Jaguar F-Type S
Ganz großes Kino

Sportwagen gelten als klassisches Männerspielzeug. Der Jaguar F-Type hat zwar keine Geschlechter-Vorlieben, die Sache mit dem Spielzeug nimmt er aber sehr ernst. Nutzwert bietet der flotte Brite so gut wie keinen.
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Sportwagen sind die Entertainer auf dem Pkw-Markt. Der Jaguar F-Type zeigt exemplarisch, wie man den Kunden herumkriegt: mit der ganz großen Show vom Ein- bis zum Aussteigen. Da stört es auch nicht, dass das Auto nicht ganz perfekt ist.

Der erste Akt der großen Raubkatzen-Matinee beginnt schon beim Blick auf die Karosserie des 280 kW/380 PS starken Roadsters. Zugegeben: Design ist Geschmackssache. Aber zum Auftritt des geduckten Zweisitzers mit der langen Motorhaube und dem kurzen Heck dürfte es keine zwei Meinungen geben: er ist einfach schön, eine nahezu perfekte Mischung aus klassisch und modern.

Klar, hinreißende Sportwagenlinien fließen auch mäßig begabten Stylisten einigermaßen schnittig aus der Feder, vor allem wenn man kaum Zugeständnisse an Profanitäten wie etwa den Gepäckraum machen muss.

Und das war beim F-Type offensichtlich der Fall: den niedrigen Kofferraum (196 Liter) können nur Extrem-Flachpacker oder FKK-Urlauber überhaupt als ernstzunehmendes Gepäckfach für den Kurztrip nutzen – alle anderen lassen Sack und Pack besser per Post an den Zielort schicken, denn auch innen ist Stauraum knapp.

Der Fokus liegt halt auf berauschender Form statt auf Funktion. Dass es da aber auch einen besser funktionierenden Kompromiss geben kann, zeigen die direkten Konkurrenten Porsche Boxster (280 Liter) und BMW Z4 (180 – 310 Liter).

Akt zwei des Entertainment-Programms: das Einsteigen. Die Show beginnt, sobald die plan in die Türbleche eingelassenen Griffe ausfahren und sich den Fingern des Fahrers darbieten. Der nimmt das Angebot an, sinkt kurze Zeit später in die kurz über Bodenhöhe montierten Sportsitze und blickt zuerst auf den rot pulsierenden Startknopf.

Derartige Spielereien – zu denen auch die erst bei Bedarf ausfahrenden Lüfterdüsen über der Mittelkonsole zählen – kennt man auch aus anderen Jaguar-Modellen, wo sie sich mit der Zeit etwas abnutzen. Gut, dass der F-Type nicht nur Schau- sondern auch Hörwerte liefert: Denn beim Anlassen dreht der 3,0-Liter-Kompressor-V6 so majestätisch hoch, dass die Armhärchen in Habacht-Stellung gehen, um bei der abschließenden Fehlzündungs-Fanfare in wilden Tanz auszubrechen.

Bislang war alles Kür. In Akt drei kommt die Pflicht: das Fahren. Und das wird untermalt vom Soundtrack des Sechszylinders, der hier ein komplettes Orchester gibt – vor allem bei geöffneten Klappen der Abgasanlage. Vom heiseren Sägen unter Volllast über das Bollern und Gurgeln bei der Gaswegnahme bis zu den Zwischengasstößen – wenn man gerade nicht gebannt lauscht, fragt man sich, warum zur Hölle man sich bloß den alternativ angebotenen Achtzylinder kaufen sollte.

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