Mobilität
Bikeboard: Mit drei Rädern auf die Stadtpiste

Der Schweizer Ingenieur Walter Egli hat ein elektrisches Board auf drei Rädern mit Lenkrad erfunden, das nach dem Stehroller Segway, Elektrofahrrädern, Quads & Co. ein weiteres neues Trendfahrzeug werden könnte - und zwar nicht nur für junge Leute, sondern aus Sicht des Erfinders auch für Rentner.
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dpa/tmn BERLIN. Er umfährt Poller wie beim Slalom und zieht mit Leichtigkeit an der stockenden Autokolonne vorbei. Zu hören ist nur das leise Summen des Elektromotors.

Durch die Fähigkeit zur seitlichen Neigung vermittelt die Carving-Achse des Rollers ein Fahrgefühl wie auf der Skipiste. Den mit zwei Batterien ausgestatteten Roller gibt es mit 500- und 1 000-Watt-Motor. Die aufladbaren Akkus haben eine Reichweite von bis zu 60 Kilometer, die Stromkosten liegen laut Egli bei 20 Cent pro 100 Kilometer.

Kürzlich hat Egli mit dem Händler Michael Renn auf dem Berliner Kurfürstendamm ein erstes Hauptgeschäft für Europa eröffnet. Verkaufen wollen sie die Gefährte an Privatleute und kommerzielle Vermieter, etwa für Golfplätze und Flughäfen. In Deutschland dürfen Bikeboards bislang nur auf Straßen und auf speziell ausgewiesenen Radwegen genutzt werden. Außerdem sind Führerscheine nötig: "Die bis zu 25 km/h schnellen Modelle sind als Mofa zugelassen, die schnelleren als Motorroller", erklärt Renn.

Aus Sicht der Polizei gibt es keine Sicherheitsbedenken. Wer sich mit seinem funktionstüchtig ausgestatteten Board an die Helmpflicht und Regeln halte, gefährde den Verkehr nicht, sagt Polizeisprecher Thomas Goldack in Berlin. Die bis zu 35 Kilometer pro Stunde (km/h) schnellen Boards, die es auch mit Sitz und Gepäckträger gibt, seien für viele Zielgruppen interessant. In den USA, wo die Boards seit 2008 produziert werden, sei die älteste ihm bekannte Kundin eine 89-jährige Dame aus Florida, erzählt Egli.

Der ADAC hält Mobilitätshilfen wie diese für sinnvoll. Laut Sprecher Michael Pfalzgraf "leisten sie einen Beitrag zu einem sauberen Stadtverkehr und vergrößern den persönlichen Aktionsradius". Vor allem für ältere Menschen und Berufspendler seien sie eine interessante Lösung.

Skeptischer sieht die 85-jährige Käte Tresenreuter die Erfindung. Rund 3 000 Euro für ein Bikeboard seien für viele Rentner zu teuer, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Berliner Arbeitskreises Senioren und Gründerin des Sozialwerks Berlin. In der Stadt sei der Verkehr zudem zu gefährlich. "Welcher Rentner will sich in dieses Gewühl begeben? Rad- und Motorradfahrer werden doch immer rücksichtsloser", sagt Tresenreuter. Interessant hält sie die Geräte höchstens für ruhige Außenbezirke.

Eglis neues Modell ist nicht das einzige Gefährt, das klassischen Fahrzeugen in den Städten Konkurrenz macht. Ein einfacheres Elektro-Board für Fahrten in Wäldern und abseits von Straßen ist bereits in Berlin und andernorts unterwegs: Der Fahrradverleih "Berlin on wheels" zum Beispiel vermietet motorisierte Boards (Mo-Bo) für sechs Euro pro Stunde. Sie werden per Fernbedienung gesteuert, haben keinen Lenker und sind nicht für Straßen zugelassen. Ein Führerschein ist nicht nötig, dafür aber Helm, Knie- und Ellenbogenschützer - was vor allem junge Menschen ansprechen dürfte.

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