Kunststoff-Produkte für den Straßenverkehr
Flexibles Verkehrszeichen richtet sich nach einem Unfall von alleine auf

Ein japanisches Unternehmen hat Verkehrsschilder entwickelt, die bis zu tausend Mal überfahren werden können, ohne dass sie einen Schaden nehmen. Das Geheimnis: Die Schilder bestehen aus dem elastischen Kunststoff Polyurethan, der unter anderem bei der Produktion von Matratzen und Schuhsohlen verwendet wird. Erste Bestellungen aus Deutschland liegen bereits vor.

ROERMOND. Glatteis. Trotz mäßiger Geschwindigkeit kommt das Auto in der Kurve ins Schleudern und brettert mitten über die Verkehrsinsel. Das Verkehrszeichen Nummer 222 – blauer Kreis mit weißen Pfeil, der nach rechts unten zeigt – bleibt auf der Strecke. Scheinbar zumindest. Denn nachdem der Fahrer seinen Wagen ein paar Meter weiter endlich bremsen konnte, richtet sich das Schild sofort von ganz allein wieder auf. Möglich macht das der elastische Kunststoff Polyurethan.

Bis zu tausend Mal können die flexiblen Schilder überfahren werden, ohne dass sie einen Schaden nehmen. Denn Polyurethan kann je nach Zusammensetzung der Bestandteile Isocyanat und des Alkohols hart und spröde oder weich und elastisch sein. Aus dem Kunststoff werden die unterschiedlichsten Dinge hergestellt: Matratzen, Schuhsohlen, Laufbahnen in Stadien oder Autositze. Und jetzt eben auch Verkehrsschilder.

Montiert werden die Schilder aus drei Rohren. Im inneren Teil verstärkt eine Feder die Rückstellkraft des Verkehrszeichens. Auf dem äußeren Rohr klebt die reflektierende Folie, damit das Schild auch im Dunkeln gut sichtbar ist. Ein zusätzliches Aluminiumrohr im Inneren dient als Halterung.

Entwickelt hat die Schilder ein japanisches Unternehmen namens Sekisui Jushi mit einer Zweigstelle im niederländischen Roermond. Von dort aus will das Unternehmen mit seiner Erfindung den deutschen Markt erobern. „Im Vergleich zu herkömmlichen Verkehrszeichen ist das Produkt eine erhebliche Verbesserung“, sagt Robert Schütz, Geschäftsführer von Schütz Baustoff und Generalimporteur der flexiblen Poller in Deutschland.

Einer der ersten Abnehmer der flexiblen Verkehrschilder im Land ist die Stadt Köln. Zwar sind sie in der Anschaffung mit rund 200 Euro teurer als die Metallvariante. Doch: „Wenn das Schild drei Mal umgefahren wurde, rechnet sich das schon“, sagt Kai Lachmann vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik der Stadt Köln. Denn wenn ein Schild repariert werden müsse, koste das etwa 100 Euro. Zehn Exemplare des flexiblen Verkehrszeichens 222 stehen an besonders prekären Stellen – Verkehrsinseln und Fahrbahnteilern.

Hersteller Sekisui Jushi entwickelt immer neue flexible Produkte für den Straßenverkehr: Nach dem Basismodell des flexiblen Pollers und dem ersten Schild, das sich nach einem Unfall selbst aufrichtet, werden momentan bewegliche rot-weiße Baken getestet. Diese kommen etwa an Autobahnbaustellen zum Einsatz. Sie sollen nach einer Testphase Anfang 2007 vermarktet werden.

Claudia Schumacher
Claudia Schumacher
Handelsblatt / Redakteur
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