sich AVL List mit einem solchen emotionalen Humbug in Verbindung setzen läßt. Soviel ich weiß bieten die ja neben Verbrennungsmotoren auch Engineering für Elektroautos an.

  • Ob sich Wasserstoff mit Brennstoffzellen oder Methan aus Windenergie oder Elektroautos mit erneuerbarem Strommix durchsetzen, wird sich zeigen. Fakt ist, dass es heute schon alle wichtigen Hersteller mit einem Elektroauto versuchen.
    Wichtig ist aber auch die Stromversorgung der Haushalte. Heute las ich, dass Daimler Stromspeicher anbieten will. (!!!)
    Es gibt Argumente, die schweren Akkus erstmal in Häusern zu installieren und erst in ein paar Jahren in Autos.
    Übrigens kann man auch Autos kaufen, die weniger als 5 l verbrauchen. Ich brauche 4,4 l (über 40000 km). Der Hersteller gibt 3,2 l an. Das bedeutet aber auch Autobahnfahren mit nie mehr als 100 km/h. Wenn man sich mal an das Langsamfahren gewöhnt hat, ist es sogar schön.
    Das Laden heißt bei Tesla-Fahrern übrigens Ladeweile. Und auch daran kann man sich gewöhnen!

  • Es gäbe natürlich sehr viel zu schreiben, um diesen lustigen und weltfremden Artikel zu wiederlegen, nur was soll das bringen. Der Verfasser hat sein Geld aus der Verbrennerindustrie bekommen, dass Handelsblatt ihre geschalteten Anzeigen, Ziel erreicht. Was den Inhalt betrifft, so kann man gelassen die nächsten Monate abwarten und sich auf weitere tolle Elektroautos freuen, die allerdings dann wie z.B. der bezahlbare und nun schon alltagstaugliche Kia Soul Ev, nicht mehr aus Deutschland kommen. Und spätestens dann, wenn die deutschen Autobauer den Vorsprung der anderen Hersteller nicht mehr einholen können, wird deutlich, wie falsch diese alte Denke war. Schon schade, denn Deutschland hätte in diesem Bereich tolle Produkte anbieten können, hat es aber verpasst.

  • Tesla wird nicht scheitern, sondern anders werden. Ein normaler Geschäftsvorgang, nichts weiter.

    Herr Daimler hat zunächst im Jahr 1883 auch nur die Idee eines kleinen Verbrennungsmotors umgesetzt. Der Einzylindermotor wog nur 60 Kilo, und war damit erstmalig auch geeignet durch die Verkleinerung des Benzinantrieb für einen ortsUNgebundenen Einsatz.

    Klartext für Gegner der Elektromobilität: Herr Daimler hat damals zunächst KEINEN AMG Mercedes konstruiert, der mit 700 PS bei jedem Formel1 Rennen hätte mitfahren können. Es gab auch kein DSG, ESP, ABS und sonstwas.
    Die Entwicklung hat über hundert Jahre gebraucht, um da zu sein, wo das heutige fahrzeug mit Verbrenner steht.

    Zurück zur Elektromobilität.....

    ......die ist in Deutschland schlicht politisch nicht gewollt. (Punkt)

    Anders ist nicht zu erklären, warum die bereits vorhandene und hervoragende Technik nicht genutzt, oder ausgebaut wird.

    Beispielsweise: Karrosserie + Kugelmotor (RangeExtender/Generator) + Kondensator (E-Speicher) + Induktionsladung, und fertig. Alle Techniken sind vorhanden!

    Es fehlen nur derzeit die PowerGrids in den Strassen. Die lassen sich aber mit relativ wenig Aufwand in die Strassen verlegen.

    Das Problem bei der Sache ist, wird das umgesetzt, gehen einige hunderttausende von Arbeitsplätzen zunächst in und um die Autoindustrie baden.

    Warum? Das Elektrofahrzeug würde deutlich mehr Leistung, bei weniger Aufwand, Teile und Wartung haben.

    Natürlich funktionieren Fahrzeuge wie beispielsweise ein TeslaS ganz hervorrragend.
    Aber man muss sich schon fragen, ob es sinnvoll ist, ein Fahrzeug mit über 6700 (!) einzelnen Akkus auszustatten, um das Gewicht dann dauerhaft im Fahrzeug mitzuschleppen.
    Auch der Austausch einzelner defekter Zellen ist durchaus problematisch.

    Für alle die nicht nur gegen Elektroautos stänkern wollen, hier mal ein paar Begriffe zum googlen:
    Kugelmotor als RangeExtender, Unterflurfahrzeug, Kondensator als Pufferspeicher (wird in Bussen bereits eingesetzt), RoadGrid

  • ???
    Das hab ich so weder geschrieben, noch habe ich das so gemeint.

    Ein Verbrenner ist aber vom Wirkungsgrad nicht effizient und deutlich wartungsintensiver als der elektrische Pedant, oder wollen Sie das bestreiten?

    Und wenn Sie schon zwei Fahrzeuge aus München nennen. Ich bin der Meinung das die Münchner mit dem i8 und i3 schon mal schrittweise in die richtige Richtung gehen. Wobei ich den i3 persönlich als sehr unschön im Design empfinde. das ist aber Geschmackssache.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%