Längst ist der 500er ein Sammlerobjekt
Kleines Liebesnest: Der Fiat 500 wird 50

„Er hat eine Kühlerhaube, die aussieht wie die Schnauze eines Teddybären“, meinte ein verliebter Schwärmer einmal über den Fiat 500. Die Scheinwerfer verglich er in seiner Verzückung gar mit den „Knopfaugen“ eines Kindes.

dpa ROM. Alles war klein und knubbelig am „Cinquecento“. Dass der kleine Fiat selbst bergab kaum auf 100 Stundenkilometer kam, störte niemanden. Dazu gab es ganz anders gelagerte Reize. „Viele Italiener haben im Fiat 500 zum ersten Mal ein Mädchen geküsst“, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi einmal. Am 4. Juli feiert der „Cinquecento“ seinen 50. Geburtstag - und pünktlich zum Ehrentag stellt Fiat einen Nachfolger vor.

Der „Fünfhunderter“, der bis 1976 insgesamt 3,8 Mill. Mal gebaut wurde, ist viel mehr als ein Stück Autogeschichte. Er war Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg Italiens - plötzlich war auch für Normalitaliener ein Auto erschwinglich. Nicht einmal drei Meter war die „scatoletta“ (das Schächtelchen) lang, gerade mal 1,30 Meter breit - da musste man einfach zusammenrücken und kam sich näher. Eine ganze Generationen von Italienern schaut noch heute fast wehmütig und voller Zartgefühl jedem „Cinquecento“ hinterher - in dem Autochen hat sie ihre ersten Liebesabenteuer erlebt. Manch einer fragt sich im Nachhinein, wie er das in der Enge geschafft hat.

Längst ist der 500er zum Sammlerobjekt, zum Kultgefährt geworden. Noch immer kurven schätzungsweise 600 000 Italiener mit dem Zweizylinder von anno dazumal durch die Gassen. Vor ein paar Jahren drohte ihnen in Rom und anderen Städten das Aus. Der Grund: mangelnde Sicherheit und Umweltverschmutzung. „Ade lieber 500, du stinkst zu sehr“, schrieb eine römische Zeitung weinerlich.

Ein alter Fiat 500 verschmutze die Luft so stark wie 300 moderne Kleinwagen zusammen, monierten Umweltschützer. Andere warnten, das bisschen Blech biete keinen Schutz, es gebe keine Knautschzone, von Sicherheitsgurten ganz zu schweigen. Aber als sich die Nostalgiker unter den Automobilisten zu Wehr setzten, hatten die Politiker ein Einsehen.

Also fahren sie noch, die kleinen Dinger - immer wieder bei der Carrozzeria (Werkstatt) penibel vom Rost befreit und liebevoll restauriert. Wer heute einen funktionierenden alten „Cinquecento“ haben will, muss mindestens 4 000 oder 5 000 Euro hinlegen, viel mehr als damals vor 50 Jahren.

Jetzt will Fiat den Mythos des „Cinquecento“ nutzen: Pünktlich zum 50. Geburtstag des Winzlings präsentieren die Autobauer ihre neue Version. Klein und fein ist auch sie, sogar ein bisschen knubbelig. 3,55 Meter lang und 1,65 Meter breit - auch in der neuen Version muss man zusammenrücken. Nur die inneren Werte sind etwas anders: Bis zu 100 PS hat der Neue - der erste „Cinquecento“ hatte gerade mal 13.

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