Mittelklasse-Autos: Die Rückkehr der Machos

Mittelklasse-Autos
Die Rückkehr der Machos

Werber setzen stinknormale Mittelklasse-Autos als testosterongeladenene James-Bond-Utensilien in Szene. Nur wenige trauten sich bisher automobile Männerphantasien so unverhohlen zu bedienen wie Peugeot.

Er gleitet wie ein Hai durch die Straßen, mit schimmernder Metallic-Haut, ausgestellten Lüftungskiemen und weit aufgesperrtem Fischmaul.

Ein Hai auf Beutezug, mitten in einem Schwarm aus Röcken und hochhackigen Schuhen. Das verfehlt seine Wirkung nicht: Lüstern blicken die Mädels vom Schaufenster auf, die berittene Polizistin lässt hinter ihrer Sonnenbrille Sehnsucht spüren. Und die Brünette im Business-Kostüm erschrickt sogar. So viel Männlichkeit!

Glaubt man dem aktuellen Werbespot, dann ist das Peugeot 407 Coupé seit langem das erste Auto für richtige Männer. Die Kampagne „Pour Homme“ aus dem Hause Euro RSCG in Düsseldorf appelliert so unverhohlen wie lange kein Werbefeldzug mehr an den Mann als einzig wahren Kenner des Automobils. Mit 920 000 Euro Gesamtetat wollen die Franzosen ihren Neuling laut Branchenblatt „werben & verkaufen“ in den Markt drücken.

Der Spot, so die Werber, soll auf den ersten Blick klar machen, an welche Käuferschicht sich der neue Peugeot wendet: an den gut situierten, stilbewussten Mann ab 40, wie der Kreative Ulrich Förster sagt. Aber mit Witz: „In dem Spot ist schließlich kein einziger Mann zu sehen.“

Dass schnelle und große Autos ein männliches Lieblingsthema sind, wissen Werber natürlich. Frauen sprechen auf bunte Spots mit knallroten Fahrzeugknubbeln an, die man bis oben hin mit Einkäufen beladen kann – praktisch!

Doch lange trauten sich nur wenige, automobile Männerphantasien so unverhohlen zu bedienen wie nun Peugeot. Bei Porsche dürfen 40-Jährige sich auf den Sportwagen aus Stuttgart freuen: „42 Jahre: der erste Porsche. Ist es nicht schön, dass das Leben nach oben offen ist?“ Der neue Golf GTI wird als Spielzeug für große Jungs inszeniert.

Jetzt ziehen die Produzenten auch bei Kleinwagen und Kompakt-Vans nach. Toyota zeigt ein Ehepaar, bei dem die Gattin lauter praktische Argumente für ihren neuen Corolla Kombi präsentiert: Er ist so geräumig, der Kofferraum so groß – und, ach ja, genug Platz für die Kinder hat er auch. Und während sie so plappert, hebt ihr Gatte nur kurz die Handfläche für seinen Kumpel und zeigt ihm die einzig wichtige Kennzahl: „177 PS“.

Der ehemalige Biedermann Seat wagt sich noch weiter vor in Sachen Macho-Werbung. Schließlich will Konzernmutter VW die Marke als sportlich positionieren, mit der auch Vorstadtpapis „Auto Emocion“ erleben dürfen. In den Werbespots raunen sich knorrige Herren in einer Pinte Gerüchte über ein Wesen aus der Finsternis zu („sieht aus, als wäre das Ding verdammt schnell“). Eine Frau ist nirgends zu sehen. Aber vielleicht braucht der Seat-Fahrer ja auch keine – „auto“ heißt schließlich „von selbst“.

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