Matra Bagheera und Murena
Zwei Sessel neben dem Fahrer

Die Autos Matra-Simca Bagheera und sein Nachfolger Murena sind etwas ganz Besonderes. Vor allem die Findigkeit der Erbauer bei der Sitzplatzsuche ist eine der vielen Besonderheiten dieser französischen Sportwagen.

HB PARIS. Matra - der Name steht für eine vergleichsweise junge, aber recht wechselvolle Geschichte in Sachen Automobilbau. Gegründet wurde „Mécanique Aviation Traction“ (Matra) im Jahr 1945. Hauptaugenmerk waren zunächst der fliegerische Rüstungsbereich und später die Kunststoffverarbeitung. Nachdem Matra den Betrieb des Autobauers René Bonnet - für den man Karosserien baute - übernommen hatte, erschien 1967 der erste Matra-Sportwagen mit der Bezeichnung 530. Er verkaufte sich aber schlecht. Nach wenigen Jahren musste ein Nachfolger her.

Für diesen wurde dem Konstrukteur Phillipe Guédon die bereits erwähnte Aufgabe ins Lastenheft geschrieben. Guédon löste die Aufgabe, einen Mittelmotorsportwagen für mehr als zwei Personen zu bauen, auf ungewohnte Weise: Der nur 1,17 Meter hohe Zweitürer überraschte bei seiner Präsentation 1973 mit zwei weiteren Sesseln neben dem Fahrersitz. Weil Matra eine Kooperation mit dem Hersteller Simca eingegangen war, der zu dieser Zeit zum Chrysler-Konzern gehörte, trug der Wagen die Herstellerbezeichnung Matra-Simca. Bei der Namensgebung zeigten die Verantwortlichen diesmal Fantasie: der Sportwagen hieß Bagheera nach dem Panther aus dem „Dschungelbuch“.

Der Matra-Simca machte diesem Namen alle Ehre - er war schön und auf die eine oder andere Art auch gefährlich. Schön war die kantig-flotte Frontpartie mit Klappscheinwerfern. Die Gefährlichkeit eines Panthers zeigte der Bagheera - der 84-PS-Motor beschleunigte ihn immerhin auf Tempo 185 - aber nicht in Form von kritischem Fahrverhalten oder ähnlichen Macken: Mancher Beobachter fürchtete beim Blick in den Innenraum eher um sein Augenlicht, schaute er doch anfangs auf Polster in giftigem Gelb und Schwarz. Hinzu kam ein exzentrisch gestaltetes Cockpit, das nicht von allen Fahrern als schön empfunden wurde.

Die ungewöhnliche Grundkonstruktion - eine Kunststoffkarosserie, die mit einem Stahlgerippe verklebt war - und schlechte Verarbeitung machten den Bagheera in Deutschland berüchtigt. Alsbald erhielt er die damals regelmäßig vom ADAC vergebene „Silberne Zitrone“ für Autos mit rekordverdächtig vielen Mängeln.

Um den Verkauf anzukurbeln, folgte 1974 die Modellvariante Courrège, bei der der Modeschöpfer André Courrège dem Bagheera weißen Lack, weiße Ledersitze und ein spezielles Kofferset verpasste. 1975 folgte der Bagheera S mit 90 PS, 1977 gab es ein Facelift mit verlängerter Karosserie, später die Nobelversion „X“. Als Chrysler Simca an Peugeot verkaufte, bekam der „Panther“ einen neuen Namen: Talbot Matra Bagheera. Nach knapp 50 000 Exemplaren wurde die Produktion schließlich 1980 eingestellt.

Der 1981 vorgestellte Nachfolger ließ manchen Fehler des älteren Sportlers vergessen ließ. Sein Name wurde ihm aber nicht gerecht: Denn der Murena - zu Deutsch: Muräne - brauchte optisch keinen Vergleich mit den schicksten Sportwagen zu scheuen. Dazu bot er neben den drei Sitzen eine ordentliche Motorleistung mit bis zu 115 PS.

Viel Glück war dem Murena nicht vergönnt. 1984 begann eine Zusammenarbeit zwischen Matra und Renault. Dort wurde der Wagen als Konkurrenz zu den eigenen Alpine-Sportwagen angesehen, was dessen Ende bedeutete. Matra-Knowhow wurde fortan beim Bau der Modelle Espace und Avantime genutzt. Heute gehört Matras Automobilsparte zur italienischen Karosserieschmiede Pininfarina.

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