Mit dem Oldtimer über die Alpen
Runde Formen in der Spitzkehre

Der Weg ist das Ziel: Eine Oldtimer-Fahrt über die Schweizer Alpen vereint puren Fahrspaß mit grandioser Berglandschaft. Wer keine Autolegende besitzt, mietet eine.

Tiefschwarz glänzt sein Lack, die Chromteile blitzen. Auch von vorn zeigt er Rasse: breiter Kühlergrill, schnittig-runde Kotflügel, runde Scheinwerfer und dazwischen der Mercedes-Stern. Ein klasse Typ ist dieser 190 SL, der erstmals 1955 auf die Straße kam. Heuer steht der Roadster Baujahr ’61 in seiner nostalgischen Pracht auf dem Nufenen Pass auf 2 478 Meter Höhe. Am Horizont sind die Viertausender von Finsteraarhorn und Lauteraarhorn zu sehen. Dahinter geht gerade die Sonne unter und verfärbt den Himmel tiefrot.

Dieses Licht- und Farbspiel spiegelt sich in Lack und Chrom des Zweisitzer-Cabrios wider. Als wäre das Ganze eine kitschige Kulisse aus den fünfziger Jahren, als Grace Kelly und andere Stars sich so oft im angesagten Gefährt ablichten ließen. Doch diese Szenerie ist kein schnöder Film, sondern schöne Realität auf einer Oldtimer-Tour über die Schweizer Alpenpässe. Und der Mercedes 190 SL ist heute Kult und für ein- wie mehrtägige Ausflüge zu mieten. Der Nufenen Pass war Station einer Fahrt, die von Zürich über Chur, Chiavenna und Lecco bis Mailand ging und retour über Como, Bellinzona, Bedretto, Realp und Schwyz bis Zürich. Die Route lässt sich umdrehen und/oder abkürzen (abgesehen von der Strecke Stuttgart-Zürich retour).

Auf solchen Touren ist der Weg das Ziel. Nämlich inmitten imposanter Berge diverse Pässe zu überwinden und sich ohne Servolenkung, Scheibenbremsen und modernste Elektronik-Assistenten die Höhen hinaufzuschrauben und die Serpentinen hinunter. Die flachen Strecken rollt Mann oder Frau gelassen dahin im Bewusstsein, am Volant eines traumhaften Trendsetters früherer Tage zu sitzen. Nur der Markenfetischist diskutiert, ob diese und ähnliche Stilikonen einst in Stuttgart, Zuffenhausen, München oder Maranello entstanden sind.

Etliche Schweizer Pässe liegen auf dem genannten Kurs, im Osten etwa Julier und Albula, im Westen Furka und Nufenen. Letzterer ist mit seinen fast 2 500 Metern der höchste innerschweizerische Alpenübergang und ein Muss bei einer Pass-Safari. Er verbindet das Wallis mit dem Tessin. Wer den Nufenen von Osten, von der italienischen Schweiz aus kreuzt, hat fahrerisch den meisten Spaß. Ab dem Bergdorf Airolo reiht sich Serpentine an Serpentine, steigt die Straße Meter um Meter an mit bis zu zehn Prozent Steigung. Genau 1 339 Höhenmeter geht es 23 Kilometer hinauf.

Hier heißt es vor jeder der spitzwinkligen Kurven Kupplung treten, Schaltknüppel zurück in den zweiten Gang und dann wieder aufs Gas. Der Schaltknüppel im 190 SL ist ein langer filigraner Chromstab mit Elfenbeinknauf. Damit das Schalten leichter geht, hilft ein bisschen Zwischengas. Seine Kupplung zu bedienen ist schon wie ein leichtes Krafttraining fürs linke Bein. Das ist später zu spüren. Im Oldie-Tross fährt ein Mercedes 220 SEB mit, Baujahr 1963. Die viersitzige Cabrio-Limousine mit Schaltgetriebe fordert den Fahrer am Berg ebenso. Leichter voran geht es im 280 SL von 1968, von Enthusiasten wegen seiner Dachform „Pagode“ tituliert, ebenso im 500 SL von 1985. Beide Zweisitzer verfügen über Automatik und cruisen so in fast allen Straßenlagen. Oldie stimmt allerdings beim 500 SL nicht ganz, da offiziell noch als „Youngtimer“ klassifiziert.

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