Mercedes E 500 Cabriolet
Mit sanfter Gewalt

Ein Cabrio von Mercedes, das wäre uns früher noch nicht einmal eine Überlegung wert gewesen. Nach zwei Wochen mit dem E 500 Cabriolet sehen wir das ein wenig anders. Aber nicht nur wegen der protzigen Motorisierung.
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Das mit den Überarbeitungen von Fahrzeugen kennen wir ja: Ein neuer Grill, anderen Farben, ein paar Assistenzsysteme,  das war´s dann so in etwa. Bei den zum Sommer überarbeiteten Coupé- und Cabrio-Modellen der E-Klasse ist es anders gelaufen. Fanden wir diese Modelle bislang eher weniger aufregend, muss man nach der großen Kur zur Lebensmitte zugestehen: Das passt. Schon bei den ersten Fahrten mit dem neuen Modell vor einigen Monaten hatte uns vor allem der hochwertige Innenraum gut gefallen.

Bei unserem für 14 Tage überlassenen Testmodell fanden wir nun auch an Optik und Antrieb nichts zu mäkeln.

Ob das daran lag, dass Mercedes uns gegenüber seinem Wahlspruch treu blieb und uns das Beste (und Gott sei Dank nicht „nichts“) zur Verfügung stellte? Meint: Ein E 500 Cabrio mit AMG Plus Ausstattung. Mehr geht nicht, in dieser Modellreihe.

Was für ein Gefühl alleine, in dieses Fahrzeug einzusteigen. Es fühlt sich viel größer und mächtiger an, als es in Wirklichkeit ist. Denn Mercedes-Fans wissen: Die Coupés und Cabrios der E-Klasse schummeln ein wenig, sie bauen tatsächlich auf der C-Klasse auf. Das macht sich durchaus bemerkbar, denn 4,70 Meter Gesamtlänge weisen ihn klar als Vertreter der Mittelklasse aus, nicht aber – wie der Name suggeriert – als ein Mitglied der oberen Mittelklasse.

Das macht sich aber vor allem auf den hinteren Plätzen bemerkbar, wo man eigentlich nur bei offenem Dach und nicht allzu hoher Geschwindigkeit angemessen untergebracht ist. Ganz anders vorne: Sitze, Raumgefühl und Bedienbarkeit sind nahe an der Perfektion. Lediglich die Instrumente für Drehzahl und Geschwindigkeit könnten klarer und damit einfacher ablesbar sein.

Und dann natürlich der Motor. In Zeiten von Downsizing und Plug-in-Hybriden haben wir hier einen echten V8 vor uns. Ein Motor, zu dem unsere künftig elektrisierten Enkel später Mal nachfragen werden: So etwas gab es wirklich? Ein Antrieb in einem letztlich trotz AMG-Zierrat wie Sportfahrwerk, Front- und Heckspoiler sowie Seitenschweller doch eher bürgerlichen Fahrzeug, das aber Fahrleistungen wie ein echter Sportwagen bietet.

So lässt der von zwei Turboladern unterstützte 4,7-Liter das Cabrio in weniger als 5 Sekunden auf Tempo 100 springen. Und bei 250 km/h ist lediglich deshalb Schluss, weil es Mercedes so einprogrammiert hat.

Aber im Alltag kommt es ganz anders: Trotz oder gerade wegen der mächtigen Motorisierung neigt man mit diesem Fahrzeug eher zum Cruisen oder doch zumindest zu einem souveränen Dahingleiten. Natürlich, wenn es sein muss – etwa für einen Überholvorgang auf der Landstraße – reicht ein Gasstoß und der E 500 packt kurz seinen sportlichen Charakter aus.

Gleich darauf bummelt man aber wieder gerne mit gemäßigtem Tempo und lauscht dem grummeln des Achtzylinders. Hier lebt man mit dem Wissen, dass dieses Fahrzeug viel mehr kann als man ihm gerade abverlangt.

So kommt man in die leicht paradoxe Situation, dass ausgerechnet hinter dem Volant des stärksten Cabrios dieser Baureihe, der gefühlte Blutdruck am niedrigsten ist. Diese Fahrweise tut übrigens nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Umwelt einigermaßen gut. So ungefähr 9 Liter Kraftstoff soll sich der V8 laut Norm im Durchschnitt genehmigen – ein utopischer Wert natürlich. Wir benötigen knapp 12,5 Liter, in diesen Verbrauch sind einige kurze Hochgeschwindigkeitsexperimente eingeschlossen. Wir schätzen: Mit etwa 11 Litern könnte man im Alltag auskommen.

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  • Schönes Auto aber eine unkritische Bilanz. Die Tester haben wohl nicht gemerkt, das MB - im Unterschied zu anderen Flottenmodellen - noch immer die veraltete NaviTechnik TMC einbaut - statt Live Traffic. Nicht up-gradefähig. Schlicht kundenfeindlich.

  • "Viertüriges Cabriolet". Sind es nicht tatsächlich fünf Türen, wenn man den Tankdeckel mitzählt? Ihre Autotests sind ganz nett zu lesen, aber sonst wenig aussagefähig.

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