Mazda 5
Kleiner Gernegroß

Auf dem gähnend leeren Vorstandsparkplatz der Gothaer Versicherung in Köln wirkt der Mazda 5 ein wenig verloren. Mit seinen Schiebetüren macht er sich ganz schlank – der Grat zwischen Zweckmäßigkeit und Langeweile ist bisweilen schmal.

HB KÖLN. Den Gothaer-Chef Werner Görg stört das kaum. Der Versicherungs-Manager gehört nicht zu den Menschen, die Mixer oder Strickjacken langweilig finden. Dinge erfüllen ihren Zweck, mit Langeweile hat das nichts zu tun. Die Ausfahrt im Mazda interpretiert Görg entsprechend als wohlwollenden Funktionstest.

Der Japaner erkennt seinen Fahrer an einer Plastikkarte in der Jackentasche und lässt sich per Knopfdruck entriegeln. Görg wirft einen ersten Blick durch die geöffnete Fahrertür: „Das Armaturenbrett ist gelungen, vielleicht ein bisschen viel Plastik.“ Er hängt seine Arbeitsbekleidung in üblicher Anzugträger-Manier an den Haltegriff der zweiten Reihe, die sich hinter der Schiebetür in schrankwandähnlicher Dimension präsentiert.

„Alle angeschnallt?“ – natürlich, sonst zahlt die Versicherung nicht. Der Mazda sieht das genauso, sein Warnton piept aufgeregt und mahnt unnachgiebig zum Gurtanlegen. Görg sagt selbstkritisch: „Im Ernstfall kann eine Versicherung nur finanziellen Ersatz bieten.“

Görg tritt aufs Gas, die Kupplung greift bei 3000 Umdrehungen. „Ich fahr sonst immer Automatik“, entschuldigt er sich, als er den Siebensitzer in den vormittäglichen Berufsverkehr des Kölner Rings einfädelt.

„Ich fahre rund 4 000 Kilometer im Monat“, erzählt der Manager. Seinen Dienst-BMW nutzt er dabei als Büro – und nicht aus Freude am Fahren. Und seinen Fahrer sieht er als Kollegen und nicht als Chauffeur.

Görg zeichnet das Bild einer nüchternen und unprätentiösen Welt der Chefetage: „Die Zeit der Generaldirektoren ist vorbei.“ Ihm ist der Kontakt zu seinen Mitarbeitern wichtiger, die er beim Mittagessen in der Kantine trifft. „Management durch Handauflegen hat sich überlebt. Sie müssen ein kompetenter Ansprechpartner sein.“

Seit 2001 steht Görg an der Spitze des Gothaer-Konzerns, und seine Strategie zeigt Erfolg – er konzentriert sich auf das Kerngeschäft: 2004 stieg der Jahresüberschuss um über 70 Prozent auf rund 80 Millionen Euro, das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte.

Plötzlich taucht auf der Gegenspur ein endloser Zug von Löschfahrzeugen auf. Mit Sirenengeheul – und unter Gewerkschaftsbeflaggung. Rote Verdi-Fahnen wehen im Wind, mindestens 30 Fahrzeuge im Rettungseinsatz für den öffentlichen Dienst. „Für was demonstrieren die denn?“ bleibt eine rhetorische Frage.

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