Jaguar
Sofort wiedererkannt

Chronoswiss-Chef Gerd-Rüdiger Lang testet den Jaguar Daimler. Und der erste Blick auf den Jaguar behagt ihm.Doch Lang ist auch ein kritischer Geist. Die Armaturen lösen auch nicht das Wohlgefallen des Uhrmachers aus.

HB MÜNCHEN. Vor fast 40 Jahren, da war die Welt für Gerd-Rüdiger Lang in Ordnung. „Eintracht Braunschweig wurde 1967 Deutscher Fußballmeister“, so kramt der Chef der Uhrenmarke Chronoswiss erfreut in Erinnerungen. Und die lassen ihn nicht im Stich. „Ich kann noch alle Spieler der Meisterelf mit Namen aufzählen“, sagt er mit leiser, fast sanfter Stimme. Der Mann stammt aus der niedersächsischen Stadt.

Mittlerweile hat es ihn aber nach Bayern verschlagen. Vor seinem Firmensitz in einem Gewerbegebiet im Münchener Norden wartet ein Jaguar Daimler zur Testfahrt auf Lang. Daimler ist die Bezeichnung für die jeweilige Top-Motorisierung und Ausstattung bei Jaguar. Der Name wanderte schon vor langem auf die britische Insel (siehe unten).

Der Sprung von der Welt des Braunschweigisch-Bodenständigen in die des Luxus indes bereitet Lang keine Probleme. Der erste Blick auf den Jaguar behagt ihm. „Am Design wird er auch noch lange Jahre als Jaguar erkennbar bleiben“, lobt der Uhren-Mann, der selbst eine stattliche Sammlung von Jaguar-Oldtimern besitzt.

Doch Lang ist auch ein kritischer Geist. Als er im Wagen Platz genommen hat, fällt sein Blick auf das Interieur. „Mehr Holz hätte ich mir gewünscht, mehr Extravaganz“, sagt er.

Denn im Cockpit ist nicht alles Wurzelholz, was glänzt. Gehobene Kunststoff-Kultur hat sich im Flaggschiff von Jaguar breit gemacht.

Die Armaturen lösen auch nicht das Wohlgefallen des Uhrmachers aus. „Die Bedruckung des Tachometers könnte individueller ausfallen“, sagt er.

Als Lang den Achtzylindermotor startet, schnurrt der sofort leise vor sich hin. Aber eben hörbar. Leicht wehmütig denkt unser Tester an seinen alten XJ12, der zu Hause in seiner Garage steht. „Das ist ein Zwölfzylinder. Beim Anlassen hört man keinen Ton von der Maschine“, sagt er schmunzelnd.

Lang steuert den Daimler in Richtung Dachau, das auch die Stadt Ludwig Thomas ist, des bayerischen Heimatliteraten und Rechtsanwalts. Dort hat der lange Jahre seines Lebens verbracht. Die Dachauer danken es ihm noch heute mit Straßennamen und Plätzen, die nach ihm benannt sind.

Auch das schöne Dachauer Hinterland, durch das wir fahren, hat seine Reize. „In früheren Zeiten war die Gegend hier von Malern bevölkert“, erzählt Lang.

Die Fahrkultur des Daimlers lässt auf Landstraßen nichts zu wünschen übrig. Souverän nimmt er jede Kurve, und sein 395 PS starker Motor nimmt gern das Gas an, wenn es einmal benötigt wird. „Man kann mit dem Auto getrost die Ehefrau zum Einkaufen schicken“, witzelt Lang.

Dann steuern wir im Hinterland ein Gehöft an. Lang zeigt von weitem schon mit dem Finger in die Richtung und erzählt: „Hier steht das Pferd meiner Tochter. Dem bringe ich zweimal die Woche altes Brot vorbei.“

Das ist rund 20 Kilometer von seinem Wohnsitz entfernt. Eine Distanz, die der Sportsmann Lang nur mit dem Rennrad zurücklegt. „Auf dem Rad kommen mir die besten Ideen für die Entwicklung neuer Uhren“, sagt er. Bis zu seinem 55. Lebensjahr spielte er sogar noch aktiv Fußball.

Ende der 70er-Jahre musste der Sportler extrem flexibel sein. Seinen Job beim Edeluhr-Unternehmen Tag Heuer verlor er, weil die japanische Konkurrenz den Europäern mit Quarzuhren fast den Garaus machte. Er beschloss durchzuhalten und setzte weiter auf die „ungenaue“ mechanische Uhr.

Fast als Einziger in der Branche. Mit der Marke Chronoswiss machte er sich schließlich selbstständig.

Seine Hartnäckigkeit wurde belohnt. Seit Beginn der neunziger Jahre erleben hochwertige, mechanische Uhren ein phänomenales Comeback. „Wenn ich über die Basler Uhrenmesse gehe, merke ich, dass heute eine ganze Industrie von der mechanischen Uhr leben kann“, sagt Lang.

Eine Entwicklung, die rational nicht nachvollziehbar ist, sagt Lang und erklärt: „Jeder Mensch bekommt doch heute eine Quarzuhr viel preiswerter, und die geht auch noch viel genauer.“

Aber das Besondere hat immer seinen Markt. Das gilt auch für unseren Testwagen. Mit seinem Preis von fast 120 000 Euro schlägt er mehr als ein Loch in die Portokasse eines potenziellen Käufers.

Eine Investition, die sich lohnen könnte? „Das Auto fährt ruhig und gediegen, es holt den Fahrer runter von seinem täglichen Stress“, sagt Lang, als wir einen Abstecher auf die Autobahn nach Stuttgart machen. Auch sportliches Fahren ist mit dem Daimler kein Problem. „Gasgeben gefällt dem Motor“, sagt Lang. Doch unser Tester nimmt die nächste Abfahrt und steuert Richtung München Nord.

Wieder vor der Firmenzentrale angekommen, steigt Lang aus und vermisst noch einmal die Linie des Daimlers mit dem kritischem Auge des Uhrmachers. „Distinguiert, das passt sehr gut“, sagt er.

Na, wenn das kein versöhnlicher Abschluss ist.

Der Fahrer

NAME: Gerd-Rüdiger Lang

FUNKTION: Inhaber der Uhrenmanufaktur Chronoswiss

ALTER: 63 Jahre

ERSTES AUTO: Fiat 500

AKTUELLES AUTO: VW Passat Kombi, Porsche 911

TRAUMAUTO: Jaguar-Oldtimer

HOBBYS: Rennradfahren

FAHRSTIL: Umsichtig



Das Auto

MODELL: Jaguar Daimler



MOTOR: V8-Kompressor, 4192 ccm, 291 Kw (395 PS)

MASSE: Länge 5,22 m, Breite 1,86 m, Höhe 1,45 m

HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT:

250

DREHMOMENT: 541 Nm bei 3500 U/min

LEERGEWICHT: 1665 kg

VERBRAUCH :12,5 Liter

GRUNDPREIS: 117 500 Euro

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