Jaguar XJ 3.0 AWD
Auf allen Vieren im Schnee

Im Segment der Premium-Limousinen entscheiden sich immer mehr Kunden für Allradantrieb. BMW hat den xDrive, Audi den quattro und Mercedes die 4Matic. Und Jaguar bald sein Flaggschiff XJ mit AWD. Erste Fahreindrücke.
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Montréal / KanadaJaguar-Verkäufer konnten bislang Anfragen nach Allrad-Antrieb nur mit einem "We are sorry" beantworten, - oder auf die hauseigenen Marken Land Rover und Range Rover verweisen. Doch das ist Geschichte. Ab Februar 2013 aber bieten auch die Briten für ihre Modelle XF und XJ ein 4x4-System an. Entwickelt wurde es zusammen mit den Experten der Konzernschwester Land Rover. Für den Allrad-XF verlangt Jaguar 57.000 Euro, 3.000 Euro mehr als für die Standardversion. 4.760 Euro müssen für das voll variable AWD-System (All Wheel Drive) beim Flaggschiff XJ bezahlt werden, der damit 91.600 Euro kostet.

Zwar erweitert die britische Traditionsmarke, seit 2008 im Besitz des indischen Tata-Konzerns, damit ihr Produktportfolio deutlich. Deutsche Kunden stehen dabei jedoch eher weniger im Fokus. Denn sowohl beim XF als auch beim XJ arbeitet der Allradantrieb ausschließlich in Verbindung mit dem neu entwickelten V6-Kompressor-Benziner, der demnächst auch im zweisitzigen Roadster F-Type zum sportlichen Einsatz kommt. Europa aber ist Dieselmarkt.

Und in der Heimat England wird die Allradversion erst gar nicht angeboten. Ganz anders sieht die Situation in den USA aus. Hier nimmt zum einen die Nachfrage nach großvolumigen Motoren ab, zum anderen wächst in den sogenannten "Snow States" der Wunsch nach einem sicheren 4x4-Antrieb. "Der Allradanteil liegt mittlerweile bei über 80 Prozent, selbst in den restlichen US-Staaten beträgt er 20 Prozent", sagt James Towle vom Jaguar Produkt-Marketing. XF und XJ sind damit perfekt auf die USA und auch Kanada zugeschnitten.

Der Grund für die Kombination 4x4 und V6-Benziner war aber nicht nur eine Entscheidung des Vertriebs. Auch technisch ließ sich der Diesel mit dem Allradantrieb nicht verbinden, zumindest nicht ohne erheblichen Umbau im Vorderwagen. Der neue 250 kW/340 PS starke Kompressor-Benziner jedoch wurde von Beginn an auf AWD ausgelegt.

"Die rechte vordere Antriebswelle verläuft hier durch eine Art Tunnel in der Ölwanne", sagt Entwicklungs-Ingenieur Simon Barnes. Erst mit der nächsten XF- und XJ-Generation ab 2016 plant Jaguar, den Allradantrieb auch mit dem V6-Diesel zu kombinieren.

Dass vier angetriebene Räder besonders auf schneebedeckten Straßen für deutlich mehr Grip sorgen als zwei – und damit auch für mehr Sicherheit – dürfte jedem klar sein, der sich schon einmal mit durchdrehenden Rädern an einer grünen Ampel abgemüht hat.

Eine erste Testfahrt auf den winterlichen Straßen nördlich von Montréal zeigte erneut, wie eklatant der Unterschied zwischen Standard- und Allradantrieb sein kann. Selbst ein Stopp an einer glatten Steigung, an der normalerweise das Auto hilflos zurückrutschen würde, bereitete dem 4x4-XJ keinerlei Probleme. Gas geben genügt und wie eine Bergziege klettert die Limousine mühelos den Hang hinauf. Wird die Taste Winter-Modus auf der Mittelkonsole gedrückt, wählt das System eine Kraftverteilung von 30:70 vorne zu hinten fest vor.

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Guter Antritt, hohe Laufruhe, großer Durst

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