KTM X-Bow: Spielzeug für Puristen
Rennsport mit Stützrädern

Eigentlich baut KTM Motorräder für knallharte Puristen. Nun verlängert der X-Bow, als erster vierrädriger Renner der Österreicher, die Ausfahrt-Saison über den Sommer hinaus. Die 240 PS des 60 000 Euro teuren Spaßgeräts müssen nur 790 Kilo Gewicht bewegen, da kommt beim Fahrer schnell Freude auf.

Die Dämmerung legte einen flanellgrauen Mantel über die Schornsteinlandschaft bei Grevenbroich, dann plötzlich flammt ein rotes Licht auf, während im Heck der leicht modifizierte Audi-Turbomotor unter Volllast röhrt. "Das wird teuer", denkt der Fahrer noch, bevor sich der kalte Schweißfilm unterm Helm wieder legt. Rote Lampe, das heißt beim KTM X-Bow: "Schalten". Ganz wie bei Formel-1-Rennern signalisiert eine Leuchte im Display des Bordcomputers, dass der Gang ausgedreht ist. Und ähnliche Signalwirkung hat die orangefarbene Flunder auch auf den Betrachter.

Ältere Herren mit Gehstock und Einkaufstüte lachen überrascht, Fahrer entgegenkommender Autos lassen sekundenlang ihren Vordermann aus den Augen. Sogar ergraute Linienbusfahrer mit Hornbrille und fortgeschrittenem Bauchansatz, die auf ihrer Route schon alles gesehen haben und Vorkommnisse aller Art normalerweise mit Desinteresse quittieren, richten sich hinter dem Steuer auf und verdrehen den Kopf, um dem Gerät nachzuschauen. Heranwachsende Damen schielen verschämt aus dem Augenwinkel. "Ist das ein Quad?" fragt ein Monteur im Blaumann an der Tankstelle.

Ist es natürlich nicht. Der X-Bow, sprich: Crossbow, ist vielmehr das erste Auto aus dem Hause des österreichischen Motorradbauers KTM in Mattighofen. Der Hersteller hat den Anspruch, dass seine Straßenmaschinen ohne große Umbaumaßnahmen auch für den Einsatz auf der Rennstrecke taugen. Beim X-Bow hat der Hersteller deshalb nach dem Vorbild der Formel-Rennwagen ein straßenverkehrstaugliches Auto mit Carbon-Monocoque gebaut, die Karosserie hat Formel-3-Lieferant Dallara entwickelt. Anvisierte Zielgruppe: betuchte Kunden, die es als Alternative zu ihrem Wochenend-Porsche auch mal eine Spur härter mögen, aber nicht mehr aufs Motorrad umsteigen wollen.

Wobei hart wörtlich zu verstehen ist: Der X-Bow gibt jede noch so kleine Unebenheit unmittelbar ans Popometer weiter. Auch die Sitze haben daran ihren Anteil. Denn die Flächen aus Kunststoff dienen allein einem Zweck: dem mit einem Vierpunktgurt festgezurrten Körper des Fahrers Halt zu geben. Den hat er auch dringend nötig. Denn was der X-Bow in der Kurve mit seinem Piloten anstellt, kennen Alltags-Autofahrer allenfalls von der Achterbahn. 1,5 g mögliche Querbeschleunigung verspricht KTM, der Fahrer hängt also mit dem Anderthalbfachen des eigenen Gewichts in den Seilen und bekommt eine Ahnung davon, warum das Im-Kreis-Fahren von Hamilton und Co. tatsächlich als Sport bezeichnet wird.

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