Test + Technik

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Kia Optima im Handelsblatt Autotest: Aggressiv im Styling, schwach auf der Brust

Kia hat gleich mehrere Eisen im Feuer, um der Konkurrenz das Leben zu erschweren. Zu den unbekannteren zählt die große Limousine namens Optima. Ob der Passat-Konkurrent ein echter Geheimtipp bleibt, klärt der Fahrtest.

Das Design des Kia Optima hat mit dem seiner Vorgänger-Modelle wenig zu tun - und das ist gut so. Quelle: Sebastian Schaal
Das Design des Kia Optima hat mit dem seiner Vorgänger-Modelle wenig zu tun - und das ist gut so. Quelle: Sebastian Schaal

DüsseldorfDer Kia Optima tritt an als koreanischer Konkurrent etablierter Modelle wie VW Passat und Ford Mondeo an und hat es angesichts dieses Wettbewerbs von vorneherein schwer auf dem Markt. Doch sein Äußeres lässt die Scheu vor dem unbekannten Koreaner schnell verfliegen. Das liegt daran, dass mittlerweile ein ehemaliger Audi-Designer für die Linienführung bei Kia verantwortlich ist und damit problemlos den europäischen Geschmack trifft. Die Vorgänger des aktuellen Optima waren allesamt so bieder, dass sie kaum Begeisterung entfachen konnten. Bis vor wenigen Jahren hieß das Modell in Korea und China sogar noch „Lotze“, das klingt schon furchtbar. Doch jetzt ist alles gut, der erste optische Eindruck von außen, eigenständig, gelungen, - und sogar ein bisschen sportlich-aggressiv.

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Das Test-Fahrtenbuch

  • Fahrtenbuch 1

    Nach dem Einsteigen fühlt man sich auf Anhieb wohl, der Sitz ist bequem, die Ellenbogen lassen sich auf gepolsterten Flächen ablegen.

  • Zweiter Eintrag

    Das Lenkrad ist überfrachtet mit Knöpfen, die teilweise nicht gut zu erreichen sind.

  • Dritter Eintrag

    Das Innere macht sonst einen überzeugenden Eindruck, schicke Doppelnähte und gut verarbeitete Materialen fallen positiv auf.

  • Vierter Eintrag

    Beim Anfahren enttäuscht der Diesel-Antrieb. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass zum zügigen Anfahren ein saftiger Tritt auf das Gaspedal nötig ist.

Die von Designer Peter Schreyer „Tigernase“ getaufte Optima Front mit dem Wabengrill (in der Top-Ausstattung) könnte man getrost auch einem Saab zuordnen, die Seitenführung mit diversen Falzen erinnert an BMWs Linienführung und die tief in den Kotflügel reichenden Rückleuchten an ein französisches Modell.

Der positive äußere Eindruck setzt sich innen fort. Im Fahrersitz fühle ich mich auf Anhieb wohl. Auch bei schneller Kurvenfahrt ist dessen Seitenhalt sehr gut. In dem mit Zusatzausstattung vollgepackten Testwagen ist der Sitz sogar belüftet. Da pustet dann ein kühler – geruchloser – Wind ums Gesäß. Nur der Rücken klebt bei höheren Außentemperaturen trotz Ventilation am Sitz fest.

Der Kia-Testwagen in Bildern Was am Optima fast perfekt ist - und was nicht

Das Design des Kia Optima ist in der Top-Ausstattungsvariante sportlich, was vor allem dem Wabengrill, den Felgen und den funktionslosen Kiemen zu verdanken ist.

Bild: Sebastian Schaal

Um dem Modell, dass in den USA von einem zum Styling passenden 260-PS-V6-Benziner angetrieben wird, in Europa leichter zum machen, hat die Hyundai-Tochter ihm ein Selbstzünder-Herz eingepflanzt. Doch der 136-PS-starke Diesel mit Automatikgetriebe ist gewöhnungsbedürftig. Zwar begnügt der Motor sich im Test mit etwa sieben Litern auf 100 Kilometern (laut Anbieter 6,0 Liter im EU-Mix, mit Schaltgetriebe 4,9 Liter). Doch der Wagen ist wenig durchzugsstark und man muss etwa beim Abbiegen von Stich- auf Hauptstraßen ordentlich das Pedal nach unten drücken, um sich mit Schwung in den Verkehr einzufädeln. Daran muss man sich erst mal gewöhnen, gut finden muss man es nicht.

Die Trägheit kann auch mit dem Automatikgetriebe zusammenhängen, das meistens etwas später hochschaltet, als man es als sparsamer Fahrer per Handschaltung tun würde. Manuelles, früheres Schalten ist aber immerhin möglich, ganz modern mit Paddles am Lenkrad oder klassisch per Schalthebel in der Mittelkonsole (je nach Ausstattung).

Die Handelsblatt-Autotests

Wer von diesem Kia nicht erwartet, in ein Kraftpaket einzusteigen, den werden die Antriebseigenschaften aber kaum stören und er kann die schönen Seiten des Wagens genießen. Das Lenkrad fasst sich gut an, die Zündung per Knopfdruck ist komfortabel und der Autoschlüssel muss eigentlich nie mehr aus der Hosentasche herausgeholt werden. Der linke Ellenbogen lässt sich beim Fahren auf einer gepolsterten Fläche in der Türkonsole ablegen, der rechte auf der gepolsterten Abdeckung eines üppigen Ablagefachs.

Das Panorama-Schiebedach macht Spaß, auch wenn die verschiedene Schaltpunkte sich anfangs nur mit etwas Mühe zu treffen sind. Das Dach engt allerdings die Kopffreiheit ein. Im Fond wird es bereits unter 1,80 Meter Körpergröße etwas knapp, vorne kann man schon mit 1,90 Meter nicht mehr ganz senkrecht sitzen – auch wenn man die Sitzfläche elektrisch ganz nach unten fährt.

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