Liebhaberstücke
Im Namen des Sohnes: Der Dino von Ferrari

HB MARANELLO. Eigentlich trägt ein Auto den Namen seines Herstellers. Doch Ferrari hat in den sechziger Jahren eine Ausnahme gemacht: Der Wagen war zwar als Ferrari zu identifizieren, wurde aber nicht als solches gekennzeichnet und trug den Namen Dino.

Vorgestellt wurde das, was später als Dino auf die Straßen kommen sollte, erstmals im Jahr 1965 als Studie. Ein Prototyp Dino 206 GT folgte ein Jahr später. Bis zu diesem Zeitpunkt röhrten in einem echten Ferrari durchweg Motoren mit zwölf Zylindern. Der Dino dagegen hatte gerade einmal sechs Zylinder, außerdem kamen die zusammen auf nur zwei Liter Hubraum - zudem war der Motor mittig, fast direkt hinter den Sitzen, montiert.

Hinter der Bezeichnung Dino steht eine tragische Geschichte: Im Jahr 1932 kam der Sohn des Firmengründers Enzo Ferrari, Alfredo, zur Welt, der später den Spitznamen Dino trug. Schon in jungen Jahren beschäftigte sich Dino mit der Konstruktion von Renn- und Sportwagen. Ihm sollte jedoch nicht sehr viel Zeit bleiben, sein Talente umzusetzen - Dino Ferrari litt an Muskelschwund. Er starb bereits 1956 mit nur 24 Jahren an Nierenversagen.

Zehn Jahre nach dem Tod des Sohnes stand dann ein Auto mit dem Namen Dino vor der Serienfertigung. Der Dino 206 GT von Ferrari kam 1967 als offizielles Modell auf die Straßen. Wie schon an den Prototypen war an keiner Stelle des Autos ein offizieller Hinweis auf Ferrari zu erkennen. Aber der Dino war ein reinrassiger Sportwagen. Die Konstruktion mit dem mittig angebrachten Motor machte den Dino ausgesprochen wendig. Die anfangs 180 PS reichten durchaus für recht sportliche Fortbewegung mit bis zu gut 220 Stundenkilometern.

Damit verbunden waren aber auch die typischen Nachteile eines Autos mit Mittelmotor, der recht warm wird und vergleichsweise laut ist. Abgesehen davon gab es im Dino nichts, das die Bezeichnung Gepäckraum wirklich verdiente. Auch die Sicht nach hinten war eher schlecht.

Alles in allem existierte der Dino 206 nur zwei Jahre. Was allerdings nicht an seinen erwähnten Nachteilen lag. Vielmehr erschien im Jahr 1969 der Nachfolger 246 GT, der sich optisch kaum von dem Vorgänger abhob. Die Unterschiede zwischen den beiden Modellen betrafen in erster Linie zwei Punkte: Der 246 bekam einen um fünf Zentimeter verlängerten Radstand und einen stärkeren Motor. Der hatte 2,4 statt bisher 2,0 Liter Hubraum und leistete 195 PS.

Anfangs gab es den Dino 246 wie schon den 206 ausschließlich als geschlossenes Coupé. Erst 1972 folgte eine zusätzliche Modellvariante. Die hieß GTS - wobei das S für Spyder stand. Wer allerdings unter einem Spyder ein komplett offenes Auto versteht, liegt in diesem Falle falsch: Der GTS folgte vielmehr der damaligen Mode so genannter Targas mit herausnehmbarem Dachteil zwischen der Frontscheibe und einem Überrollbügel hinter den Sitzen.

Obwohl sich der 246 gut verkaufte, erhielt auch er nicht den Namen Ferrari. Die eine Fraktion ist überzeugt, dass Enzo Ferrari sich scheute, den „kleinen“ Wagen mit dem Namen der echten Ferraris zu schmücken. Woraufhin andere fragen, ob es denn Sinn machen würde, ein „minderwertiges“ Produkt mit dem Namen des geliebten und früh verstorbenen Sohnes zu versehen.

An dieser Stelle kommt dann eine weitere Theorie ins Spiel: Anders als bei den Straßensportwagen hatte es bei Rennen bereits Ferrari mit Sechszylindermotor gegeben - deren Bau ging auf Ideen von Dino zurück, die Autos trugen die Bezeichnung Ferrari Dino. Womöglich hat Enzo Ferrari seinem Sohn mit dem kleinen Serienmodell also sogar ein Denkmal setzen wollen.

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