Mercedes-AMG GT S
Hintenrum heißer als Kardashian

Am Schönsten ist der neue AMG-Sportler GT S von hinten. Das macht Mercedes bestimmt mit Absicht so, denn man kann ihm doch meistens nur hinterher fahren. Und sich dann noch am schmutzig-schönen Klang erfreuen.
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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat den schönsten Hintern im Land? Ganz ohne Photoshop-Einsatz darf über diese Frage ab Frühjahr 2015 auf Parkplätzen der Golfclubs, auf der Düsseldorfer Kö aber natürlich immer auch in den Parkbuchten vorm Bäcker trefflich gestritten werden – und zwar nicht nur im Ländle. Ab dann parkt der neue Mercedes-AMG GT S neben dem Porsche 911.

Bisher war der Porsche auf die Eigenschaft gebucht, zum Brötchenholen genauso tauglich zu sein, wie zum Rundenrekord auf der Rennstrecke. Aus Affalterbach, 20 Kilometer vom Porsche-Hauptquartier in Zuffenhausen entfernt, rauscht nun das Daimlersche Verständnis vom alltagstauglichen Hochleistungs-Sportgerät an, entwickelt von den gerade erst zur Sub-Marke geadelten Motorsport-Spezialisten von Mercedes-AMG. Der 375 kW/510 PS starke GT S kommt zuerst auf den Markt, ein gutes halbes Jahr später folgt der GT (340 kW/462 PS).

Bei der ersten Ausfahrt im sonnigen Kalifornien – die USA ist ein wichtiger Markt – kann der GT S auf dem Highway Number One seinen Cruise-Faktor ausspielen. Bevor es losgeht, gilt es eine Hürde zu überwinden: über den relativ breiten Schweller in den strammen Sportsitz. Das ist kein Klettern, aber wer Hut und Gehstock trägt, kommt hier nicht rein. Drinnen blickt man auf edelstes Interieur und hockt sagenhaft nah an der Straße, hat aber erstaunlich viel Überblick aus den schmalen Fenstern.

Wenn draußen Pazifik-Panorama vorbei zieht, lässt sich der Zweisitzer entspannt cruisen.  Der Komfort-Modus des vier Programme umfassenden, optionalen Fahrdynamik-Systems (Comfort, Sport, Sport+, Race; 2.200 Euro) hält die Servounterstüzung hoch, lässt den Motor segeln oder nimmt ihn beim Ampelstopp sogar ganz vom Saft, auch das Fahrwerk ist im Reisemodus.

Dass auch Kalifornien in der Staatskasse nicht genug Geld hat, um alle Schlaglöcher zu stopfen, vermeldet der GT S allerdings recht deutlich. Selbst in der Komfort-Stellung der Dämpfer schüttelt der Sportwagen seine Insassen noch durch. Wo wir gerade am kritteln sind: 9,4 Liter Verbrauch auf dem Rollenprüfstand stehen rund elf auf der Testfahrt entgegen.

Ha noi! würde der Schwabe sagen. Denn zugegeben: Der Wumms des 4,0-Liter-V8 ist auch im Land der 45-mph-Schilder (ca. 70 km/h) zu verlockend, als dass ihm der Fahrer lange widerstehen könnte. Vom Saugmotor-Konzept wie beim SLS, auf dessen Plattform der GT größtenteils basiert, hat sich AMG verabschiedet: Der V8 wird nun von zwei Turboladern zwangsbeatmet, die zwischen den Zylinderbänken im V sitzen.

Herrlich: Kaum, dass man ans Gasgeben gedacht hat, ist der Befehl quasi direkt aus dem Hirn auf die Hinterräder übertragen, so blitzschnell reagiert der GT schon im Komfort-Modus auf das Gaspedal. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe trägt dazu einen wesentlichen Teil bei.

Den Macker markieren muss der Schwabe dabei nie. Allein die markante Front im Rückspiegel mit den LED-Scheinwerfern und der stilisierten Tagfahrlicht-Augenbraue lässt so manchen Toyota Prius ehrfürchtig Platz machen. Vielleicht ist es aber auch der mächtig böse Sound, der – wie beim Wettbewerber auf Knopfdruck – aus den eckigen Endrohren dröhnt, und sowohl ACDCs Hells Bells als auch Beethovens Neunte aus den Burmester-Lautsprechern klanglich in den Schatten stellt.

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