Meist mit „Atomkraft? Nein danke!“-Aufkleber
Renault R4: Der Kleine mit der großen Klappe

dpa/gms PARIS. Die Welt ist ungerecht: Citroën baut ein Auto, es wird Ente genannt und verehrt. Renault entwickelt mit dem Renault vier einen Wagen mit mehr Platz und Motor. Diesen kennen auch viele, aber verehrt wird er von kaum jemandem.

Der R4 und die Ente waren beide preisgünstig und zogen doch unterschiedliche Menschen an. Während der Enten-Fahrer eher in die Wohngemeinschaft fuhr, zog es den R4-Eigner in die eigene Mietwohnung. Beide Wagen zierten „Atomkraft? Nein danke!“-Aufkleber. Doch Enten-Lenker standen bei Demonstrationen in der ersten Reihe, der R4 war die etwas bürgerlichere Alternative.

Begonnen hatte die Karriere des R4 Jahre bevor überhaupt jemand an derlei Aktivitäten dachte: Mitte der Fünfziger forderte der damalige Renault-Chef Pierre Dreyfus einen praktischen Kompakten. Der Wagen sollte nicht groß sein, innen aber viel variablen Raum bieten. Außerdem waren vier Türen und eine große Heckklappe ein Muss.

Das Ergebnis ließ sich 1961 auf der IAA in Frankfurt bestaunen: ein Auto, dem man ansah, dass es vor allem praktisch sein sollte, auf Spielereien war verzichtet worden. Die Reaktionen waren nicht gerade begeistert. So meinten Kritiker, dieser Renault sei wohl die höchste Evolutionsstufe des Regenschirms. Doch schon nach drei Jahren meldete Renault das 500 000. Exemplar des R4, 1966 war die Million voll.

Das lag daran, dass der R4, 1965 in Renault vier umgetauft, mehr bot als die Konkurrenz. So gab es damals wohl keinen praktischeren Kleinwagen. Mussten sich die Familien durch zwei Türen in den Käfer zwängen, bot der Renault vier vier Einstiegsluken. Der Laderaum war anders über eine große Ladeluke zugänglich und bot viel Platz.

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