Leistungszuwachs aus dem Kleinanzeigenteil
Chip-Tuning kann Partikelfilter schaden

dpa/gms HANNOVER/SAARBRüCKEN. Chip-Tuning ist in der Regel eine recht günstige Möglichkeit, einem Auto zu merklich höherer Leistung zu verhelfen. Vergessen wird, dass Chip-Tuning nicht nur von wirklich seriösen Tunern angeboten wird.

Darüber hinaus sind gerade die Partikelfilter moderner Dieselmodelle nicht wirklich die geeigneten Objekte für eine grobschlächtige Art der Leistungssteigerung. Motor-Tuning war früher eine aufwendige Sache: Da wurden Motoren komplett zerlegt, Teile optimiert oder durch andere ersetzt. Statt mit Schraubendreher und Spezialwerkzeug wird heute vorwiegend mit dem Laptop hantiert. Die Leistung wird in der Regel nicht durch mechanische Eingriffe erhöht, sondern durch Anpassung der Daten in der Motorsteuerung.

Experten betrachten den Leistungszuwachs aus dem Kleinanzeigenteil jedoch skeptisch: Mit der Elektronik ist das Auto insgesamt eben auch viel komplexer geworden, alle Teile sind genau aufeinander abgestimmt. „Wir raten grundsätzlich dazu, die Finger von unseriösem Chip-Tuning zu lassen“, sagt Andrea Gärtner, Motor-Expertin im Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). „Es kommt dabei immer wieder zu Problemen.“

Eine der größten Schwierigkeiten ist laut Andrea Gärtner, dass die Leistungssteigerung bei den einfachen Eingriffen meist durch erhöhte Einspritzdrücke erreicht wird. Das bringt jedoch nicht nur eine Hand voll zusätzlicher PS mit sich, sondern auch erhöhte Temperaturen im Motor und dessen Umfeld. Auch ein eventuell vorhandener Turbolader kann durch die zusätzliche Arbeit schnell Schaden nehmen.

Chip-Tuning wird häufig bei Diesel-Fahrzeugen angewendet - und die sind bekanntlich zunehmend mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet. „Beim Chip-Tuning wird die Leistung oft dadurch geholt, dass gerade bei Volllast und mittleren Drehzahlen die Einspritzmenge erhöht wird“, erklärt Bert Korporal, Sachverständiger des TÜV Nord in Hannover. Das wiederum führt im Endeffekt zu mehr Rußpartikeln im Kraftstoff, die sich in den engen Kanälen des Partikelfilters ablagern. Schlimmstenfalls wird der Filter durch falsches Tuning zerstört.

Das allerdings bedeutet nicht, dass Leistungssteigerung und Rußpartikelfilter komplett unvereinbar sind. „Beide Dinge müssen nur wirklich zusammenpassen, aufeinander abgestimmt sein“, sagt Klaus Osterhaus vom Partikelfilter-Hersteller HJS in Menden (Nordrhein-Westfalen). „Man muss so etwas gemeinsam entwickeln.“ Das Unternehmen arbeitet bereits mit einem Anbieter von Chip-Tuning zusammen - weitere sollen folgen.

Bei wirklich stimmigen Kombinationen aus zusätzlicher Leistung und ungefährdetem Rußpartikelfilter sind die beliebten Mini-Preise für das Tuning kaum mehr machbar. „Das Tuning mit einem Partikelfilter ist nicht unmöglich, aber technisch aufwendiger“, meint Hans-Jörg Köninger, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Automobiltuner (Vdat) in Essen. Und damit eben im Endeffekt auch teurer. Um sicher zu sein, dass das angebotene Tuning die versprochene Leistung bringt und den Motor nicht beschädigt, sollten Interessenten sich außerdem versichern, dass es für das Tuning ein Gutachten gibt.

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