Klima-Komfort
Ledersitze lassen Fahrer schwitzen

Forscher der Hohensteiner Institute haben den Klima-Komfort von Autositzen getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass teure Sitze mit hochwertigen Bezügen aus Leder im Sommer als zu heiß und in Winter als zu kalt empfunden werden.

hsn DÜSSELDORF. Urlaubszeit, Hitzewelle und Stau auf der Autobahn – trotz Klimaanlage kann's im Auto schnell unangenehm werden. Oft sind die Sitze das Problem, in denen sich Wärme und Feuchtigkeit stauen. Wissenschaftler der Hohensteiner Institute in Bönnigheim haben in einem Projekt, das von Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ (AiF) gefördert wurde, untersucht, wie unterschiedliche Sitzkonstruktionen und unterschiedliche Bezugstoffe auf den Menschen wirken.

Dabei hat sich gezeigt, dass teure Sitze mit hochwertigen Bezügen aus Leder nicht den besten Klima-Komfort bieten. „Im Sommer werden sie als zu heiß empfunden und im Winter als zu kalt“, sagt Forscher Volkmar T. Bartels, der für die Untersuchungen verantwortlich ist. Schuld an dem schlechten Ergebnis sind vor allem Beschichtungen, die das Leder vor unansehnlichen Flecken schützen sollen. „Die natürliche Klimaregelung des Leders wird dadurch blockiert“, sagt Bartels. Gerade bei extremen Temperaturen sei ein Textilbezug einem aus Leder klar überlegen, fasst der Forscher die Ergebnisse der jüngsten Studie zusammen.

Aber nicht nur das Obermaterial ist für die Klimaregulierung verantwortlich, auch der Unterbau und die Form des Sitzes: So sollten im Sitz feste textile Gewebe mit großem Luftvolumen und mit Absorbermaterialien zur Zwischenspeicherung von Feuchtigkeit eingearbeitet sein. Zudem fördern Strukturierungen an der Oberflächen der Sitze den Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch. Sportsitze, die den Körper des Fahrers eher umschließen, sind flachen Sitzen gegenüber im Nachteil, so das Ergebnis der Forscher.

Die Hohenheimer Institute widmen sich seit rund 25 Jahren der Erforschung des Komforts von Autositzen und beraten die Sitzhersteller und die Autobauer in gleicher Weise. Zur Bestimmung des klimatischen Komforts von Autositzen verwenden die Wissenschaftler zwei Messapparaturen. Um die Wärmeabgabe des menschlichen Körpers nachzustellen, wird beispielsweise ein Polsterprüfgerät, ein beheizter Aluminiumstempel in Form eines menschlichen Gesäßes, auf den Sitz gedrückt. Wärmeflusssensoren messen hier, wie gut die Wärmeisolation des Sitzes ist.

Um die Atmungsaktivität und Wasserdampfpufferung der Sitze zu ermitteln, arbeiten die Forscher mit Hilfe einem Thermoregulationsmodell der menschlichen Haut. Das ist eine beheizbare, poröse und in einen Klimaschrank integrierte Metallplatte, die kontrolliert Wasserdampf abgeben und so die Schweißbildung simulieren kann. Ein Feuchtefühler zwischen Messfläche und Prüfling ermittelt die Pufferwirkung des Sitzbezuges.

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