Mietgeschäft
Daimler setzt auf den Mitnahme-Effekt

Nach erfolgreichen Tests in Ulm steigt der Autohersteller nun international in das Mietgeschäft ein. Das Auto zum Mitnehmen ist modern und ökologisch sinnvoll, das Konzept könnte sich am Ende rechnen. Doch auch die Konkurrenz wie die Deutsche Bahn mit ihrem Flinkster-Programm erhöht das Tempo.
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ULM/KÖLN. Autos mieten leichtgemacht: In Ulm testet Daimler bei "Car2Go" den Einstieg in ein ganz neues Geschäftsfeld. Über das gesamte Stadtgebiet hat der Autohersteller Fahrzeuge der Marke Smart verteilt. Kunden können sie spontan mit Hilfe eines Chips auf dem Führerschein entleihen und am Ziel einfach abstellen. Seit einen Jahr laufen die Tests.

Was anfangs aussah wie die Spielwiese eines Konzerns, erweist sich als ernsthafte Investition. Heute startet Daimler im texanischen Austin ein zweites Pilotprojekt für sein Mietmodell "Car2Go". Zunächst dürfen Bedienstete der Stadt die 200 Smart-Fahrzeuge nutzen. Wie in Ulm wird das System rasch für alle Einwohner geöffnet. Weitere Städte sollen folgen. "Das Projekt wird Mitte 2010 marktfähig", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dann geht es in die Metropolen: Vancouver hat Zetsche als mögliches Ziel genannt. Auch bei der Ausschreibung für ein Mietangebot mit 4 000 Autos in Paris will Daimler mitbieten.

Ortstermin in Ulm: Hastig laufen zwei junge Männer an diesem verregneten Novembertag auf die vier in der Tiefgarage am Marktplatz geparkten weißblauen Smarts mit Car2Go-Logo zu. "Mist, alle schon reserviert", sagt einer - schon sind die beiden wieder weg. Offensichtlich wurden die Fahrzeuge allesamt im Internet gebucht. Das klappt auch im Selbstversuch in Sekundenschnelle.

Schlüssel liegt im Handschuhfach

Mitfahren bei Car2Go ist möglich nach einer Registrierung - dabei wird der Chip auf den Führerschein geklebt. Der Wagen öffnet sich, wenn der Kunde den Führerschein an die Windschutzscheibe hält. Den Schlüssel findet er im Handschuhfach. Autos, die nicht vorbestellt sind, lassen sich auch ohne Reservierung mieten. Anders als bei Car-Sharing-Modellen oder Mietwagen müssen die Fahrzeuge nicht an einem bestimmten Platz zurückgegeben, sondern können in ganz Ulm auf kostenlosen Parkflächen abgestellt werden. Das Projekt ist voll eingeschlagen. 14000 Ulmer sind registriert - also 15 Prozent aller Einwohner, die einen Führerschein besitzen. 130 000 Fahrten hat Daimler bislang abgerechnet.

Wenn Daimler-Chef Zetsche von Car2Go redet, leuchten seine Augen. Kein Wunder: Das Auto zum Mitnehmen ist modern und ökologisch sinnvoll - erst im September erhielt Daimler für Car2Go den Umweltpreis "ÖkoGlobe". Und das Konzept könnte sich am Ende rechnen. Zahlen über die Kosten nennt der Konzern jedoch nicht - auch, weil die Konkurrenz wächst.

Hersteller wie Toyota und Renault haben inzwischen selbst Kleinstfahrzeuge im Angebot. Diese sind perfekt geeignet für urbane Mobilitätsprojekte, weil zwei davon auf einen Parkplatz passen. Das spart Kosten, wenn der Anbieter - etwa im Parkhaus - Flächen anmieten muss.

Nicht nur Autobauer mischen mit im Mietgeschäft. Ausgerechnet am Daimler-Hauptsitz Stuttgart sowie in Köln erprobt die Deutsche Bahn mit 200 schnittigen Alfa Romeos den Einstieg. "Flinkster" heißt das Projekt. Erfahrungen mit Miet-Fahrrädern hat die Bahn schon gesammelt. 85 000 Kunden und 600 000 Fahrten im Jahr 2008 meldet die Bahn für das Angebot "Call a Bike", das es in einer Reihe von deutschen Städten gibt. Die Räder finden sich an Kreuzungen und können per Handy ausgeliehen und am Ziel an einer Straßenecke abgestellt werden.

Über Zahlen zum Flinkster-Programm dagegen hält man sich bedeckt. 2 000 Kunden habe Flinkster seit dem Start im März binnen drei Monaten gewonnen. Wie viele es nun sind, wird nicht verraten. Die Fahrzeuge sind auf Stellplätzen über das gesamte Stadtgebiet in Köln und Stuttgart verteilt. Anders als bei Car2Go müssen Kunden den Wagen immer dort abgeben, wo sie ihn entliehen haben - für die Fahrt zur Arbeit taugt das eher nicht.

Kommunikationsfreunde sind im Flinkster gut versorgt mit Bluetooth-Freisprechanlage, integriertem Navigationsgerät und Anschluss für den MP3-Spieler. Als weniger komfortabel dagegen erweist sich der Zweitürer für junge Familien - einen Kindersitz auf die Hinterbank zu bugsieren, erfordert einiges Geschick.

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