Test + Technik

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Motorrad-Lederkombis nach Maß: Einmal wie ein MotoGP-Star sein

Die Ausrüstung von MotoGP-Stars wie Valentino Rossi haben mit der Ware von der Stange nichts zu tun. In einigen Läden kann sich auch Otto Normalbürger eine Lederkombi auf den Leib schneidern lassen. Ein Besuch vor Ort.

Der Laden von Robin Homfray ist fest in Familienhand. Seine Frau Erika und Tochter Jessica helfen mit aus. Quelle: Sebastian Schaal
Der Laden von Robin Homfray ist fest in Familienhand. Seine Frau Erika und Tochter Jessica helfen mit aus. Quelle: Sebastian Schaal

Dortmund„Hi, ich bin Robin.“ Mit freundlichem Willkommensgruß empfängt Robin Homfray seine Kunden. Er verkauft Motorrad-Ausrüstung der italienischen Marke Dainese. In Reih und Glied hängen unzählige Motorrad-Anzüge an den Wänden, für Renn- oder Tourenfahrer, aus Leder oder Textilfasern. Mit einer Seelenruhe führt Robin die Kunden durch das Geschäft und berät sie ausführlich.

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Doch an diesem Tag ist etwas anders in seinem Laden im Dortmunder Norden. Es ist Besuch aus Italien da, dem Stammsitz von Dainese. Nicht irgendwelche Manager, die ihre lokalen Reseller kontrollieren. Für zwei Tage sind der Lederschneider Simone Xausa sowie seine Assistentin und Dolmetscherin Angela Trotto im Shop. Sie nehmen während des sogenannten Fitnet-Events die genauen Maße der angemeldeten Kunden, um damit eine maßgeschneiderte Lederkombi zu fertigen.

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Eigentlich vermisst Simone Xausa MotoGP-Stars wie Valentino Rossi oder den jungen Deutschen Stefan Bradl. Gerade Rossi ist allgegenwärtig in dem Laden, egal ob auf großen Papp-Aufstellern oder durch Teile seiner Kollektion, die durch das Rossi-typische Neongelb zwischen den sonst vornehmlich schwarzen oder roten Motorrad-Klamotten auffallen.

Jede Lederkombi, für die Simone an diesem Tag sein Maßband zückt, basiert auf einem der Dainese-Modelle von der Stange. Diese gibt das Schnittmuster und die Grundform vor, an der sich die Schneider in Italien dann orientieren können.

Doch es bleibt selten bei der individuellen Passform. Nach dem Vermessen geht es erst richtig los, die Farbwahl steht an. Eine moderne Lederkombi besteht aus vielen Einzelteilen - je nach Modell bis zu 100 Stück. Und für fast jedes Teil, sei es ein noch so kleiner Zierstreifen, stehen dutzende Farben zur Wahl.

Robins Laden ist fest in Familienhand. Seine Frau Erika und Tochter Jessica helfen mit aus. Gerade Jessica hat während des Fitnet-Events keinen leichten Job, sie stellt mit den Kunden die Farben am Computer zusammen.

Valentino Rossi fährt seit Beginn seiner Karriere mit einer Dainese-Kombi. Dass der Hersteller darauf stolz ist, merkt man in jeder Ecke des Ladens. Quelle: Sebastian Schaal
Valentino Rossi fährt seit Beginn seiner Karriere mit einer Dainese-Kombi. Dass der Hersteller darauf stolz ist, merkt man in jeder Ecke des Ladens. Quelle: Sebastian Schaal

„Was das Design angeht, haben die Kunden freie Hand“, erklärt Robin. „Nur beim Thema Sicherheit habe ich noch ein Wörtchen mitzureden.“ Unter jede Lederkombi, die in seinem Laden bestellt wird, muss ein Rückenprotektor passen - ob das der Kunde im ersten Moment will oder nicht. „Selbst wenn er keinen trägt, stört das nicht wirklich. Will er aber später doch einen tragen, muss dafür Platz sein“, sagt der gebürtige Brite.

Auf Sicherheit legen auch Sergej und Andree wert. Die beiden fahren im Suzuki GSX-R 750 Cup mit - da ist der ein oder andere Sturz während der Saison vorprogrammiert. Aber ihnen kommt es auch auf die Optik der Lederkombi an: Der Stretch-Einsatz am Knie blau oder doch in Weiß? Und wo soll welcher Schriftzug aufgenäht werden? Die Diskussion geht hin und her. 

Lederkombis an den Wänden und auf Ständern, an den Säulen sind die Helme platziert. In einer Ecke gibt es auch noch ein paar T-Shirts. Quelle: Sebastian Schaal
Lederkombis an den Wänden und auf Ständern, an den Säulen sind die Helme platziert. In einer Ecke gibt es auch noch ein paar T-Shirts. Quelle: Sebastian Schaal

In der Zwischenzeit bin ich beim Vermessen an der Reihe. Sorgsam nimmt Simone Xausa Maß für Maß. Dabei bleibt nichts im Verborgenen. Die letzten kulinarischen Erinnerungen an die Weihnachtszeit schlagen sich eiskalt in den Zahlen auf Simones Papier nieder. Bauch einziehen hilft nichts, das merkt der Profi sofort. Zum Glück ruft er die Zahlen seiner Assistentin auf italienisch zu, sonst würde jetzt der halbe Laden meinen Oberschenkelumfang oder die Länge meines Unterarms kennen. Nach wenigen Minuten ist aber alles vorbei.

Also ab zur Farbauswahl - wenn das gehen würde. Immer noch diskutieren die beiden Cup-Fahrer über die Details, inzwischen ist auch noch ein Freund dazugekommen. „Manche Kunden sind bei der farblichen Zusammenstellung ihrer Kombi sehr detailverliebt,“ sagt Robin und lächelt. Jessica ändert mit einer Engelsgeduld zum gefühlt zehnten Mal den Einsatz am Ellbogen von weiß auf blau. Dann schickt Robin die beiden mit ihren Entwürfen an das aufgebaute Kaffee-Buffet, wo sie weiter diskutieren sollen. „Hier am Computer halten die ja noch den ganzen Betrieb auf,“ sagt Robin im Scherz.

Meine Farbauswahl ist schnell gemacht. Rot und Blau sind die dominierenden Farben, weiße Elemente und an den schmutzempfindlichen Stellen schwarze Einsätze lockern die Zusammenstellung etwas auf. 

Eine Kombi nach meinen Farbwünschen ist zwar schön und gut, aber auch bei der Ware von der Stange haben sich die Designer etwas gedacht. Bringt eine auf den Leib geschneiderte Lederkombi mehr als meine Wunschfarben? Schließlich kostet sie ein paar hundert Euro mehr.

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