Jaguar XJ
Eher Bär als Bulle

Vielleicht sollte ein Besitzer der Hunderter-Bahn-Card keine Limousinen testen. Anja Kohl hat sich trotzdem in den Jaguar XJ gesetzt und den 207 PS-Wagen auf den Zahn gefühlt. Die Analyse der ARD-Börsenkommentatorin: Ein Auto für Bankdirektoren – nicht für Broker.

Bei so einem Auto macht es wenig Sinn, die Motorhaube zu öffnen. Selbst nach dem Öl schaut man bei solchen Fahrzeugen nicht selbst. Man muss schauen lassen. Ich dagegen mache das regelmäßig. Geht nicht anders. Ich fahre nämlich einen Volkswagen Polo, Baujahr 93. Also etwas ganz anderes als mein Testfahrzeug. Vor zwei Jahren habe ich das Gefährt einem Freund abgekauft. Autos als Statussymbole sind mir völlig fremd. Ich finde das nicht mehr zeitgemäß. Diesen Sinneswandel beobachte ich auch in meinem Bekanntenkreis: Einer meiner Freunde fuhr früher nur teure, sportliche Autos, Porsche oder BMW. Der sagt jetzt auch: Ich brauche das nicht mehr. Ich möchte kein Auto mit einem Riesenverbrauch fahren. Mein Polo schluckt sieben Liter Benzin. Klar könnte das weniger sein, dafür hat er auch nur 65 PS. Der Jaguar hier mit seinen 207 PS ist von der Motorleistung her ein Quantensprung für mich.

Die Ausstattung? Ist gar nicht so schlecht. Sitzverstellung? Alles elektronisch. Es gibt Hebel und Knöpfe für Lüftung, Fenster, Lehne. Und ein Automatikgetriebe: Wie war das noch mal? „D“ oder „N“? In Amerika, während meines Studienaufenthalts in Baltimore, hatte ich einen alten Ford Granada mit roten Ledersitzen, selbstverständlich mit Automatik. Das fand ich ziemlich angenehm. Zugegeben, wenig geschluckt hat der nicht. Es war ein Traumauto, das ich mir gegönnt habe! Einmal im Leben...

Der Jaguar nimmt mir jetzt die ganze Arbeit ab, lässt mich durch die Stadt gleiten und warnt mich sofort - ,piep, piep, piep’ –, wenn ich einem Poller zu nahe komme. Also einschlafen kann man da nicht. Mit seiner Servolenkung lässt er sich fast wie von selbst durch den Verkehr dirigieren. Ich hätte allerdings gedacht, dass der Innenraum größer wäre. Durch den gewaltigen Tunnel in der Mitte wirkt der Wagen erstaunlich eng. Ich bin 1,75 Meter groß, richtig viel Platz habe ich trotzdem nicht.“

Anja Kohl wollte den Jaguar testen, weil der Hersteller nicht direkt an der Börse notiert ist, nur über die Konzernmutter Ford. Die Journalistin ist eben auf ihre Unabhängigkeit bedacht – schließlich berichtet sie seit Herbst 2001 in der ARD für Morgen- und Mittagsmagazin, „Börse im Ersten“ und Tagesthemen vom Frankfurter Parkett. Als „Kind der New Economy“ hatte es die Germanistin 1998 nach einem Casting unverhofft zu Bloomberg TV nach London verschlagen. Ein Jahr später wechselte sie als Chefin vom Dienst zum Nachrichtensender N-TV. Und kam nach einer Zwischenstation in der Wiso-Redaktion des ZDF zum Hessischen Rundfunk. Die Börse bezeichnet Kohl gerne als „psychologischen Ort“, an dem die unterschiedlichsten Typen und menschlichen Leidenschaften zusammentreffen.

„Klar gibt es Börsianer, die ihr Auto als Prestigeobjekt betrachten. Vielleicht haben manche zu oft Gordon Gecko alias Michael Douglas in ,Wall Street’ zugeschaut? Aber das sind nur wenige. Die Makler arbeiten unter einem enorm hohen Druck. Die haben meine ganze Hochachtung. Jeder muss selbst wissen, welche Prioritäten er setzt. Es gibt halt Menschen, die ,belohnen’ sich mit einem großen Wagen oder legen aus anderen Gründen wert auf ein bestimmtes Auto.

Seite 1:

Eher Bär als Bulle

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%