Neuer Sicherheitsassistent
Warnsystem rüttelt übermüdete Fahrer wach

Nach Plänen von Mercedes-Benz könnten künftig etliche Unfälle von übermüdeten Autofahrern vermieden werden. Der Stuttgarter Autobauer hat ein Assistenzsystem entwickelt, das Fahrer rechtzeitig vor dem gefürchteten Sekundenschlaf warnen soll. Nach zahlreichen Test beginnt jetzt die letzte Erprobungsphase.

hsn DÜSSELDORF. Läuft alles glatt, gehe das System 2009 in Serie, teilte Mercedes-Benz mit. Neben Schlafmangel in der Nacht zählt vor allem die Monotonie beim Autofahren als eine der häufigsten Ursachen für den gefährlichen Sekundenschlaf am Lenkrad. Zwei Drittel der Müdigkeitsunfälle passieren in der Dunkelheit, jeder zweite bei geringer Verkehrsdichte. Nach Ansicht von Wissenschaftlern steigt das Unfallrisiko vor allem bei Langstreckenfahrten unter monotonen Bedingungen.

Das neue Warnsystem soll Müdigkeit bereits im Ansatz erkennen. Es analysiert das Fahrerverhalten mit verschiedenen Sensoren und erkennt, wenn sich der persönliche Fahrstil müdigkeitsbedingt ändert. Dann rüttelt ein Warnsignal den Fahrer auf und ein blinkendes Symbol in der Instrumententafel fordert ihn zur Pause auf.

Auch andere Hersteller arbeiten an ähnlichen Sicherheitslösungen. Zulieferer Hella oder auch der schwedische Autobauer Volvo koppeln beispielsweise ein System zur Überwachung der Spurhaltegenauigkeit mit einer Innenraumkamera, die Kopf- und Augenposition des Fahrers sowie Lidschlagdauer und Lidschlagfrequenz kontinuierlich überwacht.

„Das ist uns viel zu ungenau“, sagt Mercedes-Sprecher Norbert Giesen. Die Kameraüberwachung sei schwierig bei Brillenträgern und bei asiatischen Fahrern bestehe das Problem, dass deren Pupillen wegen der geschlitzten Augen nur schwer zu erfassen seien. Zudem würden die Spurhalteassistenten im Winter vor allem bei Schneefall außer Gefecht gesetzt.

Die Entwicklung des Mercedes-Warnsystems, an der auch Psychologen teilnahmen, begann mit einer Versuchsreihe im Berliner Fahrsimulator. Es folgten Tag- und Nachtfahrten auf Autobahnen an denen über 420 Testpersonen teilnahmen. Die Ingenieure fanden dabei heraus, dass Müdigkeit von vielen Menschen nicht richtig und vor allem nicht rechtzeitig genug wahrgenommen wird. Sie mache sich in der Regel nicht schlagartig bemerkbar, sondern baue sich über einen gewissen Zeitraum auf, fasst Giesen die Erkenntnisse zusammen. Dabei ließen Reaktionsvermögen und Wahrnehmungsfähigkeit kontinuierlich so stark nach, dass Autofahrer schon in frühen Phasen der Ermüdung häufig nicht mehr richtig handeln könnten.

Anders als die andere Verfahren zur Müdigkeitserkennung wertet das Mercedes-System mehrere verschiedene Indikatoren aus, um den gleitenden Übergang vom Wachzustand zur Ermüdung zu erkennen. Dazu beobachtet der sogenannte Attention Assist typische Verhaltensmuster des Autolenkers und erstellt so ein individuelles Fahrerprofil. Zu den Messgrößen gehören neben der Geschwindigkeit und der Längs- und Querbeschleunigung auch die Lenkradwinkel, die Blinker- und Pedalbetätigungen sowie bestimmte Bedienhandlungen und äußere Einflüsse wie Seitenwind oder Fahrbahnunebenheiten.

Die Tester legten bisher mehr als 500 000 Kilometer zurück. Sie fuhren durch verschiedene Klimazonen, im Stadtverkehr sowie auf Schlechtwegstrecken. In welches Modell der neue Sicherheitsassistent als erstes eingesetzt werden solle, sei noch nicht entschieden, so Giesen.

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