Neue Heimat für die größte Mercedes-Sammlung
Begehbare Maschine

Staus sind in seiner Welt nicht vorgesehen. Der virtuose Konstrukteur Ben van Berkel ist ein Romantiker, der von der unendlichen Fahrt träumt. Der niederländische Baumeister hasst die "dead ends", die Sackgassen der Architektur und entwirft stattdessen in sich kreisende Raumgebilde, bei denen Anfang und Ende aufgehoben scheinen in einem ununterbrochenen Fluss.

DÜSSELDORF. Vor acht Jahren schuf der 48-Jährige ein Haus, dessen Grundriss eine Endlosschleife bildet. Für das Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum hat er dieses Prinzip noch einmal gesteigert und gleich drei Schleifen wie bei einem Kleeblatt verknüpft.

Eine "Neverendingstory", wie van Berkel sagt. Das Gebäude scheint sich mit seinen Plateaus in den Boden zu schrauben. Ein konzentrisches Baukunststück, dessen Idee der Besucher allenfalls erahnen kann, wenn er zwischen gekrümmten Wänden, über gebogene Rampen, an einem kreisenden Fensterband entlang von innen nach außen und wieder nach innen geführt wird. Was nach Theorie klingt, hat einen praktischen Nutzen: Das Wort Rundgang ist wörtlich zu verstehen; wer den Wegen folgt, wird nichts verpassen.

Das neue Museum feiert den Standort Stuttgart und das Automobil als Motor der Geschichte: 170 Fahrzeuge, vom Reisebus bis zum Formel-1-Boliden, die größte Mercedes-Sammlung der Welt, mehr als 1 500 Exponate auf 16 500 Quadratmetern, die der modernen Mobilmachung und Deutschlands ältestem Autohersteller ein Denkmal setzen. Das Edle und Schöne, so lautet die Stuttgarter Botschaft, ist seit der Erfindung des Automobils bewegt.

Mit seinem Aufbau imitiert das Museum die Dynamik seiner Umgebung. Es bildet den betongewordenen Knotenpunkt zwischen Mercedes-Werksgelände, Gottlieb-Daimler-Stadion, EnBW-Kraftwerk und Gasometer. Wie eine Insel ist es umspült von Verkehr. Am liebsten wäre es dem Architekten, die Besucher hätten das Gefühl, als würden die Autoschlangen, die über die vierspurige B 14 zu Füßen des Museums gleiten, geradewegs zwischen ihren Beinen hindurchfahren. Wer von der Autobahn kommt, soll das Museum nach dem Willen van Berkels getrost mit einem Parkhaus verwechseln und abzweigen.

Den Fußgänger, der sich von Bad Cannstatt aus nähert, erinnert das silbrig schimmernde Riesending an alles Mögliche: Eine Mischung aus Big Mac, Halloween-Kürbis, Turban und Kommandobrücke, erhebt sich der Koloss wie ein Vorposten auf einem künstlich aufgeschütteten Hügelpodest vor den Toren des Mercedes-Werks. Durch eine Passage ist er zugleich verbunden mit dem benachbarten Mercedes-Vertriebscenter. Zum Business liefert das Museum für acht Euro Eintritt den ästhetischen Mehrwert.

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