Navigation
Trend bei den Navis geht zum Feintuning

Mobile Navigationssysteme gehören zu den beliebtesten Produkten der Elektronikbranche. Immer mehr Autofahrer kaufen sich eins, die Nachfrage ist riesig.

dpa/tmn BERLIN. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) rechnet 2008 mit einem Absatz von 4,6 Mill. Geräten - das wären 25 Prozent mehr als 2007. Kein Wunder, dass auch die Internationale Funkausstellung (IFA) den Navis viel Platz einräumte. Doch statt revolutionärer Neuentwicklungen war eher Feintuning angesagt. Die Hardware wird leistungsfähiger und schneller, die Software ausgefeilter und die Geräte erhalten zusätzliche Funktionen. Das soll einerseits die Navigation für Nutzer komfortabler machen, andererseits die Geräte zu multimedialen Alleskönnern aufrüsten. Manche Modelle beherrschen die Musik- und Video-Wiedergabe, das Freisprech-Telefonieren oder den mobilen TV-Empfang.

Navigon wollte vor allem seine Navigationsanwendung verbessern. "Multimedia spielt für uns eine Nebenrolle", sagt Navigon-Sprecher Michael Hoffmann. "Wir sind in erster Linie ein Navigationsanbieter." Die Software des neuen Design-Navis 7 210 erhielt daher zusätzliche Features. Neben einem Fahrspurassistenten, der realitätsnahen Anzeige für unübersichtliche Autobahnabfahrten sowie der dreidimensionalen Darstellung markanter Landmarken gibt es nun einen Kurvenassistenten, der per Symbol vor gefährlichen Straßenabschnitten warnt. 55 000 Kurven sind laut Hoffmann auf der aktuellen Europakarte vermerkt.

An der Navigationssoftware gefeilt hat auch Falk Marco Polo Interactive. Der Falk Navigator 8, der zum Beispiel im neuen Topmodell F10 steckt, ist nun nach Angaben von Marketingkoordinatorin Jessica Wagner bei der Routenberechnung "lernfähig". Auf Basis des Fahrverhaltens des Nutzers werde die Wegführung ständig verbessert und dadurch schneller. Auf Wunsch könnten Autofahrer auch auf die Erfahrungen der übrigen Falk-Nutzer zurückgreifen: Routenempfehlungen für abkürzende "Schleichwege" lassen sich ins Portal hochladen, sie werden geprüft und anschließend für alle zum Download bereitgestellt.

Auch Tomtom macht die Routenführung nach eigenen Angaben schlauer. Sie soll abhängig von Tag und Uhrzeit die "cleverste Route" finden und somit in Stoßzeiten oft verstopfte Strecken meiden. Außerdem sind in den neuen online-fähigen Geräten GO 740 Live und GO 940 Live weitere Echtzeit-Informationsdienste integriert: Über ein Gprs-Modem werden laut Marketing-Manager Hannes Albrecht per Mobilfunkverbindung automatisch aktuelle Verkehrsinformationen aus dem Internet abgerufen. Außerdem lassen sich damit Online-Wetterberichte sowie die Google-Maps-Suche zum Auffinden regionaler Points of Interest nutzen.

Dagegen stellt Merian Scout bei seinen neuen Navigator-Modellen die Zusatzfunktionen in den Vordergrund: Das Unternehmen vermarktet die Geräte als multimediale Reiseführer, die neben der Wegführung Urlaubern beim Stadtrundgang Angaben zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten am Urlaubsort vermitteln. Abhängig vom jeweiligen Standort werden dem Nutzer dabei professionell vertonte Audio-Dateien vorgespielt.

Hersteller Garmin wiederum bezweckt mit dem neuen nüvi 550 universelle Einsetzbarkeit. Das handliche Gerät soll sowohl im Auto, beim Wandern als auch beim Wassersport den richtigen Weg weisen. Es gibt laut Garmin vier vordefinierte Profile, und auf Knopfdruck verwandelt sich der wasserfeste "Allrounder" vom Auto- oder Motorrad-Navi in einen mobilen Freizeitbegleiter oder Bootsführer. "Das nüvi 550 ist der ideale Begleiter für Menschen, die ein einziges Navigationsgerät für alle Gelegenheiten suchen", sagt Produktmanager Olaf Meng. Während die Europa-Straßenkarte vorinstalliert ist, müssen Outdoor- und Seekarten jedoch jeweils gesondert dazugekauft werden.

Der Hersteller Blaupunkt ist auf der IFA zwar nicht vertreten, stellt aber zeitgleich in Berlin den neuen Travelpilot 500 und 700 mit Video-Navigation vor. Die laut Blaupunkt-Sprecher Joachim Siedler ersten Geräte mit dieser Funktion besitzen eine Kamera an der Rückseite, die ein Live-Bild der Straße vor dem Auto aufs Display überträgt. "Die Navigationspfeile werden dann ins Kamerabild eingeblendet", erklärt Siedler. Etwas gewöhnungsbedürftig dürfte jedoch sein, dass auch entgegenkommende Autos auf dem Monitor zu sehen sind. Dafür geizt Blaupunkt nicht mit Zusatzfunktionen: Der Travelpilot 700 besitzt einen DVB-T-Empfänger für Digital-TV, Internetanschluss und kann Ton-, Bild- und Filmdateien wiedergeben.

Dabei sehen Verkehrsexperten die multimediale Aufrüstung der Navigationsgeräte durchaus kritisch. "Alle diese Dinge können den Fahrer ablenken", sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. "Der Mensch ist nicht Multitasking-fähig. Er soll sich aufs Fahren konzentrieren." Fraglich ist außerdem, ob Autofahrer die von manchen Herstellern stolz beworbenen Zusatzfunktionen tatsächlich brauchen.

Doch manche Hersteller können gar nicht anders, als am Wettrüsten mitzumachen. Es sei zum Selbstläufer geworden, sagt Navigon-Entwickler Jochen Katzer. So setzten viele Produkttests bei hochwertigen Geräten eine umfangreiche Multimedia-Ausstattung voraus: "Ein Gerät kann noch so gut bei der Navigation sein. Wenn es nicht multimediafähig ist, schneidet es im Test schlecht ab."

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