Kommunikationssystem im Auto soll Unfälle verhindern – Technik könnte 2008 marktreif sein
Autos warnen sich gegenseitig vor Gefahren

Internet im Auto? In Zukunft soll das Auto selbst zum Internet werden. „Internet auf Rädern“ heißt die Vision, an der Forscher des Fraunhofer-Institutes in Berlin arbeiten. Dabei geht es nicht um die persönliche Kommunikation des Fahrers mit seiner Onlinebank oder dem Schreiben von E-Mails. Ein spezielles Kommunikationssystem im Fahrzeug soll den Datenaustausch von Fahrzeug zu Fahrzeug ermöglichen. Vorrangiges Ziel: Erhöhung der aktiven Sicherheit im Straßenverkehr.

HB BERLIN. Der Name des Forschungsprojekts an dem Siemens, NEC sowie mehrere Fahrzeughersteller beteiligt sind heißt „Now“ – Network on Wheels. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2008 mit vier Millionen Euro unterstützt. Bereits 2007 soll das Projekt mit einer Flotte von Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller mit einem Kommunikationssystem an Bord demonstrieren, wie es funktioniert.

Das Projekt baut auf das ebenfalls von BMBF geförderte „Fleet-Net“-Projekt auf, das 2003 endete. Damals ging es darum, Fahrzeuge für den Austausch von Informationen spontan miteinander zu verbinden. „Bei ’Now’ sind die Anforderungen weitaus höher“, sagt Bernd Bochow, Projektleiter am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme Fokus in Berlin. Das neue Projekt soll das Netzwerk auf Rädern bis 2008 nicht nur marktreif machen. Erstmals sind auch alle führenden Autohersteller in Europa an einem solchen Vorhaben beteiligt. Audi, BMW, Daimler-Chrysler, Fiat, Renault und Volkswagen haben sich im „Car-2-Car Communication Consortium“ zusammengeschlossen, um einen gemeinsamen Übertragungsstandard für die Kommunikation festzulegen.

Wie die gezielte Weitergabe von Informationen funktioniert, zeigt das folgende Beispiel: Gerät ein Fahrzeug in eine kritische Situation, gibt es Warnmeldungen an alle Verkehrsteilnehmer im Umkreis der Gefahrenstelle weiter. Der nachfolgende Verkehr wird so rechtzeitig informiert und kann entsprechend reagieren.

Die Informationen werden per „Multi-Hopping“ weitergegeben, das ist ein Verfahren mit dem sich Daten auch über große Entfernungen übertragen lassen. Jedes Fahrzeug kann dabei in einem spontanen Informationsverbund die Rolle des Senders, Empfängers oder Vermittlers übernehmen. „Realisiert wird der Datenaustausch über Wireless-LAN im 5 Gigahertz-Bereich“, nennt Bochow die technischen Details.

Damit das „Multi-Hopping“ funktioniert muss zunächst ein weltweit einheitliches Funksystem entwickelt werden. Das ist eine der größten Herausforderungen des neuen Projekts. Der Grund: Die Übertragung muss 100 Prozent sicher, zuverlässig und sehr schnell funktionieren. Das Thema Datensicherheit ist deshalb eines der Schwerpunkte des Forschungsprojektes.

Ein weiteres ist die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen. „Die Erfahrungen zeigen, dass Kunden nur ungern ein System kaufen, das sie vielleicht nie benötigen“, sagt Bochow. In Kombination mit einer Anbindung an das Internet – der Möglichkeit, Musik aus dem Netz zu laden, Stauinformationen von entgegenkommenden Fahrzeugen oder Informationen über den Straßenzustand von Baken am Straßenrand zu erhalten – sieht das schon anders aus

.

Solche Anwendungen sollen das Kommunikationssystem auch für die Nachrüstung schmackhaft machen und zur Finanzierung beitragen. Denn entscheidend für die Funktion der Car-to-Car-Kommunikation ist die Anzahl der ausgerüsteten Fahrzeuge. Selbst wenn die Autohersteller direkt alle Neufahrzeuge mit dem Warnsystem ausstatten würden, wären sechs Jahren später erst rund 15 Prozent aller Fahrzeuge kommunikationsfähig.

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