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Oldtimer besser in Schuss als neuere Modelle: Alte Liebe rostet seltener

Über 600.000 Oldtimer mit über 30 Jahren auf dem Buckel sind hierzulande unterwegs, die Hälfte davon trägt das begehrte H-Kennzeichen. 85 Prozent dieser Fahrzeuge bestehen die HU beim ersten Anlauf.

85 Prozent der Autos mit H-Kennzeichen erhalten bei der Hauptuntersuchung die Prüfplakette beim ersten Anlauf. Quelle: MID
85 Prozent der Autos mit H-Kennzeichen erhalten bei der Hauptuntersuchung die Prüfplakette beim ersten Anlauf. Quelle: MID

StuttgartDer gute Zustand vieler Oldtimer ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sie meist nicht mehr im Alltagsbetrieb zum Einsatz kommen. Im Winter stehen viele Klassiker wohlbehütet in der Garage. Es zeigt sich aber unabhängig davon, dass die Besitzer ihren Schätzchen ein hohes Maß an Pflege und Wartung zukommen lassen; "ganz im Gegensatz zu den Haltern vieler im Alltag genutzten Gebrauchsfahrzeuge", weiß GTÜ-Oldtimerexperte Peter Deuschle.

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Oldie-Konservierung

  • Was ist Fahrzeugkonservierung?

    Mit einer Fahrzeugkonservierung soll das Fahrzeug in dem Zustand gehalten werden, in dem es ist oder kurz vor der Konservierung gebracht wurde.

  • Wie wird konserviert?

    Meist dienen unterschiedlich kriechfähige Fette zur Konservierung. Sie unterkriechen Schmutz, Dreck und Unterbodenschutz und verhindern, dass sich an kleinen vorhandenen Roststellen weiterer Rost bildet, indem sie die Sauerstoffzufuhr stoppen. Größere Roststellen sollten durch entsprechende Karosseriebauarbeiten vor der Konservierung fachmännisch behandelt werden.

  • Wo kann man konservieren lassen?

    Die Anbieter von Konservierungsmitteln haben zum teil Partnerwerkstätten. Vieles kann man aber auch selbst machen.

  • Auf was muss ich beim Konservieren achten?

    Es muss genau gearbeitet werden. Ist aber ein Blech einmal so professionell behandelt, wird es kaum mehr rosten.

  • Was kostet eine Konservierung?

    Das kann man ohne direkte Inaugenscheinnahme und Prüfung des Oldtimers nicht sagen. Generell gilt: Eine gute, saubere Bodenwäsche kostet zwischen 100 und 300 Euro. Trockeneisstrahlen wird pro Stunde berechnet, da können schon mal schnell 800 bis 1.300 Euro weg sein. Das Auftragen der Fette kann man mancherorts durchaus im Alleingang machen, es gibt dazu ausführliche Beschreibungen.

  • Wie lange hält eine Konservierung?

    Wenn sie gut gemacht ist, hält sie theoretisch extrem lange. Es kommt aber auch darauf an, welchen Temperatur- und Witterungsbedingungen der Oldtimer ausgesetzt ist, damit die Fette ihre Wirksamkeit behalten.

Seine Aussage wird gestützt durch eine neue Mängelauswertung der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ). Der zufolge sind mehr als 600.000 Oldtimer mit über 30 Jahren auf dem Buckel hierzulande unterwegs, die Hälfte davon trägt das begehrte H-Kennzeichen.

85 Prozent dieser Fahrzeuge zwischen 30 Jahren und 40 Jahren bestehen die Hauptuntersuchung beim ersten Anlauf, und sind damit besser in Schuss als viele jüngere Modelle. Ein Drittel der Youngtimer zwischen 20 Jahren und 30 Jahren erhält dagegen zunächst keine Prüfplakette. Die großen Unterschiede zwischen den Altersklassen macht die aktuelle Mängelstatistik ebenfalls deutlich.

Oldtimer und ihre Bewertung

  • Kein Oldie ohne Bewertung

    Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

    Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

  • Note 1

    Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

    Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

  • Note 2

    Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

    Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

  • Note 3

    Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

  • Note 4

    Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

  • Note 5

    Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

  • Ergänzungen

    Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

    Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

  • Restauration

    Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
    fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

  • Originalität

    Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

  • Prominenz

    Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

45 Prozent der bis zu neunjährigen Fahrzeuge sind mit Mängeln unterwegs. Bei einem Alter von zehn Jahren bis 19 Jahren steigt die Mängelquote dann erheblich auf etwa 62 Prozent. Noch höher liegt die Quote bei den 20-Jährigen bis 29-Jährigen. Hier sind 75 Prozent der Pkw mit Mängeln unterwegs. Mit dem Erreichen des Oldtimer-Alters wandelt sich das Bild dann jedoch erheblich.

Die Mängelquote sinkt schlagartig auf nur noch 50 Prozent. Hier stellen die Prüfer "erhebliche Mängel" nur bei 15 Prozent der Autos fest. Diese Werte finden sich sonst nur bei Fahrzeugen bis zu einem Alter von sieben Jahren.

Daten und Fakten zum deutschen Oldtimer-Markt

  • Oldtimer-Messe Techno Classica

    Nach einem durchwachsenen Jahr 2010 brummt der Handel mit Oldtimern wieder. Bei der weltweit größten Oldtimermesse Techno-Classica (21. bis 25. März) in Essen ist die Nachfrage so groß wie nie zuvor, sagt Veranstalter Leon Franssen.
    Rund 300 Anbieter stellen auf der komplett ausgebuchten Messe mehr als 3500 Sammler-Fahrzeuge aus. Davon stehen 2500 zum Verkauf. Rund 180.000 Besucher kommen zur Messe.

  • Pretiosen

    Oldtimer-Raritäten erzielen hohe sechsstellige oder sogar Millionen-Preise. Spektakuläre Ausstellungsstücke in Essen sind 2012 etwa einer der ersten Mercedes 300 SL aus dem Jahr 1952, dazu kommen Bugattis, Rolls-Royce-Fahrzeuge oder ein nach Veranstalterangaben weltweit einzigartiger Bertone Chevrolet Corvair Testudo von 1961- ein Sportwagen mit Heckmotor für etwa 400.000 Euro.

  • Teures Hobby

    Nach den Zahlen der Oldtimer Weltorganisation FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) lassen sich allein die deutschen Oldtimer-Fans ihr Hobby jährlich 5,5 Milliarden Euro kosten. Rund 30.000 Menschen arbeiten in der Branche, der die Reparaturaufträge nie ausgehen.

  • Wertentwicklung

    Der Durchschnitts-Oldtimer koste nicht Hunderttausende, sondern 13.800 Euro, sagt Stefan Röhrig vom Verband der Automobilindustrie (VDA), der die Oldtimerpreise jährlich erfasst. Den größten Wertzuwachs erreichte dabei die „Ente“ 2 CV vor Renault R 4 und Fiat 500 und Porsche 924.
    Insgesamt hätten Oldtimer nach dem Krisenjahr 2010 mit nur verhaltener Wertentwicklung 2011 um gut neun Prozent an Wert zugelegt, sagte Röhrig. Erfasst werden 88 verschiedene Autotypen der Klassikerszene.

  • Imagetransfer

    Oldtimer sind älter als 30 Jahre, rund 385.000 dieser Autos fahren aktuell in Deutschland. Bei der Messe sind viele liebevoll gestaltete Stände von Klassikerclubs privater Fans vertreten. Sie werden zunehmend in die Auftritte der Marken integriert.
    Fast alle Autohersteller investieren seit Jahren in Historiksparten. BMW bietet etwa 40.000 Ersatzteile für seine Oldtimer an, wie ein Sprecher sagte. Die Produzenten sehen dies als Pflege des Markenimages. Mercedes-Benz Classic verkauft jedes Jahr für 130 Millionen Euro Ersatzteile an Liebhaber klassischer Fahrzeuge.

Ein guter Pflegezustand zahlt sich bei Ü30-Fahrzeugen auch finanziell aus. Denn erst dieser berechtigt in Verbindung mit einem originalgetreuen oder zeitgenössischen Zustand zum begehrten H-Kennzeichen, das die Kfz-Zulassungsstelle ausstellt.

Der Halter zahlt dann jährlich eine Steuerpauschale von 191 Euro, wodurch sich besonders bei hubraumstarken Modellen eine erhebliche Ersparnis ergibt. Damit unterstützt der Gesetzgeber den Oldtimerbesitzer beim Erhalt seines Fahrzeuges. Ein Blick auf die Statistik zeigt: offensichtlich mit Erfolg.

Quelle: MID
  • 12.03.2013, 12:53 Uhrmarkroger

    Also, mal nachgerechnet: 1/3 aller 20-30 jährigen erhält keine Plakette, d.h. bei gerundet 66% ist das Fahrzeug verkehrssicher. Ein paar Zeilen weiter heißt es, 75% sind mit Mängeln unterwegs, also nur noch 25% kommen durch den "TüV". Was ist denn das für eine Statistik?

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